Von: ka
Senago/Sant’Antimo – Vor zwei Jahren erschütterte die grausame Ermordung der im siebten Monat schwangeren Giulia Tramontano in Senago bei Mailand durch ihren damaligen Lebensgefährten Alessandro Impagnatiello, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ganz Italien.
Dass das Auto, in dem die verbrannte Leiche der Frau und ihres ungeborenen Kindes tagelang versteckt war und mit dem sie zum späteren Fundort gebracht wurden, verkauft wurde, um den verurteilten Mörder als mittellos erscheinen zu lassen und die Opferfamilie um eine kleine Entschädigung zu bringen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Die Richter des Mailänder Zivilgerichts machten diesen Versuch jedoch zunichte, indem sie den Verkauf für nichtig erklärten und die Schwägerin des Mörders dazu verurteilten, den Angehörigen von Giulia Tramontano rund 25.000 Euro für Schäden und Anwaltskosten zu zahlen.
Das in den letzten Tagen verkündete Urteil des Mailänder Zivilgerichts betrifft den Fall eines Volkswagen T-Roc, der dem geständigen Mörder von Giulia gehörte. Es ist dasselbe Auto, in dessen Kofferraum der Mörder die Leiche seiner Partnerin und deren ungeborenes Kind tagelang versteckt hielt und mit dem er sie schließlich zu einem Hohlraum zwischen mehreren Garagen brachte, wo sie Tage später gefunden wurden.
Der Volkswagen T-Roc wurde etwa zwei Monate nach der schrecklichen Tat verkauft. Alessandro Impagnatiello hatte zuvor seinem Bruder Omar mit einer im Gefängnis unterzeichneten Sondervollmacht die Verwaltung seiner Konten und Vermögenswerte – darunter auch das Auto – übertragen. Wie aus den Akten hervorgeht, wurde der T-Roc im August 2023 für 10.000 Euro an Laura Ciuladaite, die Frau seines Bruders, verkauft, obwohl das Auto noch einen Wert von etwa 20.000 Euro hatte.
Laut dem mit dem Zivilgerichtsverfahren betrauten Richter Francesco Pipicelli erfolgte der Verkauf „ausschließlich zu dem Zweck, das Vermögen den Gläubigern von Giulias Familienangehörigen zu entziehen”.
Dieses Zivilverfahren ist vom Strafverfahren getrennt. In diesem wurde Alessandro Impagnatiello bereits zu lebenslanger Haft und zur Zahlung von vorläufigen Entschädigungen an die Familienangehörigen des Opfers verurteilt. Laut dem Urteil des Berufungsgerichts muss er 200.000 Euro an die Eltern sowie jeweils 150.000 Euro an den Bruder und die Schwester von Giulia Tramontano zahlen. Da der Mörder mittellos ist, werden diese Beträge jedoch nicht aus seiner Tasche fließen. Die einzige sichere Entschädigung werden die Angehörigen des Opfers aus dem Fonds des Innenministeriums für Opfer vorsätzlicher Gewaltverbrechen erhalten.
Die Richter hegen keinen Zweifel am eigentlichen Zweck des Verkaufs an die Schwägerin des Mörders. Im Zivilgerichtsurteil heißt es: „Im vorliegenden Fall fällt auf, dass der Autoverkauf zwischen Verwandten beziehungsweise Angehörigen stattfand, die sich alle der Entschädigungsgründe der heutigen Kläger sowie der Verringerung der allgemeinen Garantie zugunsten dieser aufgrund der Verringerung oder gar Aufhebung des Vermögens des Schuldners bewusst waren.“
Der zeitliche Aspekt bestätigt laut Prozessbericht die schwerwiegenden, präzisen und übereinstimmenden Indizien darüber hinaus, da die Übertragung des Fahrzeugs nur zwei Monate nach der Tat im Mai 2023 erfolgte. Laut dem Mailänder Gericht „teilen Familienangehörige Nachrichten, Sorgen, Ziele und Gefühle“ und daher war dem Angeklagten, „wahrscheinlich auch seinem Bruder und seiner Schwägerin“, bekannt und bewusst, dass sich aus einem so schweren Verbrechen entsprechende Entschädigungsforderungen ergeben.
Doch damit nicht genug. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde der Diebstahl des Volkswagen T-Roc angezeigt. Da die Versicherung den Hergang des Diebstahls jedoch für wenig glaubwürdig und „widersprüchlich” hielt, weigerte sie sich, den Schaden zu ersetzen. Angesichts dieser Umstände hob das Mailänder Zivilgericht den Kaufvertrag auf und entschied, dass Laura Ciuladaite, die Schwägerin von Alessandro Impagnatiello, den Angehörigen des Opfers den tatsächlichen Wert des Autos, also rund 20.000 Euro, sowie 5.000 Euro Anwaltskosten zahlen muss.
„Für Giulias Familie war es wichtig, dass dieses Auto, in dem die Leiche versteckt und transportiert worden war, nicht mehr frei herumfahren kann“, so der Anwalt der Familie von Giulia Tramontano. Aus diesem Grund hatten Giulias Eltern, ihr Bruder und ihre Schwester eine Zivilklage auf Rücknahme des Autoverkaufs eingereicht. Die Staatsanwaltschaft hatte damals allerdings nur die Beschlagnahmung des hinteren Kofferraums angeordnet, in dem Blutspuren gefunden worden waren. Nach der Sicherstellung der Spuren wurde der Volkswagen T-Roc jedoch wieder zurückgegeben.
Praktisch war das Auto fast das einzige Vermögen des Täters. Das Anliegen von Giulias Familie, das Auto des Mörders „stillzulegen“, ist menschlich mehr als verständlich. Wie ein Leser jedoch schreibt, möchte niemand ein Auto täglich nutzen, das einem grausamen Verbrecher gehört und das er dazu benutzt hat, eine Leiche zu verstecken.
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