Von: mk
Bozen – Am 12. Juli 1926, vor genau 100 Jahren, wurde der Grundstein für das faschistische Siegesdenkmal in Bozen gelegt, am 12. Juli 1928 wurde das Denkmal eingeweiht. Das doppelte „Jubiläum“ sei auch ein Jubiläum doppelter Schande für Italien, erklärt der der Südtiroler Heimatbund in einer Aussendung: „Der faschistische Staat hat dieses Denkmal seiner Überheblichkeit errichtet, der demokratische Staat ist nicht bereit, das faschistische Erbe zu entsorgen oder zumindest ordentlich zu entschärfen.“
„Jahrzehntelang diente das Siegesdenkmal dem einzigen Zweck, den Faschismus zu verherrlichen und die Südtiroler zu demütigen“, erklärt Heimatbundobmann Roland Lang. Auch mit der Historisierung des Denkmals seit 21. Juli 2014 zeigt sich der Heimatbund nicht zufrieden. „Während oben weiterhin für alle sichtbar der Faschismus triumphiert, wurde im Keller der misslungene Versuch unternommen, das faschistische Denkmal durch ein Dokumentationszentrum zu ‚entschärfen‘. In einem faulen Kompromiss wurde versucht, den demokratischen Kräften, die den Faschismus verurteilen, ein wenig entgegenzukommen, ohne die Anhänger des Faschismus allzu sehr zu verärgern“, erklärt Lang weiter.
Verschiedene sachliche Fehler in der Darstellung würde zwar verwundern, könnten laut Heimatbund aber noch hingenommen werden. „So ist etwa die Rede davon, dass Cesare Battisti „von Kaiserjägern“ gefangen genommen wurde, obwohl jeder Geschichtsinteressierte, aber anscheinend nicht jeder Historiker weiß, dass Battisti vom Landesschützen-Fähnrich Bruno Franceschini erkannt und festgenommen wurde“, sagt Lang. Auch die falsche Übersetzung von „tenente“ mit „Leutnant“ (richtig Oberleutnant) verrate eine gewisse Unkenntnis in militärischen Dingen.
Der eigentliche Skandal liege laut Heimatbund aber darin, was in diesem „Dokumentationszentrum“ noch immer nicht dokumentiert wird. „So wird verschwiegen, dass der Südtiroler Klerus vor der Grundsteinlegung des Denkmals Papst Pius XI. ersucht hatte, dem Bau keinen kirchlichen Segen erteilen zu lassen. Dies hatte den Trientner Bischof Celestino Endrici nicht daran gehindert, sowohl bei der Grundsteinlegung als auch bei der Einweihung höchstpersönlich den Segen zu erteilen“, erklärt Lang.
Den Bischof störte laut Heimatbund auch nicht, dass Staatssekretär Giacomo Suardo bei der Einweihung in blasphemischer Weise den Stahlhelm der Soldaten mit dem Heiligenschein, das Bajonett mit dem Kreuz Christi, das harte Kommissbrot mit der Hostie und die Kriegsversehrten mit den Priestern verglich. All das werde den Besuchern des „Dokumentationszentrums“ unterschlagen, erklärt Lang.
Auch die denkwürdige Petition (auch Brandstätter Akte genannt) von 348 Bozner Bürgern, die gegen die Errichtung des faschistischen Denkmals protestierten – nach dem Denunzianten Karl Brandstätter als „Brandstätter-Liste“ bekannt – werde nicht ausgestellt, bedauert der Heimatbund. Der Begriff „Brandstätter Akte“ bezieht sich auf die historische Überwachung von 348 Bozner Bürgern. Diese hatten 1926 einen Protestaufruf gegen die Errichtung des faschistischen Siegesdenkmals und die damit verbundene Spendensammlung initiiert.
Der Bozner Polizeibeamte Karl Brandstätter, auch Informant für die faschistische Geheimpolizei OVRA tätig, denunzierte die Unterzeichner des Protestaufrufs. Die namentlich erfassten Bürger wurden bei der Bozner Präfektur gemeldet und für ihren Protest gegen das als Demütigung empfundene Monument drangsaliert.
„Die Südtiroler Musikkapellen, die bei der Einweihung spielten, werden zwar gezeigt, doch wird mit keinem Wort erwähnt, dass sie unter Androhung der Auflösung zur Teilnahme gezwungen wurden“, fährt Lang fort.
Das „Dokumentationszentrum“ könne in dieser Form seinen Zweck nicht erfüllen, während die ursprüngliche Zweckbestimmung des Denkmals, die Verherrlichung des Faschismus, ohne Einschränkungen erhalten geblieben sei, so der Südtiroler Heimatbund abschließend.




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