Tiere fallen Hunger, Krankheiten und Unfällen zum Opfer - VIDEO

Reitstall in Konkurs gegangen: Großes Pferdesterben im Po-Delta

Dienstag, 06. November 2018 | 07:12 Uhr

Ostellato – Im Po-Delta, das derzeit vom Hochwasser heimgesucht wird, ist ein großes Pferdesterben im Gange. Seitdem vor drei Jahren ein Pferdestall in Konkurs gegangen ist, werden die Pferde nicht mehr mit Heu und Hafer versorgt. Seither ziehen die inzwischen halb verwilderten Tiere durch die Auwälder und Schilfgürtel des Po-Deltas. Nach und nach fielen aber mehr als die Hälfte der an das „freie Leben“ kaum gewöhnten Tiere Hunger, Krankheiten und nicht zuletzt Unfällen zum Opfer. Helfer und Pferdefreunde versuchen nun durch Futter und tierärztliche Versorgung, das Überleben der letzten 30 Stuten, Hengste und Jungtiere zu sichern.

Nicole Berlusconi mit „Resilienza“/ANSA/SERGIO PESCI

Das letzte Opfer des Hungers war das erst wenige Monate alte weibliche Fohlen „Resilienza“. Vor ihr waren weitere fünf Tiere verendet. Ihre Gerippe waren in den Auwäldern, die die Arme des Pos säumen, gefunden worden. Zusammen mit weiteren rund siebzig Tieren hatten die Pferdeeltern von „Resilienza“ ursprünglich zu einem Reitstall in der Valle Lepri bei Ostellato – einer Gemeinde des Po-Deltas in der Provinz Ferrara – gehört. Als der Reitstall im Jahr 2015 in Konkurs ging, wurden die Tiere vom Betreiber „einfach vergessen“. Die nicht mehr mit Heu und Futtergetreide versorgten Pferde, die allesamt der Rasse Camargue angehören, suchten schon bald das Weite und zogen in die im Sommer üppigen Auwälder des Po-Deltas. Aber das Leben in „Freiheit“ forderte unter den Tieren, die bisher daran gewohnt waren, regelmäßig Heu und Hafer zu erhalten, viele Opfer. Obwohl es einigen Stuten und Hengsten gelang, sich in freier Wildbahn fortzupflanzen, sank nach drei Jahren die Anzahl der frei umherziehende Pferde auf rund 30 Tiere. Neben dem besonders in den Wintermonaten grassierenden Hunger forderten auch Krankheiten und Unfälle ihren Tribut. Eine besondere Gefahr stellen die vielen Entwässerungskanäle, die für die Pferde die einzige Trinkwasserquelle sind, dar. Viele der durstigen Pferde sind zu schwach, nach dem Trinken wieder die steile Böschung zu erklimmen, sodass sie im Entwässerungskanal elendiglich ertrinken müssen.

Facebook/Progetto Islander

Aber für die letzten 30 Tiere gibt es nun Hoffnung. Leider kam sie für „Resilienza“ aber zu spät. „Resilienza“ wurde vor wenigen Tagen von Nicole Berlusconi – die Enkelin des ehemaligen italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi steht der Pferdeschutzvereinigung „Progetto Islander“ vor – aufgelesen. Auf Kosten von Nicole Berlusconi wurde das Fohlen mit einem speziellen Rettungstransportwagen in die Tierklinik von San Biagio bei Argenta gebracht. Aber alle Bemühungen der Veterinärmediziner waren vergeblich. „Resilienza“ erlag wie viele der anderen Pferde der Schwäche und den Krankheiten.

Aber die Bemühungen gehen weiter. Derzeit sind Freiwillige der Pferdeschutzvereinigungen „Progetto Islander“ und „Horse Angels“ dabei, das Überleben der verbliebenen drei Dutzend Tiere zu sichern. Leider wird deren Rettungsaktion vom andauernden Hochwasser – Südtirol News berichtete – behindert. Am Sonntag wurden vom Tiermediziner Giampaolo Maini mehrere Zentner Heu und Futtergetreide an die Pferde verteilt. Das reicht aber bestenfalls für eine Woche. Weiteres Futter sowie vor allem Medikamente, die die kranken Pferde entwurmen sollen, werden nötig sein, um das Überleben der Tiere zu sichern.

