Aktionstag soll Südtirol wachrütteln

Frauenmarsch in Bozen

Dienstag, 21. September 2021 | 08:11 Uhr

Bozen – Am Samstag, den 25. September findet in Bozen der „Action Day Frauenmarsch – Donne in marcia“ statt, mit einem Marsch durch die Stadt (ab 9.30 Uhr) und im Anschluss mit einer performativen Kunstinstallation (ab 10.30 Uhr). Damit soll ein sichtbares Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen gesetzt werden. Zur Initiative zusammengefunden haben sich zahlreiche Südtiroler Feministinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die nun dazu aufrufen, am „Action Day“ teilzunehmen, ihn mitzugestalten und die Forderungen nach einer gerechteren Gesellschaft für alle weiterzutragen.

„Wie schwach ist eine Justiz, wie kaputt eine Demokratie, wie resigniert eine Zivilgesellschaft, wie krank ein System, in dem in den letzten zwölf Tagen neun Frauen ermordet wurden? Getötet, weil sie Frauen waren. So viel zur gesamtstaatlichen Gesellschaftsdiagnose, die auch Südtirol nicht verschont. Peinlich wegschauen gilt nicht! Wir sind es leid, dass der 8. März und der 25. November herhalten müssen, um Frauen öffentlich zu beweinen oder sie solidarisch zu umarmen. Jeder Tag ist ein feministischer Tag. Auch darum wurde der 25. September gewählt: kein Jubiläum, kein Jammertal-Anlass, eben ein Tag wie jeder andere, an dem Ungerechtigkeiten benannt, Widerstand geleistet und Handlungsbedarf konkretisiert werden müssen. Nachdem Reförmchen bisher unzureichend waren“, erklären die Organisatorinnen.

Anlass für den Aktionstag geben die unzähligen noch bestehenden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen in allen Lebensbereichen, die Benachteiligung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, die zunehmende Gewalt gegen Frauen, die alarmierend hohen Zahlen der in Frauenhäuser Schutzsuchenden und nicht zuletzt die immer länger werdende Liste jener Frauen, die Gewalt nicht überlebt haben. Dieser Tendenz gilt es nun entschieden gemeinsam entgegenzuwirken. Der „Action Day Frauenmarsch – Donne in marcia“ gibt die Gelegenheit, die Stimme zu erheben und sich entschlossen gegen jede Form von Sexismus und Ungerechtigkeit aufzulehnen, denen Frauen in Südtirol tagtäglich begegnen. Diese Sexismen beginnen mit der Abwertung und Geringschätzung von Mädchen und Frauen und reichen vom Gender (data/pension/pay) Gap bis hin zu den strukturellen Barrieren, die Frauen daran hindern, Führungspositionen zu übernehmen. Siehe auch Ziel fünf der 17 UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung: Alle weiteren sozialen Ziele bauen darauf auf.

Das Programm – ein Marsch, eine Stuhl-Installation und die aktive Beteiligung von Vereinswelt und Zivilgesellschaft

Der Frauenmarsch startet um 9.30 Uhr in der Schlachthofstraße 38/Nähe Cineplexx und zieht, angeführt von den Trommlerinnen Sissamba und Max Castlunger durch die Straßen des Bozner Zentrums: von der Schlachthofstraße über die Loretobrücke, den Verdiplatz, die Kapuzinergasse, die Poststraße bis zum Waltherplatz.

Kurz vor 10.30 Uhr wird mit der Ankunft am Waltherplatz gerechnet, wo die Stühle der Installation „On Remembrance“ am Platz positioniert werden. Mit dem Aufruf „Bring deinen eigenen Stuhl mit!“ soll die Installation von Laura Volgger auf dem Waltherplatz wachsen, spontan im Lauf des Tages. Auf diesen Stühlen prangen nicht nur die Namen der Opfer von Femiziden in Südtirol, sondern auch Forderungen, Slogans und gesamtgesellschaftliche Anliegen.

Zwischen 10.30 und 18.00 Uhr wird es Aktionen und Flashmobs von verschiedenen Frauenvereinen, -organisationen oder engagierten Einzelpersonen geben, die den Unmut und den Wunsch nach dringender Veränderung der Südtiroler Gesellschaft aus der jeweiligen Sicht darstellen. Mit dabei ein großer Teil der Jugend- und Kulturarbeit, das Frauennetz in den Gewerkschaften, die interkulturelle Mediation, die Gewaltprävention und Frauenhäuser bis hin zu einschlägigen feministischen Vereinen und Frauen-Organisationen.

„Der kollektive Drang nach Paradigmenwechsel versteht das Patriarchat als toxisch und betrachtet alle, selbst Männer, nicht nur als Nutznießer, sondern auch als Opfer eines ungerechten und lähmenden Systems. Alle Feministinnen und Feministen sollen im Kampf gegen ungerechte und zutiefst menschenverachtenden Gewohnheiten und Normen vereint werden zu einer Graswurzelbewegung: überparteilich, laizistisch und inklusiv. Was wir wollen ist eine gerechte/re Gesellschaft für ALLE“, heißt es im Manifest vom Frauenmarsch 2021.

Der Aufruf für den 25.9.2021 erfolge an „alle Frauen, Männer und nicht binären Menschen, egal welcher Couleur – weltanschaulich, politisch, religiös, sexuell – und egal welcher Hautfarbe, Herkunft und Klasse“.
„Wir fordern Grundrechte ein: dass Mädchen und Frauen sich sicher fühlen und frei entfalten können, daheim und überall“, so die Organisatorinnen.

