Syrskyj: "Meine Aufgabe ist der Krieg"

Entlassener Armeechef sieht Ukraine in der Offensive

Mittwoch, 22. Juli 2026 | 11:05 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/Ukrinform

Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, sieht Kiew in der Offensive im Abwehrkampf gegen Russland. “Ich übergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hält, sondern sich auch im Offensivmodus befindet – mit Initiative, mit Struktur und mit Menschen, die wissen, wie man den Feind besiegt”, teilte er mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte ihn nach tagelangem Druck von Demonstranten am Dienstag entlassen.

Selenskyj hat dem 43 Jahre alten Generalmajor Mychajlo Drapatyj die Führung der ukrainischen Streitkräfte übertragen. In einer Videobotschaft aus Kiew kündigte der Staatschef am Mittwoch eine Neuordnung des Generalstabs in Abstimmung mit Verteidigungsministerium und Präsidialamt an. Drapatyj, seit 25 Jahren Soldat, schrieb auf Facebook: “Ich werde verantwortungsbewusst, konzentriert und mit Respekt gegenüber den Menschen arbeiten, die heute unser Land verteidigen.” Der Kommandowechsel ist das Ergebnis von tagelangen Demonstrationen gegen die Entlassung von Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister, bei denen überwiegend junge Ukrainer auch Syrskyjs Entlassung gefordert hatten. Fedorow hatte zuvor von einem Streit mit Syrskyj über die Ausrichtung der Streitkräfte gesprochen.

Syrskyj hofft auf Fortsetzung der Offensive

Syrskyj hatte sich bei Fedorow entschuldigt und schrieb nun in einem Abschiedsschreiben in seinem Telegram-Kanal, dass er hoffe, dass die Offensive unter neuer Führung fortgesetzt werde. “Alles dafür ist vorhanden”, schrieb er. “In diesem Jahr wurden unter meinem Kommando 743 Quadratkilometer unseres Landes befreit.” Unter seiner Führung sei auch die Armee von Grund auf verändert worden, sagte er. Zwar verzeichneten ukrainische Militärbeobachter auch kleinere taktische Erfolge für die ukrainische Armee, doch sind nach Beobachtern des Portals “DeepStateMap” seit Jahresbeginn fast 800 Quadratkilometer verloren gegangen.

Der General machte deutlich, dass es ihm selbst nicht um Posten gehe. “Meine Aufgabe ist der Krieg”, erklärte er. “In welcher Position ich auch immer sein mag, ich werde der Ukraine bis zum Sieg dienen.” So sei unter seiner Leitung auch erstmals Drohnenstreitkräfte gegründet worden, die Russland keine sicheren Rückzugsgebiete mehr ließen. Das Land habe eine eigene Flugabwehr aufgebaut, führte er in einer ausführlichen Bilanz auf. “Lange Zeit hat man versucht, uns einzureden, dass die Ukrainer nicht in der Lage seien, Krieg zu führen”, sagte der aus Russland stammende Syrskyj. “Wir haben bewiesen, dass das nicht stimmt. Die Ukraine wird von einem heldenhaften Volk verteidigt.”

Neue Aufgabe für entlassenen Verteidigungsminister Fedorow

Der erst 35 Jahre alte Fedorow hatte seinen Konflikt mit dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj (60) öffentlich gemacht. Dabei ging es maßgeblich um einen Richtungsstreit in der Kriegsführung. Fedorow stand vor allem für die auch im Westen gelobten Einsätze ukrainischer Drohnen gegen russische Ziele. Er galt auch als Reformer. Fedorow hatte das Verteidigungsministerium seit Jänner geleitet. Davor stand er an der Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums. In seiner Abendansprache erklärte Selenskyj, er habe Fedorow einen “angemessenen Posten” angeboten, um den technologischen Bereich des Staates zu leiten. Zu dessen neuer Rolle gab es zunächst keine konkreteren Angaben.

Ausdrücklich dankte Selenskyj dem scheidenden General und würdigte seine militärischen Verdienste bei der Verteidigung Kiews, der Durchführung der Gegenoffensive in Charkiw und der Durchführung der Operation in der russischen Region Kursk. Der Präsident hatte angesichts fortdauernder Proteste gegen die Entlassung von Fedorow seit Tagen Gespräche mit Militärs geführt, wie er auf der Plattform X mitteilte. Selenskyj betonte, dass die bestmögliche Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gegen russische Angriffe sowie die Entwicklung einer realistischen Vision für den Mobilisierungsprozess zu den obersten Prioritäten des Landes gehörten.

Russland überzieht das Land seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Seine Kriegsziele hat Moskau bisher nicht erreicht.

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