Von: ka
Arzignano/Bergamo/Marrakesch – Ein Ryanair-Flug Flug vom 4. Mai von Bergamo nach Marrakesch wurde zum Schauplatz einer heldenhaften Rettung: Ein erst 13 Monate alter „zyanotischer“ Säugling wurde in letzter Minute gerettet. Als das Flugpersonal unter den Passagieren nach Krankenpflegern oder Ärzten suchte, um dem Säugling, der sich in einem kritischen Zustand befand, zu helfen, zögerten Riccardo Marchetto und Ilaria Valentini keine Sekunde. Sie führten lebensrettende Maßnahmen am kleinen Buben durch, der an schwerer Atemnot litt. Zur Freude seiner Eltern erholte er sich innerhalb weniger Minuten. Die medizinische Bordausrüstung war ihnen dabei aber kaum eine Hilfe, denn sie wies wesentliche Mängel auf. Dies teilten sie Ryanair nach dem Flug mit.

Sie waren auf dem Weg in den Urlaub nach Marrakesch, als es auf dem Ryanair-Flug ab Bergamo zu einem Notfall kam. Die beiden leisteten Erste Hilfe. Dabei stellten sie jedoch auch gravierende Mängel bei der Bordausrüstung fest.
Riccardo Marchetto und Ilaria Valentini sind 33 Jahre alt, verheiratet und arbeiten als Krankenpfleger im Krankenhaus Cazzavillan in Arzignano in der Provinz Vicenza für den Sanitätsbetrieb Ulss 8 Berica. Dort wechseln sie zwischen Schichten in der Notaufnahme und Einsätzen in den Ambulanzfahrzeugen des Rettungsdienstes 118. In der ersten Maiwoche waren sie mit Ryanair von Orio al Serio in Bergamo nach Marrakesch unterwegs, um dort ein paar Tage Urlaub zu machen. Wie die Zeitung Giornale di Vicenza berichtet, rief die Flugbesatzung etwa 40 Minuten vor der Landung über die Lautsprecheranlage um medizinische Hilfe und fragte, ob sich Ärzte oder Krankenpfleger an Bord befänden. „Meine Frau und ich sind sofort aufgestanden und sahen eine Frau, die uns ihren 13 Monate alten Sohn anvertraute.“

Der erst 13 Monate alte Junge befand sich in einem kritischen Zustand. „Er war zyanotisch, hatte keinen Muskeltonus, den Kopf nach hinten geneigt und atmete nicht“, erinnerte sich Marchetto im Gespräch mit Marianna Peluso vom Corriere della Sera. Die Mutter, die kein Italienisch sprach, zeigte immer wieder auf den Hals des Kindes. Dank der Hilfe eines italienisch-marokkanischen Passagiers, der übersetzte, begannen die beiden Krankenpfleger im Gang des Flugzeugs mit den Maßnahmen zur Atemwegsfreigabe bei Kindern.
„Dann stellten wir fest, dass der Kleine sehr heiß war, und vermuteten einen Fieberkrampf, gefolgt von einer Phase der Hypoventilation. Wir begannen mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung, aber das Notfallset war für einen pädiatrischen Eingriff unvollständig. Wir mussten Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen und diese mit Herzmassage abwechseln.“ Die medizinische Notfallsituation klärte sich nach wenigen Minuten, die endlos schienen. „Nach zwei vollständigen Zyklen, also etwa fünf Minuten, begann das Kind wieder zu atmen, und seine Gesichtsfarbe normalisierte sich“, erklärte Marchetto weiter. „Wir haben ihn bis zur Landung überwacht, während sich die Mutter, die anfangs völlig verängstigt war, beruhigte, als sie sah, dass sich der Zustand ihres Sohns besserte.“ Anschließend zogen sie ihm die Kleidung aus, kühlten es mit feuchten Tüchern und hielten es bis zur Landung unter Beobachtung.