Facebook/Progetto Islander

In der Zwischenzeit schalteten sich auch die Behörden ein. Am Montag verfügte der Bürgermeister von Ostellato, Nicola Marchi, die Verlegung der Pferde. Es wird aber nicht leicht sein, die mittlerweile verwilderten und sehr scheuen Pferde einzufangen und in ein Gehege zu sperren. Auch die Pferdevereinigungen blieben nicht untätig und reichten bei der Staatsanwaltschaft eine Eingabe ein. Ziel der Eingabe – so Nicola Marchi – ist es, die Besitzer der Pferde zu ermitteln und für die Vereinigungen das Sorgerecht für die übrig gebliebenen Tiere zu erlangen.

Für die Pferde gibt es Hoffnung. Aber der Preis für den vollen Magen ist der Verlust der Freiheit.

Von: ka

Kommentare

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21 Kommentare auf "Reitstall in Konkurs gegangen: Großes Pferdesterben im Po-Delta"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
So ist das
So ist das
Superredner
14 Tage 6 h

Man hat drei Jahre zugeschaut?
Was für eine Schande für dieses Land. ☹️

m69
m69
Kinig
14 Tage 5 h

So ist das@

ja, wo sind die Grünen? hier wären sie gefragt!

per fortuna “Silvio” c´é , wenn auch nur seine Enkelin! 😉

nala
nala
Grünschnabel
14 Tage 4 h

Ja gebe dir vollkommen recht , da sieht man wieder wie grausam die Menschen sind …

falschauer
falschauer
Tratscher
14 Tage 4 h

diebezüglich hast du auf jeden fall recht!….unglaubliches verhalten

PuggaNagga
PuggaNagga
Universalgelehrter
13 Tage 6 h

Dabei haben die Linken regiert als diese Schande seinen Lauf genommen hat…

Missx
Missx
Universalgelehrter
14 Tage 3 h

Pferdesalami draus machen, dann sind sie von größtem Nutzen!

oli.
oli.
Universalgelehrter
13 Tage 21 h

Die Zeiten sind zum Glück vorbei , das Italien aus Pferd und Esel Salami machten und als Schwein verkaufen .
Aber schwarze Schafe gibt es überall !

PuggaNagga
PuggaNagga
Universalgelehrter
13 Tage 6 h

@Missx
Wie soll man mit dürren, abgemagerten und kranken Tieren Salami machen?

sonoio
sonoio
Superredner
13 Tage 6 h

😳 nach so einem artikel fällt dir dazu nix anderes ein?

Paula
Paula
Grünschnabel
14 Tage 4 h

Und wo sind die Tierschützer? Warum wurde hier nicht schon eher darüber berichtet? Sicher sind gerade in Norditalien mehrere Baustellen (Hochwasser, Sturmschäden usw.) Könnten die Tiere nicht von Bauern eingefangen werden?

oli.
oli.
Universalgelehrter
13 Tage 21 h

Wären das Wölfe , dann sind die Tierschützer Tag und Nacht unterwegs.

hoglsturm
hoglsturm
Tratscher
13 Tage 17 h

und wos soll der bauer mit ihnen machen?mäszen und schlachten oder lebenslange vollpension für nix?

peterle
peterle
Superredner
14 Tage 5 h

Nahrung für den Wolf und weitere Fleischfresser der Natur.

Mutti
Mutti
Superredner
14 Tage 5 h

Dei ormen Pferde…so long leiden miassn

dubiei
dubiei
Grünschnabel
14 Tage 4 h

Es gibt jo so a organization wo so a Skistar dabei isch, und die kümmern sich normalerweise um solche Tiere

m69
m69
Kinig
14 Tage 2 h

Zu Fischfutter verarbeiten?
Essen würde ich dieses Fleisch sicher nicht!

Missx
Missx
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

@m69
Und den Fisch würdest du dann essen?

Staenkerer
13 Tage 22 h

tjo, noch drei johr zuaschaugn mocht sich a bürgermeister gedonkn wos man tien kannt, schau, schau!
noch drei johr zuawortn suacht man de besitzerin um sie zu frogn ob se dectiere her gib????
oooohhhh mannnnn, wo lebn mir??? sunscht werg glei jeder schei… beschlognomt oder enteignet, ober de tiere überlosst man den schicksol!
de frau isch nit zu frogn, de isch zu strofn! und de zuständigen behörden genau so!

sonoio
sonoio
Superredner
13 Tage 6 h

welche frau meinst du? die bürgermeisterin?

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
14 Tage 2 h

es werd net auf die kronken gschaug ,wie soll da  auf tiere gschaug werden ?

wouxune
wouxune
Tratscher
13 Tage 18 h

Klingt böse obo wenman ihnen in Gnadnschuss gib müsstn sie et so qualvoll voenden…

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