SVP-Eigentor im Unterland – ein Kommentar

Bogen überspannt

Donnerstag, 27. August 2026 | 01:03 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen – Der Südtiroler Sommer ist heiß. Aber seitdem der Plan im Raum steht, den Senatswahlkreis Bozen-Unterland aufzuteilen und das Überetsch sowie die Unterlandler Gemeinden Tramin, Kurtatsch und Margreid dem Wahlkreis Meran zuzuschlagen, ist es im Unterland noch heißer geworden.

Ganz gleich, ob der von dem Fratelli-d’Italia-Abgeordneten Alessandro Urzì eingebrachte und bereits von der Abgeordnetenkammer genehmigte Vorschlag Teil eines Entgegenkommens ist, um „deutsche” Abgeordnetensitze abzusichern, oder ob in Bozen einfach „geschlafen” wurde – die Außenwirkung ist verheerend. Es wirkt wie ein über die Köpfe der Unterlandler hinweg abgesegneter Kuhhandel, der Urzì eine Steilvorlage für einen Sieg in „seinem zurechtgeschneiderten italienischen Wahlreservat” sichern soll.

Schützenbezirk Südtiroler Unterland

In der Brennerstraße hätte man ahnen müssen, dass die Unterlandler über alle Parteigrenzen hinweg gegen die „Zerreißung“ ihres Wahlkreises Sturm laufen würden. Die Etsch war schließlich noch nie eine Grenze und das Unterland ist eine historisch gewachsene Landschaft. Im Tal der deutschen Vor- und italienischen Nachnamen, in dem auch der Deutscheste stolz auf seinen Nonno ist, gewann immer derjenige, der sowohl „die Italiener” als auch „die Deutschen” anzusprechen vermochte – tatsächlich war das Unterland allen Reibereien und mitunter auch harten Auseinandersetzungen zum Trotz stets so etwas wie ein „Labor des Zusammenlebens”, weil beide Sprachgruppen seit Generationen Tür an Tür wohnen.

Für die SVP ist es daher ein gewaltiges Eigentor, denn die geplante Neuaufteilung riskiert, den großen historischen Erfolg der Autonomiereform, der allen Unkenrufen zum Trotz errungen wurde, in den Schatten zu stellen. Für die Opposition, von den „Patrioten” bis hin zu den Grünen, ist der Urzì-Plan der letzte Beweis für den Befund einer Sammelpartei, die sich von den Fratelli über den Tisch ziehen lässt.

Facebook/Südtiroler Schützenbund

Die Unterlandler werden die Teilung nicht kampflos hinnehmen, weshalb unterm „Edelweiß” die Nerven blank liegen. Verzweifelt versucht die SVP nun, mit Abänderungsanträgen und Alternativvorschlägen den bisherigen Zuschnitt des Wahlkreises zumindest teilweise zu retten. Ob es ihr gelingen wird, den Schaden zu begrenzen und eine demütigende Niederlage zu verhindern, bleibt abzuwarten.

Das wird sich erst im September zeigen. Sollte die SVP jedoch mit leeren Händen aus Rom heimkehren, kann die Sammelpartei im Wahljahr keinen Heiligen entbehren, denn die Rache der gedemütigten Unterlandler scheint ihr gewiss. Die Moral der Geschicht’ ist nämlich, dass man zwar lange an Wahlkreisen herumdoktern kann, am Ende aber immer der Wähler vor der Urne über Wohl und Wehe entscheidet. Der Bogen wurde überspannt.

Bezirk: Bozen

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