Von: luk
Bozen – Der Flächenverbrauch bleibt auf einem hohen Niveau und auch in Südtirol bleibt der Druck auf den knappen Boden bestehen. Laut der Plattform Land verdeutlicht die Entwicklung der letzten Jahre: “Die jährliche Neuversiegelung schwankt, ein klarer rückläufiger Trend ist jedoch bislang nicht erkennbar. Nach einem deutlichen Ausschlag nach oben in der Vergangenheit ist zuletzt wieder ein moderater Anstieg zu beobachten. Eine Entwicklung, die die Klimaziele zusätzlich unter Druck setzt und gleichzeitig den Handlungsbedarf klarer denn je macht, zumal laut Klimaplan Südtirol eine Halbierung der Netto-Neuversiegelung bis 2030 vorgesehen ist”
In Südtirol seien bereits weit über 20.000 Hektar Fläche versiegelt – fast die Hälfte des begrenzten Dauersiedlungsraums. Versiegelung deckt natürlichen Boden mit Belägen wie Asphalt oder Beton ab – und beeinträchtigt zentrale Bodenfunktionen: “Sie verschlechtert die Wasseraufnahme, erhöht das Hochwasserrisiko und reduziert wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig fehlen Grünflächen, die für Kühlung, Biodiversität und Lebensqualität unverzichtbar sind”, so die Plattform Land.
In dicht bebauten Gebieten verstärkten sich Hitzeeffekte mit Temperaturanstiegen von bis zu +10°C. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Laut der italienischen Umweltagentur ISPRA entstehen durch den Verlust von Bodenfunktionen landesweit Kosten von bis zu 10,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Eine Trendumkehr ist notwendig – und möglich
Die Entwicklung sei kritisch – aber nicht alternativlos. “Um den Flächenverbrauch wirksam zu begrenzen, braucht es klare Prioritäten: Unsere Flächen sind begrenzt – umso wichtiger ist ein intelligenter und sparsamer Umgang damit: Bestand vor Neubau. Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Qualität vor Quantität”, heißt es weiter.
“Seit Jahren setzt sich die Plattform Land dafür ein, Leerstände zu aktivieren, brachliegende Flächen zu nutzen, Gemeinden in einer flächensparenden Raumplanung zu unterstützen und die Ortskerne lebendig zu halten. Alpenweit arbeiten wir mehreren konkreten Projekten zur Entsiegelung und Aufwertung bestehender Flächen – mit dem Ziel, Klimaresilienz und Lebensqualität gleichzeitig zu stärken”, sagt Matthias Bertagnolli, Geschäftsführer der Plattform Land.
Mit April 2026 startet zudem die Initiative „Südtirol saniert – gut beraten bauen und sanieren“. Mit Unterstützung des Landes Südtirol werden kostenlose und vergünstigte Energie- und Sanierungsberatungen angeboten für Private und Gemeinden angeboten. Damit werde ein wichtiger Anreiz geschaffen, den Gebäudebestand zukunftsfit zu machen – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.
Auch der Wettbewerb für Entsiegelung und Bodenaufwertung 2026 setze ein starkes Signal: Er soll funktionierende und übertragbare Lösungen sichtbar machen und zeigen, dass es bereits erfolgreiche Beispiele gibt und konkrete Veränderungen möglich sind. Gleichzeitig motiviert er Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen, selbst aktiv zu werden und eigene Projekte umzusetzen. Der Wettbewerb läuft noch bis Juni 2026.
Flächenschutz als gemeinsame Zukunftsaufgabe
“Der steigende Flächenverbrauch ist keine abstrakte Kennzahl, sondern eine zentrale Herausforderung für Klima, Lebensqualität und wirtschaftliche Stabilität”, betont Andreas Schatzer, Präsident der Plattform Land: “Wenn wir jetzt konsequent auf Innenentwicklung, Entsiegelung und Qualität setzen, kann Südtirol eine Vorreiterrolle einnehmen. Die Lösungen liegen auf dem Tisch – entscheidend ist, dass wir sie gemeinsam umsetzen.”




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