#halbzeit-Gespräch

Achammer nennt Bildungsgerechtigkeit im Fokus als zentrale Mission

Montag, 27. Juli 2026 | 15:30 Uhr

Von: mk

Bozen – In die Smart Mini Factory an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Freien Universität Bozen hat Landesrat Philipp Achammer am 27. Juli zum #halbzeit-Gespräch geladen. Dabei zeigte der Landesrat zentrale Missionen seiner Zuständigkeiten deutsche Bildung, deutsche Kultur, Bildungsförderung, Kulturgüter, Innovation, Forschung und Universität sowie Museen auf. Diesen Bereichen gemeinsam sei der Auftrag gegen eine Rückwärtsentwicklung zu arbeiten: “Wir arbeiten für Demokratie und für Demokratiebildung”, hielt Landesrat Achammer fest. Denn eine erfolgreiche Zukunft entstehe dort, wo Bewusstsein über Vergangenes herrsche, Visionen gemeinsam gelebt und Verantwortung gemeinsam getragen werde.

Im Bildungsbereich gehe es vor allem um Bildungsgerechtigkeit. Es gelte, alles dafür zu tun, “dass jedes Kind möglichst dieselben Chancen hat”, führte der Bildungslandesrat aus. Der Zugang zu Bildung habe sich verändert, es gebe unterschiedliche Hürden, familiärer, sozialer und sprachlicher Art. “Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass die Bildungsaffinität überall dieselbe ist“, sagte Achammer. Dagegen wolle man arbeiten und die Voraussetzungen schaffen, damit jedes Kind bestehende Hürden oder Schwierigkeiten überwinden könne. Hier gelte es weiterzuarbeiten, unter anderem auch im Bereich der frühkindlichen Förderung. Als Maßnahmen nannte Achammer zudem den Ausbau der Schulsozialarbeit und der Schulpsychologie. Auch die Verlängerung der Öffnungszeiten im Kindergarten oder die Umsetzung der ersten internationalen Oberschule in Bozen seien wichtige Schritte gewesen, um die Bildung in Südtirol weiterzuentwickeln. Mit dem Bildungsdialog werde dieses Vorhaben weitergeführt.

“Dank der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Südtirol können wir weiter in Bildung investieren und das macht sich in vielerlei Hinsicht bezahlt. Kernmission für mich in den nächsten zweieinhalb Jahren ist es noch aufmerksamer zu sein, noch genauer hinzuschauen, wo wir etwas tun müssen zugunsten des Kindes, damit der Bildungszugang noch gerechter wird”, hielt Philipp Achammer fest.

Kultur und Kulturgüter fördern

Was die Bildungsgerechtigkeit für den Bereich Bildung ist, ist das Thema “Fair Pay” für den Bereich deutsche Kultur. “Es wird nur eine positive Entwicklung im Kulturbereich geben, wenn die Arbeit angemessen und fair bezahlt wird”, hielt Landesrat Philipp Achammer bei seiner #halbzeit-Pressekonferenz am 27. Juli in der Smart Mini Factory der Fakultät für Ingenieurwesen im NOI Techpark in Bozen fest.

Nicht zuletzt die Coronapandemie und deren Folgen hätten gezeigt, dass die (soziale) Absicherung von Kunstschaffenden in Italien sehr gering sei, was zu prekären Situationen führe. “Unsere Region ist die einzige in ganz Italien, die eine öffentlich mitfinanzierte Vorsorge für Künstlerinnen und Künstler eingeführt hat. Südtirol war dabei die treibende Kraft”, hielt Achammer fest und nannte zudem die Notwendigkeit, Mindesttarife einzuhalten, als wichtige Maßnahme, um Kultur auf faire Weise gerecht zu werden. Kultur müsse sich, ähnlich wie Forschung, Wissenschaft oder Museen, frei entwickeln können: “Wenn wir glauben, die Probleme unserer Zeit werden dadurch gelöst, dass man auf freie, hart errungene Bereiche zugreift, dann irren wir uns grob. Die freie kulturelle Entwicklung, auch die unangepasste, die Nachtkultur oder die freie Jugendkultur, ist elementar wichtig”, appellierte der Kulturlandesrat. Achammer nannte in diesem Zusammenhang Zahlen: Man habe im Bereich der Förderungen im kulturellen Bereich in den vergangenen sieben Jahren 15 Millionen mehr ausbezahlt. Zudem seien große Projekte in Planung oder Umsetzung: Achammer zählte in diesem Zusammenhang das Bibliotheken- und Autonomiezentrum in Bozen und das Kulturgüterdepot in Neumarkt auf. “Wir müssen in Kultur und Bildung umso mehr investieren, weil es die Gesellschaft wieder zusammenbringt”, sagte Achammer mit Blick auf das Bibliotheken- und Autonomiezentrum, das für den Landesrat zu einem neuen Symbol des Zusammenlebens der Sprachgruppen werden könne.

