Von: mk
Bozen – Nach dem tödlichen Unfall, der sich am Mittwochmorgen in der Vittorio-Veneto-Straße ereignet hat, gerät die Unfallsstelle ins Visier. Eine 46-jährige Radfahrerin kam bei dem Unfall ums Leben. Wie Anrainer bestätigen, handelt es sich um einen Verkehrsknotenpunkt, der in der Vergangenheit immer wieder für Probleme gesorgt hat.
Vor allem dass Schwerfahrzeuge parallel zum herkömmlichen Verkehr die Stelle passieren, wird als Belastung empfunden. Besonders zu Stoßzeiten stelle der Schwerverkehr eine zusätzliche Beeinträchtigung für die Sicherheit auf der Straße dar. Die Gegend gilt als sehr belebt, es gibt viele Wohnungen.
Seit geraumer Zeit wird daher auch über den Hörtenberg-Tunnel als mögliche Umfahrung diskutiert, um eine Verkehrslinderung zu erzielen. Das Projekt, das seit Jahrzehnten auf den Tisch liegt, ist allerdings nie verwirklicht worden.
Dass sich in der Zone ein verheerender Unfall ereignet, geschieht nicht zum ersten Mal. Am 24. November 2022 kam die 34-jährige Isabella Giordano bei einem tragischen Unfall ums Leben. Nur wenige 100 Meter von der aktuellen Unfallstelle entfernt hatte sich auch in ihrem Fall ein Zusammenstoß mit einem Lkw ereignet.
Stadträtin Johanna Ramoser kündigte Medien gegenüber an, die Gefahrenstellen solle entschärft und die Vittorio-Veneto-Straße verkehrsberuhigt werden. Auch die Zebrastreifen sollen laut Stadträtin farbig markiert werden.
Rudi Benedikter, Gemeinderat der Grünen, erinnert daran, dass seine Fraktion bereits seit 2017 fordere, die Vittorio-Veneto-Straße offiziell als “Anliegerstraße” einzustufen und für den Schwerverkehr zu sperren. Nach dem Tod von Isabella Giordano verlangten die Grünen außerdem als Sofortmaßnahme ein Fahrverbot für schwere Laster zu den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten von 7.30 bis 9.00 Uhr und von 17.30 bis 19.00 Uhr auf der Achse Vittorio-Veneto-Straße, Grieser Platz und Freiheitsstraße. Jeder Protest und jeder Vorschlag nach sofort wirksamen Maßnahmen sei von den Entscheidungsträgern in Gemeinde und Land stets auf “die kommende Umfahrung durch den Hörtenberg-Tunnel” vertröstet worden, kritisiert Benedikter. “Dies ist der besondere Skandal bei dieser erneuten Tragödie”, erklärt Benedikter abschließend.
Mehrere tödliche Radunfälle in Bozen
Auch sonst leben Radfahrer in Bozen nicht immer ungefährlich: Im Juni 2025 erlag ein 87-jähriger Rentner seinen schweren Verletzungen einen Tag später, nachdem er zuvor auf seinem E-Bike in der Drusus-Allee mit einem Streifenwagen der Carabinieri zusammengestoßen war. Im September 2021 war am Verdi-Platz ein 62-jähriger Architekt aus Bozen tödlich verletzt worden, der mit einem weiteren Radfahrer zusammengeprallt war. Dieser wurde nach vier Jahren zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt.
Im Oktober 2018 war ein 40-Jähriger am Siegesplatz von einem Laster überfahren worden. Auch der Lkw-Fahrer wurde zu sechs Monaten Haft wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, während im August 2018 ein 85-jähriger Bahnangestellter in Pension nach zwei Wochen im Spital seinen Verletzungen erlag, nachdem er in der Einstein-Straße mit einem Motorrad zusammengeprallt war.
Dringender Appell für mehr Verkehrssicherheit
Mit großer Bestürzung hat auch das Bürgerkomitee Bozen vom tragischen Fahrradunfall am Mittwochmorgen in der Vittorio-Veneto-Straße erfahren, bei dem eine Frau ihr Leben verloren hat. Seit Monaten weist das Bürgerkomitee Bozen auf zahlreiche Schwachstellen im Straßenverkehr der Landeshauptstadt hin, die insbesondere die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer – Radfahrer und Fußgänger – gefährden. Trotz wiederholter Hinweise und Vorschläge an die zuständigen Behörden sei bislang zu wenig geschehen, um solche tragischen Ereignisse zu verhindern.
„Wir sind tief betroffen von diesem tragischen Unfall. Es darf nicht sein, dass erst nach solch erschütternden Ereignissen gehandelt wird. Jedes Menschenleben ist kostbar und muss geschützt werden“, betont Petra Eisenstecken, Sprecherin des Bürgerkomitees Bozen.
Die Verkehrssituation in Gries sei besonders angespannt. „Das hohe Verkehrsaufkommen Richtung Innenstadt führt zu erheblichen Gefahren, und die Engstelle in der Vittorio-Veneto-Straße ist für Schwerverkehr, Busse, Autos und Radfahrer nicht ausreichend breit, wodurch kritische Situationen entstehen. Das Bürgerkomitee Bozen spricht sich für eine optimale und deutlichere Kennzeichnung des Radwegs von der Vittorio-Veneto-Straße über die Schmiedgasse und an der alten Kellerei vorbei aus, damit auch ortsfremde Radfahrer das sichere Teilstück nutzen können“, so das Komitee.
Auch die Vintler Straße stellt laut Bürgerkomitee ein großes Problem dar, denn dort befinden sich Schulen, Schülerheime und Kindergärten, die von vielen Kindern und Schülern auf dem Fahrradweg von der Weggensteinstraße Richtung Vintlerstraße passiert werden. „Die Ausfahrt der Tiefgarage mit insgesamt fast 500 Stellplätzen sowie das bestehende Parkangebot sorgen für zusätzliche Gefahren, insbesondere zu Stoßzeiten. Ein Wegfall der fünf Parkplätze wäre hier dringend geboten, um die Sicherheit zu erhöhen und um Konflikte zwischen Fahrradfahrern, Fußgängern und Autos zu vermeiden“, erklärt das Bürgerkomitee.
Der neue Fahrradüberweg im Rahmen der Realisierung des Waltherparks weise ebenfalls gravierende Mängel auf. „Die hohen Betontrennwände beeinträchtigen die Sicht und erhöhen das Unfallrisiko, während die Ausfahrt zum Verdiplatz für Autofahrer kaum erkennbar ist, sodass Radfahrer unmittelbar vor dem Kreisverkehr zur Südtiroler Straße gefährdet sind“, betont das Bürgerkomitee. Zudem wird eine farbige Markierung gefährlicher Straßenabschnitte, insbesondere bei Ausfahrten von Industriebetrieben wie in der Galileo-Galilei-Straße, nach dem Vorbild anderer Städte angeregt.
Das Bürgerkomitee Bozen betont mit Nachdruck, dass jedes Menschenleben kostbar sei und umfassend geschützt werden müsse. „Es darf nicht sein, dass erst nach tragischen Unfällen Maßnahmen ergriffen werden. Die vorgeschlagenen Verbesserungen sind zeitnah umsetzbar und erfordern keinen großen Aufwand. Wir fordern die Verantwortlichen auf, sofort und entschlossen zu handeln, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer nachhaltig zu gewährleisten“, erklärt das Bürgerkomitee abschließend.




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