Das eigentliche Problem war laut dem Krankenpflegerpaar das im Flugzeug vorhandene Erste-Hilfe-Set, das sich für die Behandlung des Kindes als unzureichend erwiesen hatte. „Wir haben mit den Wiederbelebungsmaßnahmen gemäß den pädiatrischen Richtlinien begonnen, aber das gesamte verfügbare medizinische Material war ungeeignet“, erklärten sie gegenüber La Repubblica.
In der Sanitätstasche fehlten den drei selbstaufblasbaren Beatmungsbeuteln die Gesichtsmasken, sodass diese unbrauchbar waren. Von den beiden Sauerstoffflaschen war eine leer und die andere hatte keine Maske für Kinder. Auch der Defibrillator war nur für Erwachsene ausgelegt und verfügte über keinen pädiatrischen Modus. Ein auf einen Erwachsenen kalibrierter Stromstoß, der am Körper eines Säuglings angewendet worden wäre, hätte tödliche Folgen haben können. Ohne Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage hätte der Bub den Ambulanzwagen, der am Boden auf ihn wartete, nicht lebend erreicht.

Nachdem sie ausgestiegen waren und von den anderen Passagieren mit Applaus empfangen worden waren, dankte ihnen die zu Tränen gerührte Familie. Marchetto und Valentini beschlossen daraufhin, sich schriftlich an die Fluggesellschaft zu wenden, um auf die Mängel hinzuweisen. „Ich habe mehrere E-Mails an die Fluggesellschaft geschickt“, berichtete Marchetto dem Corriere della Sera.
Er fügte hinzu, dass er sich auch im Kundenservice-Forum angemeldet habe. Dort habe er jedoch lediglich eine automatisch generierte Antwort erhalten. Bislang gab es keine konkrete Rückmeldung. Das Paar möchte seine Absichten klarstellen: „Wir wollen keinen Dank, das ist unsere Arbeit.“ Ihr Ziel sei ein anderes, sagen sie: „Das Einzige, was wir sicherstellen wollen, ist, dass die Kontrollen der medizinischen Ausrüstung an Bord viel gründlicher durchgeführt werden und sich eine solche Situation nicht wiederholt. Denn der Ausgang eines medizinischen Notfalls könnte tragisch sein.“

Riccardo Marchetto und Ilaria Valentini lernten sich Ende 2020, mitten in der Pandemie, auf der Notaufnahme-Station in Arzignano kennen. „Wir waren nur zwei Kollegen, als wir uns verliebten, während wir Seite an Seite arbeiteten“, erinnert sich Marchetto. Diesen Monat feiern sie ihren ersten Hochzeitstag. Für sie ist es nichts Ungewöhnliches, außerhalb ihrer Dienstzeit einzugreifen. Vor etwa einem Jahr etwa, als sie gerade in den Urlaub fahren wollten, waren sie die Ersten, die einer bei einem schweren Verkehrsunfall verletzten Person zu Hilfe kamen. Bei ihrer Rückkehr ins Krankenhaus wurden sie von Kollegen und Vorgesetzten mit Lob und Dank empfangen. Doch das Paar bleibt bescheiden: „Das hätte jeder an unserer Stelle getan.“
Die Fluggesellschaft Ryanair hingegen wies alle im Zusammenhang mit dem Flug vom 4. Mai von Mailand nach Marrakesch entstandenen Kritiken zurück. „Alle medizinischen Geräte an Bord wurden vor dem Abflug überprüft und entsprechen vollständig den Vorschriften der EASA (Europäische Agentur für Flugsicherheit, Anm. der Red.)“, hieß es.
Der Fall hat jedoch eine heftige Kontroverse ausgelöst und wird nun die Gesundheitsminister Orazio Schillaci und den Verkehrsminister Matteo Salvini beschäftigen. Dies geschieht im Rahmen von zwei getrennten parlamentarischen Anfragen, die von dem Fraktionsvorsitzenden der Demokratischen Partei PD im Verkehrsausschuss der Abgeordnetenkammer, Anthony Barbagallo, sowie von den Abgeordneten der Allianz der Grünen und der Linken AVS, Luana Zanella und Francesco Emilio Borrelli, eingereicht wurden.

„Die Sicherheit im Luftverkehr muss in jeder Hinsicht gewährleistet sein, und es darf bei den Kontrollen keine Grauzonen geben. Wir können nicht zulassen, dass eventuelle Mängel bei der Ausrüstung oder den Verfahren erst in extrem ernsten Situationen zutage treten. Es ist notwendig, den Vorfall vollständig aufzuklären“, so Barbagallo, der den beiden Krankenpflegern dankt und ankündigt, eine Anfrage an die Regierung zu richten, um zu klären, „welche Kontrollen die ENAC an der medizinischen Ausrüstung und den Notfallvorrichtungen an Bord von Flugzeugen durchführt und ob diese Kontrollen geeignet sind, die höchsten Sicherheitsstandards für die Passagiere zu gewährleisten“.




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