Das dynamisch funktionierende Messgerät löst bei Autolenkern eine wahre Psychose aus

Scout Speed sorgt für Strafbescheidflut

Dienstag, 11. Oktober 2016 | 07:21 Uhr

San Donà di Piave – Der neue Alptraum der Autofahrer nennt sich Scout Speed. Das neue System ist seit dem heurigen Sommer in der Gemeinde San Donà di Piave in Venetien im Einsatz und hat schon Hunderte „Opfer“ gefordert. Insgesamt wurden bereits 1200 Strafbescheide ausgestellt, wobei im Schnitt 135 Euro fällig und drei Führerscheinpunkte abgezogen wurden.

Das neue System sieht im Gegensatz zu den an festen Orten platzierten Messgeräten keine Hinweisschilder vor, weil das Gerät direkt im Dienstfahrzeug der Gemeindepolizei montiert ist. Scout Speed funktioniert dynamisch, was heißt, dass das Gerät imstande ist, auch während der Fahrt die Geschwindigkeit anderer Fahrzeuge zu messen. Das Zusammenspiel einer kleinen Kamera, des serienmäßigen Innenrückspiegels und des Computers ermöglicht es – wie das Video zeigt – die Geschwindigkeiten vor und hinter dem Polizeiauto fahrender Pkws zu messen und zu identifizieren.

Auch weit entfernte und aus der Gegenrichtung kommende Fahrzeuge entgehen dem Scout Speed nicht. Die Autolenker sehen nur das Auto der Gemeindepolizei und erkennen nicht oder erst im letzten Moment das für sie so fatale Messgerät, sodass sie, wie in San Donà geschehen, manche Autolenker gleich mehrmals in die Falle tappten.

Das Messgerät und die Flut von Strafbescheiden haben in der Umgebung der Gemeinde unter den Autolenkern mittlerweile eine wahre Psychose ausgelöst. Der in einem Fiat Bravo der Gemeindepolizei montierte Scout Speed ruft aber nun die Gemeindeopposition auf den Plan. Ein Gemeinderat, Enrico Fingolo vom oppositionellen PdL, verlangt von der Gemeinde, dass sie Tag für Tag die Namen der Straßen und Plätze veröffentlicht, auf denen der Scout Speed eingesetzt wird, damit das Gerät seinen eigentlichen Zweck – nämlich für Verkehrssicherheit zu sorgen – dient und nicht dazu missbraucht wird, das Geld aus den Taschen der Bürger der Gemeinde zu ziehen.

Angesichts des Erfolgs des Scout Speed könnte auch manch klamme Südtiroler Gemeinde auf den Geschmack kommen und solch ein Gerät anmieten oder ankaufen. Im Hintergrund schwebt aber immer die Frage, ob mehr Strafen und Repression der Verkehrssicherheit mehr dienen, als Aufklärung, normale Polizeipräsenz und verkehrstechnische Maßnahmen.

Für die Gemeindekasse wäre ein Scout Speed die beste Lösung. Ob und wie viel Geld aber die Gemeinde dank der Strafen letztendlich einnimmt, steht in den Sternen, weil viele Temposünder bereits beschlossen haben, gegen die zugestellten Strafbescheide und Zahlungsaufforderungen Rekurs einzureichen.

Von: ka

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