Die Waffen sollen jetzt wieder schweigen

Iran erklärt Angriffe auf Israel vorerst für beendet

Montag, 08. Juni 2026 | 13:49 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Die Streitkräfte des Iran haben ihre Angriffe auf Israel für beendet erklärt. Die Islamische Republik habe zur Unterstützung des Libanons Israel eine “schmerzhafte Antwort” erteilt, hieß es am Montag in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. “Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben.” Die Heeresleitung warnte jedoch vor härteren Angriffen, sollte Israel seine Attacken im Libanon fortsetzen.

Trump-Aufruf und Trump-Interpretationen

US-Präsident Donald Trump hatte den Iran und Israel kurz davor nach neuen, massiven, gegenseitigen Angriffen aufgefordert, diese sofort einzustellen. “Israel und der Iran müssen unverzüglich aufhören zu ‘schießen'”, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Mehr sagte er inhaltlich nicht. Der Iran hatte am Sonntag wieder Israel angegriffen – erstmals seit Inkrafttreten der zwischen Washington und Teheran vereinbarten Waffenruhe im Krieg, den USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten.

Laut Trump streben Israel und der Iran eine “sofortige Waffenruhe” an. Die abschließenden Verhandlungen über einen Frieden schritten voran, meinte Trump weiter. “Beide Seiten, Israel und Iran, streben eine sofortige Waffenruhe an! Die finalen Friedensverhandlungen laufen, sofern ihnen nicht Ignoranz oder Dummheit in die Quere kommen. Die Blockade (der für den Ölhandel wichtigen Seestraße von Hormuz) bleibt bis zum Abschluss eines endgültigen Abkommens in vollem Umfang bestehen. Es sollte schnell gehen.”

Trump soll Medienberichten zufolge den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu schon zuvor aufgefordert haben, auf Gegenangriffe zu verzichten. Seit der Nacht fliegt Israel nun aber Angriffe auf Ziele im Iran und greift auch weiter im Libanon an.

Die iranische Führung bezweifelte indes, dass Israel seine Gegenangriffe nicht mit den USA abstimmt. Niemand glaube, dass Israel solche Angriffe ohne Koordination mit den Vereinigten Staaten durchführen könne, sagte Außenamtssprecher Esmail Baghaei zu Reportern. Das schüre das Misstrauen in den Verhandlungen mit den USA.

Trump hoffte bis zuletzt und nach wie vor auf ein Abkommen mit dem Iran zur Beendigung des Krieges. Bis zu den neuen Angriffen seien Nachrichten zwischen Washington und Teheran ausgetauscht worden, sagte Baghaei weiter. Ob weiterhin Kontakte bestehen, bestätigte er nicht.

Israel auf Kriegspfad eingestellt

Israels Armee stellt sich indes erneut auf einen mindestens mehrtägigen Konflikt mit dem Iran ein. Sie sei zugleich auch auf einen längeren Krieg vorbereitet, wie es aus israelischen Militärkreisen hieß. Den Angaben zufolge arbeitet das Land mit den USA bei der Abwehr des iranischen Raketenbeschusses zusammen, die Angriffe auf Ziele im Iran führe Israels Armee jedoch alleine aus.

Weiter hieß es, Israels Luftwaffe habe bisher neun Luftverteidigungs- und Radarsysteme sowie eine petrochemische Anlage im Iran ins Visier genommen. Dort sollen laut Armee Materialien für die Herstellung von Raketen produziert worden sein. Der Iran wiederum habe seit Sonntagabend bisher mehr als 20 ballistische Raketen Richtung Israel gefeuert, hieß es aus israelischen Armeekreisen weiter.

Krieg wieder ausgebrochen

Israel und der Iran hatten sich vor Trumps Appell erstmals seit Beginn der brüchigen Waffenruhe vor zwei Monaten wieder mit gegenseitigen Angriffen überzogen. Israel nahm am Montag als Reaktion auf iranische Raketenangriffe Ziele im Iran ins Visier – und setzte sich damit über eine bereits vorherige Aufforderung Trumps hinweg, von Vergeltungsmaßnahmen für die neuen Attacken aus dem Iran abzusehen.

Der Iran hatte am Sonntag erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe Anfang April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel von Beirut im Libanon an, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Am Montagmorgen folgten nach israelischen Angaben weitere iranische Raketensalven. Die Luftabwehr sei im Einsatz, um “die Bedrohung abzufangen”, erklärte die israelische Armee.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehreren Explosionen über Jerusalem, zuvor war Luftalarm ausgelöst worden. Nach Angaben eines israelischen Militärvertreters feuerte der Iran seit Sonntagabend fast 30 Raketen auf Israel ab.

Iran von Verbündeten Milizen unterstützt

Der Iran erklärte, er habe die Luftwaffenstützpunkte Nevatim in Südisrael und Tel Nof südlich von Tel Aviv angegriffen. Die mit Teheran verbündeten Houthi-Rebellen im Jemen verübten ebenfalls Raketenangriffe auf Israel. Zudem erklärte die Miliz, sie habe ein “vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt im Roten Meer” verhängt.

Die israelische Luftwaffe hatte am Montagmorgen als Reaktion auf den Beschuss aus dem Iran nach Armeeangaben “militärische Ziele des iranischen Terrorregimes im Westen und im Zentrum des Iran angegriffen”.

Das iranische Staatsfernsehen berichtete von “mehreren” Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Tabriz und Isfahan. Später folgte ein israelischer Luftangriff auf einen petrochemischen Komplex in Mahshahr im Südwesten des Iran. Nach iranischen Angaben wurde eine Produktionsstätte dabei beschädigt. Der Iran meldete später einen Vergeltungsangriff auf eine petrochemische Anlage in der israelischen Hafenstadt Haifa.

Bei weiteren Luftangriffen auf den Iran wurden nach Angaben der israelischen Armee “strategische Verteidigungssysteme” in verschiedenen Regionen des Landes zerstört. Am Vormittag erschütterte eine weitere Explosion das Stadtzentrum von Teheran. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr wurde über der iranischen Hauptstadt auch eine “feindliche” Drohne abgeschossen.

Zuletzt wat im Zuge der jüngsten Eskalation mit Israel die Flugabwehr im Zentraliran im Einsatz. Feindliche Ziele wurden in der Provinz Yazd abgewehrt, berichtete die Agentur Mehr. In den Bergen der Wüstenregion befinden sich mehrere Raketenstützpunkte. Nähere Details waren zunächst nicht bekannt.

Trump in der Zwickmühle

US-Präsident Trump hatte dem Nachrichtenportal “Axios” zufolge am Sonntag versucht, Israels Regierungschef Netanyahu von Gegenangriffen auf den Iran abzuhalten. “Ich werde Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll”, sagte Trump unter Verwendung des Spitznamens von Netanyahu laut dem “Axios”-Journalisten Barak Ravid, der eigenen Angaben zufolge mit Trump telefonierte. “Ich habe das Sagen”, betonte Trump in einem Interview mit der “Financial Times”. “Er hat nicht das Sagen”, fügte er mit Blick auf Netanyahu hinzu.

Der US-Präsident rief auch die Führung in Teheran zur Zurückhaltung auf. In einem Interview mit dem Sender Fox News sagte Trump an den Iran gerichtet: “Ihr habt eure Raketen abgefeuert, es reicht jetzt, kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen.”

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