Protokoll unterzeichnet

Auch Bozen wird Mitglied im Europäischen Netzwerk pestizidfreier Städte

Freitag, 23. März 2018 | 12:22 Uhr

Bozen – Die Stadtgemeinde Bozen beabsichtigt Mitglied im Europäischen Netzwerk der pestizidfreien Städte zu werden. Dies ist ein Projekt, das von PAN-Europa (Pesticide Action Network), einer NGO mit Sitz in Brüssel, gegründet 1987, mit der Zielsetzung ins Leben gerufen wurde, die Anwendung von chemischen Pestiziden einzuschränken und diese durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen. Die Absicht dabei ist es, die Gesundheit der Bürger und die Biodiversität der Umwelt zu schützen.

Der Hauptzweck des Europäischen Netzwerkes pestizidfreier Städte ist es, gemäß der von der Europäischen Union im Jahre 2009 herausgegebenen Richtlinie betreffend den nachhaltigen Gebrauch von Pflanzenschutzprodukten, eine kritische Masse von engagierten Gemeinden zu vereinen, die auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichten wollen  und diesen gleichzeitig eine europäische Plattform zu bieten, innerhalb der sie ihre Erfahrungen, Vorgehendweisen und Erkenntnisse zur wechselseitigen Unterstützung austauschen können.

Henriette Christensen von PAN-Europa erklärte dazu: „Es muss darauf hingewiesen werden, dass Pestizide nicht nur von großen landwirtschaftlichen Betrieben bei der Produktion von Nahrungsmitteln angewendet werden, sondern auch auf Grünflächen von Schulen, Spielplätzen, Kindergärten, Sportplätzen, Gehsteigen und Friedhöfen ausgebracht werden. Daraus folgt, dass jeder Bürger täglich direkt oder indirekt über die Umwelt oder die Nahrung mit zahlreichen verschiedenen Pestiziden in Berührung kommt.“

Das Projekt ist wenige Wochen nach seinem Start von großen und kleinen Gemeinden mit Begeisterung aufgenommen worden. Bisher nehmen folgende Gemeinden an dieser Initiative teil: Varese, Belluno, Ragusa, Occhiobello, Lozzolo, Robilante, Volvera, Morozzo, Casalduni, Barge, Guardia Sanframondi, BastidaPancarana und nun eben Bozen.

Die kürzlich erfolgte Teilnahme Bozens sei sowohl von den Organisatoren des Projektes als auch von den Bürgern der einwohnerreichsten Stadt der Provinz Südtirol mit Freude aufgenommen worden. Es sei dies ein bedeutsames Zeichen von Seiten eines Gebietes, das immer schon auf das Wohl und die Gesundheit der eigenen Bürger besonders bedacht war. „Wir erinnern auch daran, dass hier, im Jahre 2014, eine epochale Wende eingeleitet wurde, als die Gemeinde Mals ein erfolgreiches Referendum durchführte, das mit der unglaublichen Zustimmung von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen sich dafür aussprach, dass die Gemeinde mit einer Verordnung das Verbot des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft auf dem gesamten Gemeindegebiet einführte“, erklärt PAN-Europa.

Die Assessorin für Umwelt, Verkehr und Gleichberechtigung der Stadtgemeinde Bozen, Architektin Maria Laura Lorenzini, erklärte: „Die Stadtgemeinde Bozen ist dem Netzwerk pestizidfreier Städte beigetreten, weil sie es für notwendig gefunden hat, jede mögliche Maßnahme zur Anwendung zu bringen, die zur Gesundheit der Menschen beiträgt, indem die Anwendung von Pestiziden auf das geringst mögliche Ausmaß beschränkt wird. Aus diesem Grund verwendet die Stadt Bozen schon seit dem Jahre 2016 keine Mittel mehr, die auf der Basis von Glyphosat erzeugt werden. In der Folge mussten daher auch einige Maßnahmen neu organisiert werden, die mit der Pflege von Blumenbeeten und Grünflächen in Verbindung stehen auch im Hinblick auf die Erhaltung der Biodiversität. Die Sensibilisierung und die Information der Bürger werden in diesem Zusammenhang neue Herausforderungen für Bozen mit sich bringen.“

Auch Koen Hertoge von PAN-ITALIA / PAN-EUROPE reagierte mit Begeisterung auf diese Initiative: „Wir begrüßen diesen wichtigen Schritt des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung von Bozen mit Genugtuung, die Anwendung von chemischen Pestiziden auf öffentlichen Plätzen zu verbieten, um die Gesundheit der Bürger zu schützen. Dies bedeutet, dass es möglich ist, Alternativen für Pestizide für eine in Zukunft gesündere Umwelt anzuwenden. Nun hoffen wir sehr, dass auch andere Städte wie Meran und Brixen diesem mutigen Beispiel folgen werden.“

Die Regeln des Beitritts zum Europäischen Netzwerk pestizidfreier Städte sehen die Unterzeichnung des Protokolls vor, mit dem sich die Gemeinde verpflichtet, einen Aktionsplan zu erstellen, durch den Schritt für Schritt alle Pestizide von den gemeindeeigenen öffentlichen Flächen verbannt werden. Ferner verpflichtet sich die Gemeinde dazu, eine Informationskampagne zu starten, um die Bürger für die Wichtigkeit nachhaltiger Alternativen zu sensibilisieren und über die Gefahren zu informieren, die aus der Berührung mit Pestiziden entstehen können. Die Gründe diesem Netzwerk beizutreten seien laut PAN-Europe vielfältig. Vor allem sei es die Möglichkeit, sich über erfolgreiche Maßnahmen Erfahrungen mit anderen Gemeinden auszutauschen, der eigenen Gemeinde auf europäischer Ebene Sichtbarkeit zu verleihen und immer in Hinblick auf Pestizide innerhalb des politischen Geschehens in Europa auf dem neuesten Stand zu sein.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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