Von: mk
Bozen – Der sogenannte Bettenstopp ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema in Südtirol. Politisch geht es um das Ziel, Touristenströme im Land zu regulieren und dort, wo es nötig ist, auch zu limitieren. Obwohl der Tourismus das Land reich gemacht hat und auch heute noch maßgeblich zur Wertschöpfungskette beiträgt, leidet die Bevölkerung punktuell an bestimmten Auswüchsen – angefangen beim überbordenden Verkehr über Menschenansammlungen an Instagram-Hotspots bis hin zu teurem Wohnraum. Dennoch warnen manche davor, alles über einen Kamm zu scheren. Südtirol News-Leser Michael Wunderer empfiehlt stattdessen eine differenzierte Haltung. Wörtlich schreibt er in einem Beitrag:
Als Bürger, dem die Zukunft unseres ländlichen Raums am Herzen liegt, verfolge ich die Debatte um den Bettenstopp mit Sorge. In den Medien dominieren immer wieder Stellungnahmen von Umweltverbänden – eine wichtige Perspektive. Doch kaum sichtbar sind die realen Auswirkungen auf strukturschwache und abwanderungsgefährdete Gemeinden.
Der CO₂-Ausstoß anreisender Gäste wird oft in den Vordergrund gestellt. Selten wird hinterfragt, welche Alternativen es in peripheren Tälern gibt, um Arbeitsplätze, Betriebsnachfolgen und regionale Wertschöpfung zu sichern. Ein strikter Bettenstopp mag in stark belasteten Hotspots Sinn ergeben. In abwanderungsgefährdeten Tälern kann er jedoch zur wirtschaftlichen Sackgasse werden: Junge Menschen wandern ab, Familienbetriebe schließen, ganze Orte verlieren Perspektive.
Abwanderung ist keine Klimastrategie. Wer vor Ort keine Zukunft sieht, pendelt oder zieht in Ballungsräume – mit entsprechenden ökologischen Folgen. Nachhaltigkeit umfasst daher ökologische, soziale und wirtschaftliche Stabilität.
Zudem ist die Verhältnismäßigkeit entscheidend: Der Aufbau alternativer Wirtschaftssektoren würde meist deutlich mehr Flächenverbrauch, Energieeinsatz und Infrastruktur erfordern als eine kontrollierte touristische Weiterentwicklung bestehender Strukturen.
Auch bei der Mobilität zeigt sich ein Wandel. Immer mehr Gäste reisen dank Elektromobilität emissionsärmer an, während Betriebe in Ladeinfrastruktur und Energieeffizienz investieren. Der Hebel liegt im Verkehrssystem insgesamt – nicht allein in der Bettenzahl.
Differenzierte Regelungen für abwanderungsgefährdete Gemeinden sind kein Widerspruch zu Klimazielen, sondern Teil einer klugen Gesamtstrategie. Pauschale Verbote ersetzen keine intelligente Steuerung.
Am Ende steht eine grundlegende Frage: Wollen wir den ländlichen Raum aktiv weiterentwickeln – oder ihn aus klimapolitischer Vorsicht seiner wirtschaftlichen Grundlage entziehen?




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