Traumhochzeit als Albtraum: Hochzeitsplanerin zu 19.000 Euro Schadenersatz verurteilt

Kunstblumen, defektes Auto, mangelhaftes Catering und Schwangere in der Notaufnahme

Mittwoch, 03. Juni 2026 | 08:11 Uhr

Von: ka

Pienza/Grosseto – Ein Paar mit italienischen Wurzeln aus Australien wünschte sich für seine Trauung eine Traumhochzeit in der Toskana. Da sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht selbst ihre Hochzeit organisieren konnten, beauftragten sie eine Hochzeitsplanerin und deren Agentur mit der gesamten Planung und Organisation des „schönsten Tages ihres Lebens“. Dafür überwiesen sie ihnen mehr als 25.000 Euro.

Die vermeintliche Traumhochzeit, die 2022 in Pienza bei Siena stattfand, wurde jedoch zu einem Albtraum: Von der Dekoration über das defekte Hochzeitsauto bis hin zum Catering ging vieles schief. Eine hochschwangere Frau, die zusammen mit anderen Gästen ins Schwimmbad gefallen war, musste sogar die Notaufnahme aufsuchen. Das zwang das Hochzeitspaar, die Feierlichkeiten zu unterbrechen. Der Streit mit der Agentur mündete in einen Zivilprozess. Vier Jahre nach der missglückten Traumhochzeit verurteilte das Gericht in Grosseto die Agentur zu einer Schadenersatzzahlung von 19.000 Euro.

APA/APA/dpa/Silas Stein

Sie hatten einen der malerischsten Orte der Toskana für ihre Hochzeit ausgewählt. Sie entschieden sich für ein mittelalterliches Dorf inmitten der Hügel des Val d’Orcia und legten die Organisation in die Hände von Fachleuten der Branche. Doch was eigentlich ein unvergesslicher Tag werden sollte, entwickelte sich zu einer langen Abfolge von Pannen, Problemen und Momenten großer Sorge.

Die Hauptdarsteller dieser Geschichte sind ein australisches Paar, das im Sommer 2022 beschloss, seine Hochzeit in Monticchiello, einem malerischen Ortsteil der Gemeinde Pienza in der Provinz Siena, zu feiern. Fast vier Jahre später endete ihr Rechtsstreit mit einem Urteil zu ihren Gunsten: Das Gericht von Grosseto verurteilte die mit der Organisation der Veranstaltung beauftragte Firma dazu, dem Brautpaar rund 19.000 Euro an Schadensersatz und Anwaltskosten zu zahlen.

Facebook/Toscana tra Tavole e Viaggi

Da das Brautpaar von Australien aus schwerlich alle Vorbereitungsphasen persönlich begleiten konnte, hatte es sich entschieden, die Organisation der Hochzeit vollständig einer auf Veranstaltungen spezialisierten Agentur aus Grosseto anzuvertrauen. Der Auftrag umfasste praktisch jeden Aspekt der Zeremonie – von der Wahl des Veranstaltungsortes über das Catering, die Beleuchtung und die Dekoration bis hin zu den Beschilderungen, dem Brautstrauß, den Gastgeschenken, dem Oldtimer für die Fahrten sowie den Foto- und Videodiensten einschließlich Luftaufnahmen mit einer Drohne. Um ihre Traumhochzeit zu verwirklichen, hatte das Paar über 25.000 Euro bezahlt – in der Überzeugung, sich auf eine tadellose Organisation verlassen zu können. Die Dinge nahmen jedoch einen völlig anderen Lauf.

APA/APA (dpa)/Oliver Berg

Die ersten Beanstandungen des Brautpaares bezogen sich auf die Blumendekoration. Wie sich im Laufe des Verfahrens herausstellte, waren der Brautstrauß, der Blumenkranz und die gesamte Dekoration nicht fachgerecht ausgeführt worden. Außerdem waren die verwendeten Blumen entgegen den Vereinbarungen nicht frisch. Dies mag nebensächlich erscheinen, ist für eine Hochzeitszeremonie aus ästhetischer und symbolischer Sicht jedoch eines der wichtigsten Elemente.

Zu den Beanstandungen gehörte auch ein eklatantes Versehen im Liturgiebuch. In einer der Passagen der Feier tauchten nämlich falsche Namen auf. Dieser Vorfall trug zur Unzufriedenheit des Brautpaares bei und wurde in die Liste der vor Gericht vorgebrachten Mängel aufgenommen.

Nicht weniger peinlich war das, was mit dem für die Zeremonie gemieteten Hochzeitsauto geschah. Das Fahrzeug, ein alter VW Käfer, soll bereits zu Beginn des Tages Probleme gehabt haben, sodass es nicht anspringen wollte. Es musste mehrfach angeschoben werden – für ein Auto, das das Brautpaar an dem wichtigsten Tag seines Lebens begleiten sollte, ist das ausgesprochen ärgerlich.

