Gedenksitzung in Innsbruck

100 Jahre Saint Germain: Trotz Enttäuschung Blick in die Zukunft

Dienstag, 10. September 2019 | 15:35 Uhr

Bozen – Das gemeinsame Erinnern an ein historisches Ereignis stand im Mittelpunkt der Gedenksitzung des Tiroler Landtages zum 100. Jahrestag der Teilung Tirols durch den Friedensvertrag von Saint Germain. Landeshauptmann Arno Kompatscher hat in seiner Gedenkrede an enttäuschte Hoffnungen und für die Bevölkerung schmerzhafte Entscheidungen erinnert. Gleichzeitig gelte es aber auch, das Augenmerk auf zukunftsweisende Zusammenarbeit und Grenzen-überwindende Kooperationen zu richten.

“Frucht fehlgeleiteter Ideologien”

Tiroler diesseits und jenseits des Brenners würden sich unter anderem durch ihr Traditionsbewusstsein auszeichnen und hätten im Laufe der Geschichte immer wieder bewiesen, dass sie auch in schwierigen Situationen Lösungen finden würden. “Die Brennergrenze ist eine Folge von Imperialismus und Nationalismus, die Frucht fehlgeleiteter Ideologien und wurde später zum Symbol für Leid und Unrecht vielen Südtirolern gegenüber”, erklärte Landeshauptmann Kompatscher. Die Geschichte habe jedoch gezeigt, dass man sich trotz so mancher Rückschläge, immer wieder auf gemeinsame Zukunftsperspektiven einigen konnte – nämlich jenen der Zusammenarbeit und des Kompromisses. “Für das vor 100 Jahren vom restlichen Tirol abgetrennte Südtirol ist und bleibt die Autonomie, im Rahmen einer fortschreitenden europäischen Einigung, die Zukunftsperspektive”, unterstrich Kompatscher.

“Friedliches Zusammenleben ist kostbarer Mehrwert”

Auch auf europäischer Ebene sei man nach den leidvollen Kriegsjahren konsequent den Weg der Kooperation gegangen – anfangs bei den wirtschaftlichen Kernbereichen Kohle und Stahl, über andere Wirtschaftsbereiche schließlich hin zu einer politischen Union. Auch im Bereich der grenzüberschreitenden, regionalen Zusammenarbeit sei gar einiges weitergegangen. “Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ist der geeignete Rahmen, um Trennendes zu überwinden und das Miteinander zu stärken. Denn eigentlich eint uns viel mehr, als uns trennt – auf Tiroler Ebene, aber auch auf europäischer”, sagte Landeshauptmann Kompatscher. Es sei darum wichtig, an historische Ereignisse wie den Abschluss des Friedensvertrages von Saint Germain zu erinnern, um damit gleichzeitig über die Zukunft nachzudenken und Perspektiven aufzuzeigen. Kompatschers Schlussappell lautete: “Unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und kommender Generationen, kann nur dann gelingen, wenn wir das Gemeinsame, das Miteinander in den Fokus stellen. Denn eines können wir heute, 100 Jahre nach Saint Germain sagen: Das friedliche Zusammenleben ist ein kostbares Gut, das wir täglich schätzen und pflegen müssen, um es als Mehrwert auch an unsere Kinder und Enkel weitergeben zu können.”

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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32 Kommentare auf "100 Jahre Saint Germain: Trotz Enttäuschung Blick in die Zukunft"


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Diogenes
Diogenes
Grünschnabel
9 Tage 20 h

LH Kompatscher, es ist unglaublich, dass Sie an einem so wichtigen Tag als vordergründiges Anliegen das friedliche Zusammenleben proklamieren. Die tägliche Auseinandersetzung, der Kampf um unsere Muttersprache, Kultur und Identität kosten uns so viel Kraft und Energie. Glauben Sie, dass dieser “Mehrwert” den Nord- und Osttirolern oder den anderen freien Völkern fehlt? Schmarrn!

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!
Bertold Brecht

efeu
efeu
Superredner
9 Tage 19 h

Diogenes
so ein schmarrn welche Kraft ?
Wir können stolz sein zwei Sprachen Italienisch und deusch zu beherrschen kann man nicht friedlich zusammen leben

erika.o
erika.o
Superredner
9 Tage 18 h

@Diogenes
👍gut gesagt !
…doch da DIESER Landeshaupmann, (so wie ich es des öfteren empfinde),
eher nach Süden tickt, wird er die heimatverbundenen Südtiroler NIE verstehen.

Italo
Italo
Tratscher
9 Tage 17 h

@efeu Genau so ischs

Savonarola
9 Tage 17 h

@efeu

mit Rom, Urzi und Biancofiore kann man nicht friedlich zusammenleben. Siehst du ja selber.

