Von: ka
Neapel – In dem Operationsteam, das im Krankenhaus Monaldi in Neapel versuchte, einem kleinen Jungen ein „verbranntes und gefrorenes“ Spenderherz zu transplantieren, herrschten offenbar erhebliche Spannungen. „Demütigungen und Schreie, ein toxisches Arbeitsklima”, beschweren sich elf Krankenhausangestellte über Oppido.
„Schreie, Aggressivität, beleidigende Sprache, öffentliche Demütigungen im Operationssaal.“ Es ist ein beunruhigendes Bild, das sich aus dem Brief ergibt. Er wurde von elf Mitarbeitern des Krankenhauses Monaldi unterzeichnet und Ende Januar der Generaldirektorin Anna Iervolino sowie der Leitung der Azienda Ospedaliera dei Colli von Neapel, zu der das Monaldi-Krankenhaus gehört, übergeben.
Das Schreiben, das schwere Vorwürfe gegen Dr. Guido Oppido, den Primar für pädiatrische Transplantationen, enthält, wurde vom Pflegepersonal, den Hilfskräften und den Technikern des Operationssaals verfasst. Dieser operierte am 23. Dezember des vergangenen Jahres den zweieinhalbjährigen Domenico Caliendo, dem ein mit Trockeneis konserviertes Herz transplantiert wurde. Der Junge starb am 21. Februar dieses Jahres nach einem zweimonatigen Leidensweg. Seine Beerdigung fand am Mittwoch im Dom von Nola in der Provinz Neapel statt.

Mit dem Brief wendet sich das Personal an die Krankenhausleitung, um auf eine „äußerst ernste Situation“ aufmerksam zu machen, „die seit langem das berufliche und menschliche Wohlbefinden der Mitarbeiter sowie die Sicherheit der Patientenversorgung erheblich beeinträchtigt“. Mit dem Schreiben wollen sie auf schwerwiegende und anhaltende Probleme im Arbeitsumfeld des Operationssaals hinweisen. Eine Situation, so präzisieren sie, die nicht mehr tragbar ist, seit Jahren andauert und sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat.
„Es handelt sich um ein Arbeitsumfeld, das als äußerst toxisch, einschüchternd und die berufliche Würde verletzend empfunden wird. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden der Mitarbeiter und folglich auf die Qualität der geleisteten Pflege“, so die elf medizinischen Fachkräfte in ihrem Brief. Ihrer ausdrücklichen Anschuldigung zufolge wurden diese durch das „systematische und alltägliche Verhalten von Dr. Guido Oppido“ verursacht.
„Insbesondere“, so heißt es in dem Schreiben, „meldet das Personal systematisches und tägliches Fehlverhalten von Dr. Guido Oppido. Dazu zählen Schreien und verbale Aggressivität, Demütigungen und öffentliche Herabwürdigung der beruflichen Kompetenzen, eine beleidigende und herabwürdigende Sprache, Flüche, einschüchterndes Verhalten, das die Kommunikation im Team hemmt, sowie feindselige und aggressive Äußerungen, auch in formellen Besprechungen. Hinzu kommen mangelndes Zuhören und mangelnde Rücksichtnahme. Dieses Verhalten tritt vorwiegend im Operationssaal auf und wiederholt sich so häufig, dass es zu einem Arbeitsklima führt, das von Angst, ständiger Anspannung und dem Verlust gegenseitigen Vertrauens innerhalb des multiprofessionellen Teams geprägt ist.“
Laut den elf Mitarbeitern ist die Lage inzwischen so eskaliert, dass das gesamte Team gemeinsam über einen Wechsel nachgedacht hat. Sie halten das derzeitige Umfeld für unvereinbar mit dem Schutz der eigenen Gesundheit und der unbeschwerten, verantwortungsvollen Ausübung ihres Berufs.
Der Brief ist auf den 27. Januar datiert, also etwa einen Monat nach der Operation des Kindes, das seit seinem dritten Lebensmonat auf ein neues Herz gewartet hatte und schließlich ein in Bozen gespendetes Organ erhielt. Dieses war aufgrund einer Reihe von Fehlern schwer beschädigt im Monaldi-Krankenhaus angekommen – es war „verbrannt und gefroren”.
Die von der Staatsanwaltschaft Neapel eingeleitete Untersuchung soll die Verantwortlichkeiten klären. Dr. Guido Oppido gehört zu den sieben Ärzten und Pflegekräften, gegen die in dieser Angelegenheit ermittelt wird. Er wurde von der Leitung des Krankenhauses Monaldi zusammen mit seiner ebenfalls unter Verdacht stehenden Kollegin, Dr. Gabriella Farina, suspendiert. Farina leitete das Team, das in Bozen für die Entnahme des Organs zuständig war, welches nach Neapel gebracht werden sollte. Beide wurden von Francesco Petruzzi, dem Anwalt der Familie Caliendo, bei der Ärztekammer Kampaniens angezeigt. Petruzzi hat die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen sie beantragt.

Oppido, den die Kameras der RAI-Sendung Lo Stato delle Cose von Massimo Giletti erreichten, verteidigte sich am Dienstagabend mit den Worten: „Ich habe alles getan, was ich tun musste. Und ich habe es gut gemacht. Ich verdiene es nicht, so behandelt zu werden.“ Doch unabhängig von seiner möglichen Verantwortung in diesem konkreten Fall, die von der Gerichtsbarkeit zu klären ist, bleibt eine Tatsache bestehen: Diejenigen, die eng mit ihm zusammengearbeitet haben, sprechen von einem Arbeitsklima, das von Angst, ständiger Anspannung und einem Verlust des gegenseitigen Vertrauens innerhalb des Teams geprägt gewesen sei, wofür sie den Leiter des Operationsteams verantwortlich machen.
Dies sind kritische Punkte, die bereits von den Pflegekräften bei einer Anhörung mit der Krankenhausleitung gemeldet wurden, wie aus dem Brief hervorgeht. Das beanstandete Verhalten habe sich im Laufe der Zeit wiederholt und stehe daher nicht im Zusammenhang mit dem angespannten Klima, das durch die Tragödie der fehlgeschlagenen Transplantation entstanden sei. Dieser Umstand hat die Nervosität und die Schwierigkeiten innerhalb des Teams jedoch sicherlich verschärft.
Tatsächlich wurde der Beschwerdebrief des Monaldi-Krankenhauses einige Tage nach der Sitzung verfasst, in der eine Krankenpflegerin vor der Staatsanwaltschaft aussagte, dass Oppido aus Wut gegen einen Heizkörper getreten habe. Laut dieser Aussage vor dem Staatsanwalt soll der Leiter des OP-Teams die Beherrschung verloren haben, als er feststellte, dass aus der Krankenakte zu der Operation hervorging, dass die Klammerung des erkrankten Herzens von Domenico um 14.18 Uhr erfolgte, also mindestens zwölf Minuten vor der Ankunft des neuen Herzens im Operationssaal.

Das mit Spannung erwartete Herz, das am 23. Dezember um 14.30 Uhr im Operationssaal eintraf, wurde von den Ärzten und OP-Pflegekräften „in einem Eisblock“ vorgefunden. Tatsächlich war das Herz wie „ein harter Stein“. „Dieses Herz wird niemals wieder schlagen. Es wird niemals wieder zu schlagen beginnen“, wiederholte Dr. Guido Oppido immer wieder.
Als Virginia Terracciano, Technikerin für zirkulatorische Physiologie, die seit 19 Jahren in der Abteilung tätig ist, am 24. Februar als Zeugin aussagte, erinnerte sie sich daran, wie eine Kollegin zu ihr sagte: „Es ist alles gefroren.“
Sie antwortete: „Es ist besser, wenn er sein eigenes Herz behält.“ Doch die Kollegin schüttelte den Kopf und sagte: „Virgì, er hat es schon herausgenommen.“ Offensichtlich gab es „keinen Weg mehr zurück”. Während der folgenden 20 Minuten versuchten die Operateure verzweifelt, das Herz wieder aufzutauen und in Gang zu bringen, doch es war bereits zu spät.






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