Robin: "Verbraucher oft starr und zahlen damit doppelt"

Rekordgewinne der Südtiroler Banken: “Treue kommt Kunden teuer zu stehen”

Donnerstag, 07. Mai 2026 | 09:52 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Verbraucherschutzverein Robin sieht angesichts der aktuellen Gewinnzahlen der Südtiroler Banken eine deutliche Schieflage zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft. Während die Institute hohe Gewinne erwirtschaften, bleibt die finanzielle Belastung für viele Haushalte und Betriebe spürbar, so das Fazit von Robin.

Hohe Gewinne – gebundene Mittel für die Region

Die großen Banken im Land haben auch im Geschäftsjahr 2025 außergewöhnlich gut verdient: Die Südtiroler Volksbank weist einen Gewinn von 131 Millionen Euro aus, die Südtiroler Sparkasse 87,5 Millionen Euro.

Das Raiffeisen-System Südtirol erzielte zuletzt ein Gesamtergebnis von rund 232 Millionen Euro und dürfte für 2025 zumindest stabil die Zahlen halten, wenn nicht sogar ausbauen.

Damit erreicht das Bankensystem insgesamt eine Gewinndimension von deutlich über 400 Millionen Euro jährlich. Aus Sicht von Robin handelt es sich dabei nicht nur um betriebswirtschaftliche Erfolge, sondern auch um Mittel, die der regionalen Wirtschaft und den privaten Haushalten entzogen werden – “daran ändern auch gelegentliche Beiträge oder Sponsorings der Banken für Sport, Kultur oder soziale Initiativen nichts.”

“Ein System zulasten der Kunden”

Die Erträge der Banken entstünden nicht im luftleeren Raum. “Sie werden maßgeblich von den eigenen Kunden getragen – über Gebühren, Provisionen und die Kosten von Finanzprodukten ebenso wie über die Zinsbelastung bei Krediten. Die Verbraucher tragen somit doppelte Kosten: direkte und indirekte. Auch wenn sich das Zinsniveau seit 2025 etwas stabilisiert hat, bleibt die finanzielle Belastung für viele Kreditnehmer”, heißt es weiter.

Gerade die Phase steigender Zinsen wirke noch nach. “Viele Haushalte und Betriebe tragen heute Finanzierungen, die unter deutlich ungünstigeren Bedingungen abgeschlossen oder angepasst wurden. Besonders variabel verzinste Kredite haben diese Entwicklung direkt weitergegeben und damit das Risiko weitgehend auf die Kunden verlagert”, so Robin.

Für Robin: “Ökonomisch fragwürdige Entwicklung”

Aus Sicht moderner Ökonomie werfe diese Entwicklung grundsätzliche Fragen auf. Der Finanzsektor habe eine dienende Funktion für die Realwirtschaft. Wenn jedoch Banken überproportional hohe Gewinne, ja Übergewinne erzielten, während gleichzeitig die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte hoch sind, deute das auf ein strukturelles Ungleichgewicht hin. “Wertschöpfung sollte primär dort entstehen, wo reale Güter und Dienstleistungen produziert werden – nicht in einem Sektor, der vergleichsweise geringe Risiken trägt und dennoch hohe Erträge erzielt”, so der Verbraucherschutzverein.

Kosten bleiben oft im Verborgenen

Ein wesentlicher Teil der Belastung bleibe für viele Verbraucher unsichtbar. “Zwar sind Banken verpflichtet, detaillierte Kostenberichte bereitzustellen – doch diese Informationen sind häufig schwer zugänglich und für viele Kunden kaum verständlich aufbereitet”, so Robin weiter.

„Banken neigen dazu, genau diese Informationen möglichst unauffällig zu behandeln“, erklärt Walther Andreaus, der Geschäftsführer von Robin. „Die entscheidenden Kostenberichte verschwinden oft in umfangreichen Mitteilungen oder im Online-Bereich. Ich kann nur empfehlen, die mindestens einmal jährlich im Nachhinein (meist im Januar für das Vorjahr) kostenfrei zur Verfügung gestellten Entgeltaufstellungen (Statements of Fees) für Finanzdienstleistungen genau anzuschauen. Sie schlüsseln retroaktiv die tatsächlichen Gesamtkosten und alle angefallenen Einzelgebühren im abgelaufenen Jahr auf. Die Dokumente nutzen ein EU-weit vereinheitlichtes Symbol und Layout, damit Verbraucher Preise von Finanzdienstleistungen auf einen Blick vergleichen können.“

Was Verbraucher und Betriebe jetzt tun können

Für Robin ist klar: “Die Situation ist nicht nur eine Frage der Banken, sondern auch des Verhaltens der Kunden. Wer bestehende Konditionen einfach hinnimmt, verzichtet oft auf erhebliche Einsparpotenziale.”

Gerade in einem Umfeld hoher Bankgewinne lohne es sich, Angebote aktiv zu vergleichen und Konditionen zu hinterfragen. “Viele Kosten – ob bei Konten, Krediten oder Veranlagungen – sind verhandelbar oder durch einen Anbieterwechsel reduzierbar. Dennoch zeigt die Praxis, dass ein großer Teil der Kunden über Jahre hinweg bei denselben Bedingungen bleibt.”

Damit fehle ein zentraler Mechanismus: Wettbewerb. “Erst wenn Kunden bereit sind zu wechseln oder aktiv zu verhandeln, entsteht für Banken ein echter Anreiz, bessere Konditionen anzubieten.”

Robin spricht in diesem Zusammenhang vom „Rucksack-Effekt“: “Kosten, die heute akzeptiert werden, wirken langfristig weiter und summieren sich über Jahre hinweg zu erheblichen Beträgen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern.”

Fazit: Mehr Bewegung im System notwendig

“Die aktuellen Gewinnzahlen zeigen, dass der Bankensektor in Südtirol sehr gut verdient. Gleichzeitig bleibt die Belastung für viele Haushalte und Betriebe spürbar.” Für den Verbraucherschutzverein Robin steht daher fest: “Ein funktionierender Wettbewerb, mehr Transparenz und ein aktiveres Verhalten der Kunden sind entscheidend, um die Balance zwischen Banken, Verbrauchern und Realwirtschaft wieder herzustellen.”

Bezirk: Bozen

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