Die Kulturgüter bezeichnete der Landesrat als “einen Standortfaktor für die Zukunft.” Man arbeite mit aller Kraft gegen Geschichtsvergessenheit – der Erhalt und die Pflege von Kulturgütern ermögliche, aus der Vergangenheit zu lernen. Als wichtige bereits erreichte Maßnahme nannte Achammer in diesem Bereich das Landesgesetz, mit dem auch Privatpersonen beim Schutz von Kulturgütern finanziell unterstützt werden. Das geplante Kulturgüterdepot sei eine wichtige Investition, Achammer nannte es ein “fast ein elftes Landesmuseum”, weil es zehntausende Objekte der Vergangenheit des Landes darin adäquat untergebracht werden könnten. Landesrat Achammer kündigte zudem neue museale Strukturen an, wie die Dauerausstellung zur jüngeren Geschichte Südtirols in der Festung Franzensfeste, mit deren Fertigstellung man innerhalb 2028/29 rechne. “Auch das kann ein wichtiger Punkt sein, wo sich alle drei Sprachgruppen unseres Landes wiederfinden. Denn wir müssen alles dafür tun, dass es gemeinsame, identifizierende Symbole gibt”, hielt Achammer fest.

Innovation fördert Potentiale
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Der NOI Techpark sei mit seinen rund 2400 Menschen, die in diesem Viertel arbeiten, eine mittelgroße Südtiroler Gemeinde mit viel Potential, hielt Landesrat Philipp Achammer am 27. Juli bei seiner #halbzeit-Pressekonferenz in der Smart Mini Factory fest. Mit der Fakultät für Ingenieurwesen der Freien Universität Bozen, die seit zwei Jahren im NOI Techpark in Bozen tätig ist, seien viele neue Synergien entstanden, hielt auch Smart-Mini-Factory-Leiter Erwin Rauch fest.

Die Zuständigkeit für die Bereiche Innovation, Forschung und Universität hat Landesrat Achammer in dieser Legislatur erstmals übernommen. Sie sei eine faszinierende, vor allem wegen der Potentiale die darin liegen: “Wir sind als Land klein und haben nur eine Chance: Ganz entschlossen in die Potentiale, die schon auf dem Tisch liegen, zu investieren”, sagte Achammer. Er betonte, dass noch viel mehr Potential aus Südtirol herausgeholt werden könne, wenn der ungemeine Vorteil der der Begegnung des deutsch/italienischen Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsraum erkannt würde. Die Brückenfunktion Südtirols sei für international tätige Unternehmen ein großer Anreiz in Südtirol zu investieren, darum müsse das Trennende überwunden werden, um den riesigen Standortvorteil Südtirols noch besser nutzen zu können, zeigte sich Landesrat Achammer überzeugt.

Die Fakultät für Ingenieurwesen sei ein wunderbares Ergebnis mit viel Potential für die Zukunft und für das gesamte Viertel des NOI Techparks. Dies solle weiter gefördert werden, unter anderem mit der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften, deren Gebäude mit Baulos 4 umgesetzt werden soll. “Lehre und Forschung sollen sich hier aktiv begegnen”, hielt Achammer fest. Als bereits umgesetzte Maßnahme im Bereich der Innovation nannte der Landesrat die Änderungen bei den Förderrichtlinien, mit denen die Unterstützung für Start Ups weiter ausgebaut werden konnte. Auf diese Weise wurden seit Anfang 2024 rund 62 Millionen Euro an kleinere und mittlere Betriebe ausbezahlt, um innovative Vorhaben umzusetzen.

Es bleibe viel zu tun, um die positive Entwicklung in vielen Bereichen weiterzubringen: “Wenn Südtirol noch mehr investiert in Bildung, Kultur, Innovation, Kulturgüter wird das Ergebnis kurz-, mittel- und langfristig ein positives sein”, hielt Landesrat Philipp Achammer fest.

Bezirk: Bozen

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