Kriminalfall auf Sizilien hat alle Zutaten eines Thrillers – VIDEO

Verhinderter Bräutigam, verschmähte Braut und ein verbrannter Leichnam

Dienstag, 08. Januar 2019 | 07:12 Uhr

Salemi – Mit einem in einem ausgebrannten Auto aufgefundenen, verbrannten Leichnam, mit einer vor dem Altar sitzen gelassener Braut und einem verschwundenen, verhinderten Bräutigam bietet auf Sizilien ein Kriminalfall alle Zutaten eines Thrillers. Handelt es sich bei der verkohlten Leiche um den Bräutigam, der es sich im letzten Moment anders überlegt hat, und, falls ja, ist er Opfer eines Gewaltverbrechens geworden?

Schauplatz des Thrillers, der seit dem Wochenende die ganze Umgebung in Atem hält, ist Salemi, eine Kleinstadt in der Provinz Trapani auf Sizilien. Trapani und Umgebung sind auch die Heimat des flüchtigen Capo di tutti i capi (Boss aller Bosse, Anmerkung der Redaktion) Matteo Messina Denaro, aber laut den Ermittlern soll die Mafia diesmal keine Rolle spielen.

Am frühen Samstagnachmittag wurden die Carabinieri mit einem anonymen Anruf auf ein am Rand der Straße zwischen Salemi und Partanna geparktes, ausgebranntes Auto hingewiesen. Am Steuer des Fahrzeugs – einem Mercedes C-Klasse – entdeckten die Carabinieri eine verkohlte, männliche Leiche. Schnell fanden die Beamten heraus, dass es sich beim Halter des Mercedes um den 48-jährigen, landwirtschaftlichen Kleinunternehmer Francesco Ciaravolo aus Salemi handelte. Schnell eilten die Carabinieribeamten zum Haus des 48-Jährigen, wo er zusammen mit seiner Mutter wohnte. Die 80-Jährige erlitt einen Schock und einen Schwächeanfall. Sie teilte den Carabinieri aber noch mit, dass sie von ihrem Sohn seit dem 3. oder 4. Januar keine Notiz mehr hätte.

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Beim Namen Francesco Ciaravolo wurden die Ermittler hellhörig. Der 48-Jährige war im Mittelpunkt einer nie stattgefundenen Hochzeit gestanden, die weit über Salemi hinaus für großes Aufsehen gesorgt hatte. Am 29. Dezember war bereits alles für die Hochzeit zwischen Francesco Ciaravolo und seiner Verlobten, einer 53-jährigen Krankenschwester aus dem nahen Castelvetrano, vorbereitet. Die Braut und alle Verwandten und Freunde des Paares hatten bereits in der Kirche Francesco di Paola von Castelvetrano auf den 48-jährigen Bräutigam aus Salemi gewartet, aber Francesco Ciaravolo hatte buchstäblich in der letzten Minute beschlossen, die Hochzeit platzen und seine Braut vor dem Altar alleine sitzen zu lassen. Nichts war natürlich auch aus dem Hochzeitsmahl, für das in Mazara del Vallo ein ganzes Lokal bereitgestanden war, geworden. Kurze Zeit später war Francesco Ciaravolo verschwunden.

In der Zwischenzeit wurden die traurigen, menschlichen Überreste aus dem ausgebrannten Mercedes geborgen und in das gerichtsmedizinische Institut nach Palermo gebracht, wo sie am Montagvormittag einer Autopsie unterzogen wurden. Dabei wurden auch DNA-Proben entnommen.

Von den Ergebnissen der Autopsie, die in wenigen Tagen vorliegen sollen, erwarten sich die Ermittler auch die Beantwortung der Frage, ob sie es mit einem Mord oder einem Selbstmord zu tun haben. Verschiedene Indizien, wie unter anderem die Lage des Fahrzeugs, lassen aber darauf schließen, dass es sich um ein Gewaltverbrechen und bei der männlichen Leiche um die sterblichen Überreste von Francesco Ciaravolo handelt. Tatsache ist, dass weder die Familie von Francesco Ciaravolo noch jene seiner 53-jährigen, verschmähten Braut Verbindungen zu kriminellen Milieus aufweisen. Bis zum Vorliegen des Autopsieberichtes wird nach dem 48-Jährigen, der offiziell als vermisst gilt, weiterhin gesucht. Um die letzten Tage rekonstruieren und eventuelle Verdachtsmomente genau ermitteln zu können, werden alle Verwandten und Freunde des Paares befragt.

Derweil schlägt der „Fall Salemi“ weit über die sizilianische Kleinstadt hinaus hohe Wellen. Gespannt wartet die Öffentlichkeit auf die nächsten Episoden des Thrillers. Ist Francesco Ciaravolo, wie einige Kommentatoren vermuten, für die Verschmähung der Braut bestraft worden oder erfährt der Kriminalfall doch noch eine überraschende Wende?

Von: ka