Thema heute im Gesetzgebungsausschuss

Camping auf dem Bauernhof: Ein Streitfall

Dienstag, 17. Januar 2023 | 11:14 Uhr

Bozen – Agri-Camping, also die Form von kleinen Campingstellen auf dem Gelände von Bauernhöfen, ist erneut im Gespräch. Der Landtagsabgeordnete Peter Faistnauer von der Landtagsfraktion “Perspektiven für Südtirol” ist bekanntermaßen ein Verfechter von Agri-Camping. Doch seiner Ansicht nach stößt das Konzept in Südtirol auf beinahe unüberwindbare Hürden. In dieser Hinsicht sei Südtirol nicht Italien, aber auch nicht Österreich, Schweiz oder Bayern, meint der Politiker.

“Die Nachfrage ist in kürzester Zeit enorm gestiegen, die Bedarfsdeckung ist derzeit aber bei Weitem nicht gegeben. Agri-Camping ist bereits in ganz Italien möglich, nur in Südtirol nicht. Dies bedeutet einen groben Wettbewerbsnachteil für unsere landwirtschaftlichen Betriebe”, heißt es weiter.

“Innerhalb von  zehn Jahren verzeichneten Südtirols Campingplätze 84,64 Prozent mehr Gästeankünfte und 45,18 Prozent mehr Übernachtungen. Corona hat eine weitere, enorme Steigerung ausgelöst. Auch Agri-Camping ist gefragt. Seit Jahren aber verhindert Landwirtschafts- und Tourismus-Landesrat Arnold Schuler eine Gleichstellung mit den anderen Regionen Italiens. Gegenargumente wie die immer wieder diskutierte Hürde der Befahrbarkeit von Gebirgsstraßen für Campingfahrzeuge konnten Bergregionen wie das Trentino meistern. Genauso wird man sich wohl in Österreich und der Schweiz um das Landschaftsbild sorgen. Was, wenn man wenige Stellplätze gegenüber Bettenburgen in die Waagschale werfen würde? Dabei wird bei Weitem nicht an jedem Bergbauernhof ein Camper stehen, aber für einige kann dieser Zuerwerb die bisherige Tätigkeit und das Wirtschaftsbudget passend ergänzen”, so Faistnauer.

“Alle UAB-Gesetze der anderen Regionen Italiens sehen das Campen am Bauernhof vor. Ein solcher Zuerwerb könnte auch in Südtirol an das Erfolgskonzept UAB anknüpfen. Agri-Camping im Sinne dieses LGE bedeutet die Möglichkeit, auf landwirtschaftlichen Betrieben eine limitierte Anzahl an Camping-Stellplätzen in einer vorgegebenen Saison für touristische Zwecke vermieten zu können, um einen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes bedeutenden Zuerwerb zu generieren. Da für die Aufnahme dieser Tätigkeit nur moderate Investitionen notwendig sind, erscheint es vor allem in der aktuellen Wirtschaftskrise angebracht, dies für unsere Bergbauernhöfe endlich vorzusehen – auch in Anbetracht der Bedeutung bäuerlicher Betriebe. Denn die Südtiroler Gesellschaft profitiert direkt und indirekt von gut funktionierenden landwirtschaftlichen Betrieben: Für die Lebensmittelversorgung, aber auch für die Landschaftspflege, was insbesondere dem Tourismus zugutekommt. Camping auf dem Bauernhof könnte eine substanzielle Hilfe für die Südtiroler Berglandwirtschaft sein, um weiterem Höfesterben entgegenzuwirken. Es wird in ganz Italien und unseren Nachbarländern bereits erfolgreich umgesetzt“, so der Abgeordnete Peter Faistnauer der dazu auch einen Gesetzesentwurf eingebracht hat.

Heute befasst sich der II. Gesetzgebungsausschusses im Landtag mit einem Gesetzesentwurf zum Thema „Agri-Camping“.

“Falscher Ansatz”

Für den Landtagsabgeordnete Helmut Tauber stellt Agri-Camping hingegen einen falschen Ansatz dar, um die Berglandwirtschaft weiterzuentwickeln.

