Panik brach erneut am Morgen aus

Blackout in Berlin: Vulkangruppe weist Russland-Spekulationen zurück

Mittwoch, 07. Januar 2026 | 11:10 Uhr

Von: idr

Berlin – Auch vier Tage nach dem Sabotageakt im Südwesten Berlins sind immer noch 19.900 Haushalte sowie 850 Gewerbe bei Tagestemperaturen von minus drei Grad ohne Strom. Um 11.00 Uhr soll die Versorgung nun schrittweise wieder hochgefahren werden. Die mutmaßlichen Verursacher – die für ähnliche Vorfälle bekannte linksextreme „Vulkangruppe“ – wiesen in der Nacht in einem weiteren Schreiben Spekulationen über eine mögliche Beteiligung Russlands zurück. Währenddessen leistet sich die Stadt den nächsten Fauxpas.

Die „Vulkangruppe“ bekannte sich bereits kurz nach dem Anschlag zu der Tat. Doch Spekulationen nach einer möglichen russischen Beteiligung ebbten nicht ab. Aufmerksamkeit erregte zum einen die Sprache, die die Tat spricht, aber auch Details wie falsche Artikel, ungewöhnliche Satzkonstruktionen und die Schreibweise „Vans“ im Namen des US-Vizepräsidenten, statt „J. D. Vance“ – genau so, wie man es auf Kyrillisch schreiben würde.

Weiteres Bekennerschreiben

Gestern Abend stellten die mutmaßlichen Verursacher im Portal knack.news klar: „Zu den kursierenden Unterstellungen einer angeblichen False-Flag-Aktion eines ausländischen Staates sagen wir klar: Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“. Dass Menschen vor Ort Infrastruktur angreifen könnten, passe nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden.

Ob der Text tatsächlich von der Gruppe stammt, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen wegen Terrorverdachts übernommen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem „terroristischen Akt“ und machte „offenkundig Linksextremisten“ verantwortlich. Das Bundesinnenministerium bestätigte: Ein linksextremistischer Hintergrund gilt als wahrscheinlich.

Erneute Panik am Morgen

Heute früh kam dann die Entwarnung – und gleich darauf neuer Ärger: Gegen 11.00 Uhr soll die Stromversorgung wieder schrittweise anlaufen. Doch statt einer sachlichen Information verschickten die Berliner Behörden eine Cell-Broadcast-Warnung auf alle Handys in der Stadt. Die Alarmstufe: „Extreme Gefahr“. Der schrille Ton und die alarmierenden Worte schürten Angst und Verunsicherung vor einem neuen Anschlag in der Stadt.

Doch eigentlich ging es der Stadt nur darum, private Notstromaggregate bis 10.30 Uhr vom Netz zu trennen, um Netzstabilität zu gewährleisten. Die Senatsverwaltung verteidigte die Nutzung der Notfallmaßnahme: Man habe schnell alle Empfangsgeräte berlinweit ansteuern müssen. Zum Beginn des eigentlichen Stromausfalls – der der längste seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist – gab es dagegen keine Notfallwarnung.

Chaos in der Hauptstadt

Die Episode zeigt das Chaos der vergangenen Tage. Wegner war am ersten Tag des Blackouts nicht vor Ort – die Opposition wirft ihm Versagen vor. Die technische Redundanz, die eigentlich vor solchen Ausfällen schützen soll, versagte erneut. Schon im September hatte ein ähnlicher Anschlag Tausende Haushalte getroffen, weil auch die Ersatzleitung beschädigt wurde. Der jüngste Ausfall führte erwartbar zu einer Welle von Einbrüchen in guten Vierteln.

Jetzt stehen grundsätzliche Fragen im Raum: Sind Berlins kritische Infrastrukturen ausreichend geschützt? Kann eine kleine Gruppe mit Brandsätzen eine Millionenstadt tagelang lahmlegen? Und: Wer steckt wirklich hinter dem Anschlag? Die Behörden werden diesen Fragen nachgehen – sollten sie wieder Strom haben.

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