Auf der Veranstaltung herrschen Regeln zum Schutz vor Covid-19: Mundschutz und Abstandsregeln sollen während des Marsches genauso wie während der Aktionen am Waltherplatz eingehalten werden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "Frauenmarsch in Bozen"


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Lorietta12345678
Lorietta12345678
Superredner
27 Tage 3 h

Liebe Frauen, ihr braucht keinen Flashmob. Ihr braucht eine anständige Ausbildung, einen guten Job (nicht nur Hausmütterlein) und etwas mehr Durchsetzungsvermôgen, dann klappt das. Habe nichts gegen, nur Hausfrau sein, aber dann im Alter nicht klagen wenn Rentenjahre und Geld fehlt, nur ihr habt es in der Hand was ihr aus eurem Leben macht.

N. G.
N. G.
Tratscher
27 Tage 3 h

Lorietta12345678 Kann ich voll und ganz unterschreiben!
Ich kann zwar nachvollziehen wrnn di manche Mütter erst mal zu Hause bleiben möchten aber Gleichberechtigung würde bedeuten, dass Erziehung vin Anfang an zu 50% geteilt wird und wie du gut erkannt hast, Fraurn sollten sich ne gute Ausbildung und Job besorgen aber dann auch *bitte* arbeiten gehen!
Auserdem, sollte es so ne Lobby auch für ihre Kinder geben. Kinder haben KEINE LOBBY

Mikeman
Mikeman
Kinig
27 Tage 2 h

Belehre dich selbst wenn Lust hast nicht hier dauernd mit deinen ………. als
anscheinbar weise aufzutrumpfen 🤮

info
info
Superredner
27 Tage 2 h

Teile diese Meinung nicht, von Frauen wird vielfach weiterhin unentgeltliche Haus-, Erziehungs- und Pflegezeit erwartet, der Gender-Pay-Gap ist kaum geschrumpft, von Gewaltsituationen möchte ich gar nicht anfangen zu reden. Daher gibt es einiges, was die Gesellschaft als Ganzes zu bewältigen hat, das Abwälzen von Verantwortung und Risiken auf die einzelne Frau ist der Weg der Desolidarisierung.

sophie
sophie
Universalgelehrter
27 Tage 23 Min

@Mikeman
👍👍👍

Kingu
Kingu
Tratscher
26 Tage 22 h
@Lorietta12345678 Also auf fundierte Zahlen ist deine Aussage nicht passiert, überhaupt in meiner Generation sind die wenigste einfach nur mehr Hausfrauen. Die meisten Frauen besitzen sogar eine höhere Ausbildung als wie die meisten Männer und bleiben oftmals allein, weil es immer noch so, obwohl Gleichberechtigung, dass man sich lieber einen Mann mit mehr Geld sucht, als man selbst besitzt. Darüber hinaus spricht der Artikel von Gewalt gegen Frauen, da kann aber der Gesetzgeber noch andere Männer etwas dagegen machen, laut Statistik sind nämlich Männer mit den 3 schlechtesten Charaktereigenschaften am erfolgreichsten bei Frauen (fehlende Empathie, narzisstisch, manipulativ). Entsprechend suchen sich… Weiterlesen »
ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
26 Tage 20 h

123456789

Nicht jede Frau ist “karrieregeil” (wenn ich das so sagen darf!), es gibt auch Frauen die gerne “nur” Hausfrauen sind, leider werden es von Jahr zu Jahr immer weniger, die Kinder werden den ….. ueberlassen, dann spaeter, hat man den Salat!!!!

Gebt endlich den Frauen pro Kind eine Anzahl an Versicherungsjahren, das koennte man locker machen, indem man grosse unternehmen wie Google/ Facebok/ Instagram/ Snapchat/ Uber/ Thinder und was weiss ich noch richtig besteurt!!!!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
26 Tage 19 h

Kingu

leider ist das so!!!

Aber wie sagte schon Freud vor ca. 100 Jahren, nach 30 Jahren Psychoanalyse weiß ich noch immer nicht was die Frauen wollen!

Krissy
Krissy
Universalgelehrter
27 Tage 2 h

Gibt es auch einen Protestmarsch der Männer gegen die Diskriminierung bei Trennung/Scheidung?

sophie
sophie
Universalgelehrter
27 Tage 22 Min

@Krissy
Sel war amol höchschte Zeit👍👍👍

Morgaine
Morgaine
Tratscher
26 Tage 20 h

Kannst du mich bitte aufklären, was hier unter Diskriminierung anfällt?

Kingu
Kingu
Tratscher
26 Tage 14 h

@Morgaine gibt dazu Studien, die Judikative behandelt pauschal Frauen mit Samthandschuhen, selbst für Straftaten wie Missbrauch der Kinder usw. gibt es signifikant geringere Strafen für Frauen. Neben dem Fakt, dass die Männer bei dem Erhalten des Sorgerechts oftmals massiv benachteiligt sind. Auch wird man als männlicher Sozialarbeiter, Pädagoge usw. als Mann oftmals per sè unter Generalverdacht gestellt. Im ganzen Scheidungsrecht und der vorherrschenden Hypergamie, würde ich mal sagen liegt die größte Diskriminierung.

AusDemWegGeringverdiener
27 Tage 2 h

Im Foll: Straßensperren sein zu unterlossen, weil selm will i mit mein nuidn BMW M4 durchbrettern 🙂

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