“Bereits im vergangenen Sommer hat sich der Landtag mit dem Thema ‘Agri-Camping’ als substanzielle Hilfe für die Berglandwirtschaft beschäftigt. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt“, erklärt Tauber. “Probleme in der Berglandwirtschaft damit lösen zu wollen, indem immer mehr unterschiedliche Möglichkeiten des Zu- und Nebenerwerbs geschaffen werden, kann nicht der richtige Weg sein, um die Berglandwirtschaft weiterzuentwickeln“, so Tauber und erklärt weiter: „Nicht zuletzt gilt es immer auch die Auswirkungen auf andere Branchen und Sektoren zu bedenken. Wir haben Camping-Plätze im Land, die diese Tätigkeit im Haupterwerb betreiben und davon leben. Eine Branche zu stärken, während man eine andere schwächt, kann nicht das Ziel von Wirtschaftspolitik sein.“

Auch der Überlegung, dass mittels Agri-Camping das Phänomen der ‘Wildparker’ unterbunden werden kann, steht Tauber kritisch gegenüber: „Ich bin absolut dafür, dass Wildcampern Einhalt geboten wird. Hier sind jedoch in allererster Linie stärkere Kontrollen und Sanktionen notwendig. Die Tatsache, dass sich Menschen mit ihrem Wohnwagen je nach Herzenslaune und kostenlos niederlassen, wird nicht automatisch dadurch gelöst, dass eine Vielzahl neuer Camping-Plätze entsteht“, ist der Landtagsabgeordnete überzeugt. Was hingegen eine höhere Nachfrage von Camping-Plätzen betrifft, so gelte es diese gemeinsam mit den Branchenvertretern zu analysieren und je nach Bedarf darauf zu reagieren. Der zuständige Landesrat arbeite derzeit bereits an einem Gesamtkonzept für das Camping in Südtirol. „Nicht zuletzt wäre auch dem Landschaftsbild Südtirols nicht gedient, würden fortan eine Vielzahl von Campern an idyllischen Bergbauernhöfen herumstehen. Ebenso wenig gedient wäre aber auch dem Verkehr und der Sicherheit auf den Bergstraßen“, so Tauber abschließend.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Camping auf dem Bauernhof: Ein Streitfall"


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gutergeist
gutergeist
Tratscher
15 Tage 7 h

Bin der Meinung dass hier Leute diskutieren und entscheiden, die wenig bis gar nichts von Wohnwagen oder Camping verstehen. Typisch für Südtirol, zuerst unendlich viele Probleme suchen, dann unzählige Vorschriften. AUSSER, jemand der Entscheidungsträger oder irgend ein Freund der Alpenblume kann finanziell gut abkassieren. Dann geht’s!

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Universalgelehrter
15 Tage 7 h

Es ist schon interessant, wie die Bauerlobby sich auf Kosten anderer Branchen breit macht.Über den Maschienenring übernehmen Bauern Arbeiten von Landschaftsgärtnern. Dabei brauchen sie sich nicht an Arbeitssicherheit, Arbeitszeit usw. halten. Mit Urlaub auf dem Bauernhof machen sie Zimmervermietern und Hotels unlautere Konkurrenz,da sie steuerbegünstigt sind und nicht so hohe gesetzliche Auflagen halten müssen. Nun machen sie auch Campingplätzen Konkurrenz, da sie sich auch da nicht an so strenge sanitäre und strukturelle Auflagen halten müssen. Der liebe Gott wird schon ein Bauer sein.

krokodilstraene
krokodilstraene
Tratscher
15 Tage 7 h

Da lassen sich sicher noch andere Tätigkeiten finden, die auf den Bauernhöfen verrichtet werden können…

Das Agricamping bringt nur Einkünfte bei jenen Bauern, die es eh nicht nötig haben. Bei den “armen” Bergbauern ist damit kein wirkliches Geld zu verdienen…

Langsam läuft das Fass über!!!

info
info
Superredner
15 Tage 7 h

Glaube kaum, dass die Campierenden Gäste sind, die überdurchschnittlich viel Geld im Land lassen. Außer Verkehr und Müll bleibt da nicht viel übrig. Aber wir haben ja nie genug von gar nichts, so wie’s ausschaut.

Zugspitze947
15 Tage 4 h

info: Stimmt ,aber zusätzlich behindern diese Stinker den Verkehr auf Bergstrassen total 🙁

OrB
OrB
Kinig
15 Tage 7 h

Wir haben so schon eine Übertourismus,es reicht!

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
15 Tage 6 h

Schuler und vor allem Tauber sind dagegen um die Hoteliere und die bereits bestehenden Campingbetreiber zu schützen und lästige Konkurrenz abzuwehren.

Sie sprechen nicht als Volksvertreter und wägen Vor-und Nachteile ab, sondern sie vertreten nur ihre eigenen Leute. 
Da es in GANZ ITALIEN möglich ist und der italienische Campingverband DAFÜR ist und auch der Bauernbund als Vertreter für die Bauern POSITIV gestimmt ist sollte es eher schon erlaubt werden.   
Einzige Sache: die gute optische Anpassung der Stellplätze

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