APA/APA(Archiv/dpa)/Friso Gentsch

Zu den beanstandeten Mängeln zählt auch die Organisation des Caterings. Wie im Gerichtssaal rekonstruiert wurde, war während des gesamten Aperitifs kein Personal im für den Service vorgesehenen Bereich anwesend, um die Gäste zu betreuen. Und nicht nur das: Im Getränkebereich fehlten sogar Gläser, was zu erheblichen Unannehmlichkeiten für die Anwesenden führte. Die Situation soll derart eskaliert sein, dass der Bräutigam laut den Prozessakten „Wasser direkt aus der Flasche trinken musste“.

Auch die Hochzeitstorte war laut dem Paar im Verhältnis zur Anzahl der anwesenden Gäste zu klein. Eine Fehleinschätzung mit unmittelbaren Folgen: Viele Gäste konnten sie nämlich gar nicht probieren. Dies habe die Enttäuschung des Brautpaares noch weiter verstärkt.

Zu den kuriosesten Vorfällen, die während des Prozesses ans Licht kamen, gehört einer, der ein dem Paar besonders wichtiges Geschenk betrifft. Das Brautpaar hatte dem Catering-Service einige typisch australische Kekse übergeben. Diese sollten während des Empfangs als Erinnerung an ihre Herkunft verteilt werden. Den Gästen wurden diese Kekse jedoch nie serviert, sodass der Feier ein Detail fehlte, das den beiden besonders wichtig war.

fotolia.de/Sondem

Auch der Foto- und Videoservice, der jeden Moment des Tages dokumentieren sollte, wies gravierende Mängel auf. Aufgrund weiterer Verzögerungen und Zwischenfälle während des Empfangs wurden der erste Tanz und die Tanzrunden weder angemessen fotografiert noch gefilmt. Für das Brautpaar ein besonders schwerwiegender Mangel, da es somit keine Bilder von einem der emotionalsten und mitreißendsten Teile der Feier hat.

Der schwerwiegendste Zwischenfall des Tages ereignete sich jedoch während des Empfangs und betraf mehrere Gäste. Wie im Nachhinein ermittelt wurde, soll eine im sechsten Monat schwangere Frau, eine Freundin des Brautpaares, zusammen mit anderen Personen in den Pool gefallen sein, da eine Vertiefung nicht ausreichend gekennzeichnet war. Die Folgen gaben sofort Anlass zur Sorge. Da sich die Frau in einem fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft befand, musste sie zur medizinischen Untersuchung in die nächste Notaufnahme gebracht werden. Der Vorfall versetzte die Anwesenden und insbesondere das Brautpaar in Bestürzung.

apa

Besorgt um den Zustand ihrer Freundin beschlossen die frisch Vermählten, die Feierlichkeiten zu unterbrechen, um ihre Freundin zu begleiten und sich persönlich von ihrem Gesundheitszustand zu überzeugen. Das Paar entfernte sich somit für etwa eine Stunde von der Feier – ein Vorfall, der vielleicht besser als jeder andere verdeutlicht, wie sehr sich der Tag von dem Bild entfernt hatte, das man sich in den Monaten zuvor erträumt hatte. Eine Hochzeit, die eigentlich wegen der Gefühle, der Freude und der Schönheit der Toskana in Erinnerung bleiben sollte, verwandelte sich stattdessen in eine Abfolge von Schwierigkeiten und albtraumhaften Pannen.

APA/APA (dpa)/Andreas Lander – Symbolbild

Der folgende Rechtsstreit mit der Agentur mündete in einen Zivilprozess, der fast vier Jahre nach der Albtraumhochzeit mit einem Urteil zugunsten des australischen Paares endete. In den vergangenen Tagen hat die Richterin Silvia Leone vom Gericht in Grosseto einen wesentlichen Teil der vom australischen Paar vorgebrachten Vorwürfe als begründet anerkannt. Zwar wurde nicht allen Schadenersatzforderungen des Ehepaares stattgegeben, das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass die zahlreichen Mängel die Gesamtqualität der Hochzeit tatsächlich beeinträchtigt haben. Es verurteilte den Veranstalter daher zur Zahlung von rund 19.000 Euro für Schadenersatz und Anwaltskosten.

APA/APA (Schlager)/ROLAND SCHLAGER

„Das ist eine falsche Darstellung. Dieses Urteil hat mich verletzt. Alles war gut gelaufen“, wehrt sich die ehemalige Inhaberin der Agentur. Doch die Richterin sah das anders. Der Schadenersatz mag das Paar vom Kontinent auf der anderen Seite des Globus etwas trösten, aber er kann die unschönen Erinnerungen an ihre Trauung niemals wieder gutmachen.

Kommentare

Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen