Von: mk
Brixen – Der Dachverband für Natur um Umweltschutz verurteilt die Rodung des Brixner Aufwaldes aufs Schärfste. In einer Nacht- und Nebelaktion seien am vergangenen Freitag um 6.00 Uhr in der Früh in der Industriezone 7000 Quadratmeter Auwald gerodet worden.
Durch die Rodung dieses Auwaldes hat man den Umweltschützern zufolge vollendete Tatsachen geschaffen. „Rechtlich ist diese Vorgangsweise absolut unkorrekt, die Rekursfristen gegen die positiven Beschlüsse der Landesregierung sind noch nicht abgelaufenen, und – weit schlimmer – die Rodung erfolgte außerhalb der zulässigen Rodungsperiode, die zum Schutz der nistenden Vögel, der Fledermäuse und Reptilien dient“, erklärt der Dachverband.
Auch die Vorsitzende Elisabetz Ladinser spart nicht mit Kritik: „Es erscheint wie ein hinterhältiges, wiederkehrendes, trauriges Muster.“ Sie ruft „die Bäume in Bozen vor dem alten Spital, die Bäume in Sexten in der Stiergarten-Signaue, die Kasernen in Schlanders“ in Erinnerung. Sie alle seien in Nacht- und Nebelaktionen geopfert worden, um in Bezug auf zweifelhafte Vorhaben vollendete Tatsachen zu schaffen.
Die Umwidmung des Auwaldes in Gewerbezone zugunsten der Firma Progress sei auch innerhalb des Dachverbandes alles andere als unumstritten gewesen. Die Meinungen und Positionen dazu zwischen einzelnen Mitgliedsorganisationen sind nicht deckungsgleich. Sowohl die Position der Biologen für den Erhalt des Auwaldes als auch die Position für die Erweiterung der Millander Au hätten laut Ladinser ihre Berechtigung.
Dennoch habe sich der Vorstand des Dachverbandes nach eingehenden Diskussionen durchgerungen, diesen Kompromiss des Flächenaustausches ausnahmsweise zu akzeptieren, zumal die Natur durch die Gewinnung neuer, größerer renaturierter Flächen für die Erweiterung der Millander Au auf lange Sicht dazugewinnen würde.
Nun zeigt man sich im Dachverband enttäuscht. „Die Missachtung des Fällungsverbotes kommt einer regelrechten Barbarei gleich!“, sagt der stellevertretende Vorsitzende Peter Gasser. Die Firma Progress verliere an Glaubwürdigkeit. „Die ursprüngliche Absicht, durch Ausgleichsflächen neue Naturräume zu schaffen, kehrt sich in Greenwashing um“, so Gasser. Elisabeth Ladinser spricht von einem Vertrauensbruch.




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