Tanne
Tanne
Tratscher
9 Tage 7 h

@efeu
Mein Nachbar, seit mehr als vierzig Jahren, Ex Finanzbeamter, Italiener, spricht nur Italienisch. Er hat es in fünfzig jahren nicht geschafft Deutsch zu lernen. Ich habe mit ihm einmal über die Toponomastik gesprochen, in Italienisch, und er ist von Tolomeis Werk sehr angetan. Wir Leben seit vierzig Jahren friedlich “nebeneinander”, ein Friedliches Miteinander ist mit ihm in meinen Augen nicht möglich. Dies ein Beispiel für ganz Süd-Tirol.
Und Übrigens, meine Tochter spricht fünf Sprachen, lebt in Deutschland, und ist immer noch eine Tirolerin.

Surfer
Surfer
Superredner
9 Tage 7 h

@efeu du hast recht das ist ein Privileg!

Alter Hase
Alter Hase
Neuling
8 Tage 18 h

Solche Nachbarn sterben glücklicherweise langsam aus, zusammen mit deren engstirnigen Denkweise. Ich wünsche mir mehr junge Leute wie Deine Tochter: starkes Bewusstsein über ihre Wurzeln, ihre Familie (inklusive Ahnen!) und ihre Geschichte; aber gleichzeitig frei, kontaktfreudig in alle Himmelsrichtungen (Sprachen, Sprachen, Sprachen!!!). Ich denke, das geht mit einer starken Autonomie auch in Italien im vereinten Europa. Ich weiss, Du denkst anders, was ich respektiere und mir nicht verbietet, mit Dir auf offener und sympatischer Weise zu argumentieren.

Karl
Karl
Superredner
7 Tage 22 h
@Efeu . Zu einem wirklich friedlichen und unbeschwerten Zusammenleben bedarf es ein wenig mehr als beide Sprachen zu sprechen und zwar braucht es ernst gemeinter RESPEKT vor den seit über 1000 Jahren hier lebenden Bewohner und deren Sprachen und Kulturen und die ehrliche Aufarbeitung der wahren Geschichte (über den “großen Sieg” im Krieg in Südtirol 🙂 an allen ital. Schulen zusammen mit der Beseitigung sämtlicher Unrechte zu denen besonders die erfundenen Namen in Südtirol gehören und natürlich weg mit den unendlichen Provokationen wie Siegesdenkmal & Co. Das wäre ein wichtiger Schritt. Kompatscher labert nur den ewig selben Senf der SVP… Weiterlesen »
Savonarola
9 Tage 20 h

Friedliches Zusammenleben erfordert gegenseitigen Respekt, mit Betonung auf “gegenseitig”. Hierbei orte ich noch ziemliche einseitige Verzichtspolitik anstatt Respekt, weil das “Siamo-in-Italia”-“qui-si-parla-italiano”-Machtgehabe hat in Wirklichkeit nie aufgehört, das Toponomastik-Kulturverbrechen der faschistischen (nicht italienischen Ortsnamen!) ist weiter in Gang, und wir sind auf dem besten Weg, Proporz und Zweisprachigkeit aushebeln zu müssen, um andere Bedürfnisse erfüllen zu können: heute die Gesundheit, morgen vielleicht auch Sicherheit und Recht. Welche Zukunft also?

Popeye
Popeye
Superredner
9 Tage 19 h

Dein Nick ist übrigens ziemlich italienisch. 😂

Savonarola
9 Tage 17 h

@Popeye

das trägt nichts zur Sache bei; die ital. Sprache selber hat auch keine Schuld an den von mir angeprangerten Mißständen.

Tanne
Tanne
Tratscher
9 Tage 7 h

@Popey
Wir Süd-Tiroler essen ja nicht nur Knödel, nein wir essen auch Pizza und Spaghetti. Hättest du das jäh gedacht. Ein Nickname muss nicht Programm sein.

Popeye
Popeye
Superredner
9 Tage 5 h

So ist es. Es war der Nationalismus, stark in Mode damals, und die sogenannten Patrioten bedienen sich genau diese verwerfliche Ideologie.. Ewiggestrigen die lernunfahig sind und nicht zögern Anleihen am braunen Gedankengut zu nehmen.

Popeye
Popeye
Superredner
9 Tage 20 h

Die Mutter aller Elend war der Nationalismus , der Nationalismus verursachte WK 1, die Urkatastrophe Eurpas, die gerade aus zu WK2 und nachher zum kalten Krieg führte.
Die Abspaltung Südtirols war ein Kapitel in dieser Tragödie.
Ich kapiere daher die selbsternannten Patrioten nicht, die klar Rückversand und nationalistisch denken.
Die bedienen sich von einer Ideologie die Südtirol abspaltete.
Ein totaler Gegenspruch. Das sind keine Patrioten sondern blinde Chauvinisten.

