Von: importer
Das ungarische Parlament hat am Dienstag in geheimer Abstimmung den Ex-Höchstrichter András Baka zum neuen Staatsoberhaupt Ungarns gewählt. Bei der Wahl erhielt Baka 140 Stimmen, sechs Abgeordnete votierten gegen ihn. Der 73-Jährige war von der Regierungspartei TISZA nominiert worden, die über eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament verfügt. Die Fraktion der oppositionellen rechtskonservativen Fidesz von Ex-Premier Viktor Orbán boykottierte die “illegitime” Wahl.
Die Gegenstimmen kamen von der rechtsextremen Partei “Mi Hazánk”, die ursprünglich ebenfalls einen Boykott angekündigt hatte. Mit seiner Wahl und dem Amtseid folgt der frühere Richter am Straßburger Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und ehemalige Präsident des ungarischen Obersten Gerichtshofs dem im Juli per Verfassungsänderung aus dem Amt entfernten Tamás Sulyok. Dieser war vom neuen Premier Péter Magyar als “Marionette” von Ex-Premier Viktor Orbán bezeichnet worden.
Baka habe sich auf seinem bisherigen Lebensweg konsequent für den Rechtsstaat und die Unabhängigkeit der Justiz eingesetzt, begründete die Regierungspartei TISZA die Nominierung des Ex-Höchstrichters.
Amtsantritt am 19. August
Der neue Staatspräsident wird sein Amt offiziell erst am achten Tag nach der Wahl antreten, also am 19. August. Laut jüngster Modifizierung der Verfassung wird das neue Staatsoberhaupt bis zum Inkrafttreten einer neuen Verfassung, doch höchstens für fünf Jahre gewählt. Der verfassungsgebende Prozess soll nach Magyars Plänen rund eineinhalb Jahre dauern.
Mit dem Amtsantritt von Baka kehrt Ágnes Forsthoffer wieder zurück in ihre reguläre Funktion als Parlamentspräsidentin. Sie hatte das Amt des Staatsoberhauptes nach Absetzung von Sulyok im Juli interimistisch wahrgenommen.
Laut Verfassung spielt der ungarische Staatspräsident vor allem eine repräsentative, protokollarische Rolle, nimmt aber wichtige staatsnotarielle und ordnende Funktionen im parlamentarischen System wahr. Baka müsse das Ansehen des Präsidialamtes wiederherstellen, die Nation erneut einen, so Analysten.




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