Don Bass
Don Bass
Neuling
9 Tage 17 h

Dann verstehst du auch den Nationalismus nicht, wenn ein Staat Bündnisse bricht und sich dadurch feige Land einheimst? 😕

Karl
Karl
Superredner
7 Tage 21 h
@Popeye und was sollten wir nach deiner Meinung tun? Den ganzen Tag “viva l’italia ” schreien. Du sprichst ja selber von einer Tragödie durch die Abspaltung. Unrecht kann man zum Teil wieder gut machen indem man dieses Unrecht zumindest einmal zugibt und nicht endlos Lügen verbreitet. Sogar der Staatspräsident hat bei seinem Südtirol-Treffen mit dem Österreichischen Bundespräsident diese Lüge wiederholt und von der freien Entscheidung der Südtiroler gesprochen Italiener zu werden, LH Kompatscher stand schweigend daneben. Bei 150.00 Unterschriften gegen die Zwangsangliederung an Italien der damals kaum mehr als 190.000 Einwohner Südtirols ist von Freiwilligkeit überhaupt keine Rede. Mit dem… Weiterlesen »
traktor
traktor
Universalgelehrter
9 Tage 22 h

frieden kann es nur durch recht geben!!
das diese grenze nicht recht ist sind wir uns einig!

nakedtruth
nakedtruth
Grünschnabel
9 Tage 21 h

“Für das vor 100 Jahren vom restlichen Tirol abgetrennte Südtirol ist und bleibt die Autonomie […] die Zukunftsperspektive”

heißt übersetzt:
“Für das Hochetsch ist und bleibt Unrecht, Lüge, Brennergrenze und Fremdbestimmung die Zukunftsperspektive”

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
9 Tage 20 h

Zum runden Jubiläum könnten uns die Italiener schon ein Geschenk überbringen!
Wie wäre es z.B. mit der Doppelstaatsbürgerschaft oder die Selbstbestimmung oder oder……..
Da gäbe es jede Menge an Geschenken.

MarkusKoell
MarkusKoell
Grünschnabel
9 Tage 19 h

Jo lieber LH in 10 Jahre sind wir für immer und ewig Italianisiert.Dank Ihrer Politik

Sag mal
Sag mal
Kinig
9 Tage 7 h

MarkusK…dank Unserer Wähler.

genau
genau
Universalgelehrter
9 Tage 19 h

Habt ihr sonst keine Probleme??

Flaschenpost
Flaschenpost
Tratscher
9 Tage 17 h
die deutschen Orts-und Flurnamen sind im Alto Adige (bei uns und in Österreich u Deutschland auch als Südtirol bekannt) immer noch nur geduldet, und das scheint die Südtiroler SVP-Politiker wenig zu stören, solange sie garantiert “echten” Südtiroler Speck und Wein nach Italien verkaufen dürfen. Dort heißt es natürlich: Speck und Wein aus dem Alto Adige … PS: die ital. Orts- und Flurnamen sind bei den meisten Südtirolern nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht, und dieselben Südtiroler sind bei dem Erfinden von ital. Fantasienamen mindestens so einfallsreich, wie seinerzeit die Faschisten rund um Ettore Tolomei und Mussolini …Mindestens!! Liebe Grüße an… Weiterlesen »
Savonarola
9 Tage 17 h

traurig, aber wahr, und das im Euopa des 3. Jahrtausends

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
9 Tage 17 h

da posten wieder mal die … Pangermanisten

Savonarola
9 Tage 5 h

@ bon jour

was verstehst du darunter?

apfele
apfele
Neuling
9 Tage 18 h

tja…so kann’s gehn…länger als gedacht.

mandorr
mandorr
Tratscher
9 Tage 15 h

Ein Mann mit Realitätssinn und Weitsicht

Savonarola
9 Tage 14 h

GEGEN ZWANGSEHE!!

Tanne
Tanne
Tratscher
9 Tage 6 h

Blick in die Zukunft Herr LH. A. Kompatscher? Blick nur nach Süden?
Warum? Wer schreibt das vor? Süd-Tirols Schicksal mit einer Schweigeminute und alles ist Gut? Sind die Süd-Tiroler Menschen die zu allem Ja und Amen sagen müssen? Dürfen wir nicht Selbstbestimmen, was und wohin wir wollen? Warum soll das bei den Süd-Tirolern anders sein wie zum Beispiel bei der DDR?
Ich sehe das nicht ein, ich bin auch ein Mensch, einer mit Pflichten, aber auch mit Rechten, so wie ein Ex DDRler zum Beispiel.

Lu O
Lu O
Tratscher
9 Tage 12 h

unrecht ist unrecht. täglich werden wir aus bombardiert und müssen uns wehren. man darf die geschichte nicht verleugnen. heute friedlich zusammenleben aber sich auch zur wehr setzen und nicht alles gefallen lassen.
zudem kann man viel mehr selbst verwalten, die post, energiesektor… verstehe nicht warum man dies nicht angeht

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