US-Militär griff am Wochenende 300 Ziele an

Iran-Krieg eskaliert erneut – Iranischer Soldat getötet

Sonntag, 12. Juli 2026 | 19:30 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran eskaliert erneut. Beide Seiten griffen einander am Wochenende mit Raketen und Drohnen an. Nach Angaben Teherans wurde ein iranischer Soldat getötet. Der Marinesoldat sei einem Angriff auf den Hafen von Jask im Süden des Landes zum Opfer gefallen, meldeten die Nachrichtenagenturen Mehr und Tasnim am Sonntag unter Berufung auf einen Behördenvertreter. Am Abend gab es erneut Berichte über Angriffe.

Der Iran meldete Explosionen an der Südküste. Tasnim berichtete am Sonntagabend über Detonationen in der Hafenstadt Bandar Abbas und unweit der Insel Qeshm im Persischen Golf. Details zur Ursache der Explosionen gab es zunächst nicht. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA sprach von “feindlichen Angriffen” in Bandar Abbas, wo am Abend in einigen Stadtteilen aufeinanderfolgende Explosionen zu hören gewesen seien. Bei den Gebieten handle es sich um Militäreinrichtungen. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Mehr meldete unterdessen ein Todesopfer auf der Insel Qeshm. Dabei handle es sich um den Leiter der Telekommunikationsbehörde der Provinz Hormuzgan, der zu einem Reparatureinsatz auf die Insel entsandt worden war. Zwei weitere Mitarbeiter wurden laut Mehr verletzt. Es war zunächst unklar, wann der Mann genau ums Leben kam.

Einem Medienbericht zufolge griff das US-Militär Raketen- und Flugabwehrsysteme im Iran an. Zudem seien kleine Boote der iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormuz ins Visier genommen worden, berichtete das Nachrichtenportal “Axios”. Der Vermittler Pakistan rief Teheran und Washington zur Zurückhaltung auf.

Mehr als 300 Ziele attackiert

In den drei Nächten zuvor seien vom US-Militär insgesamt mehr als 300 Ziele ins Visier genommen worden, “um die Fähigkeit des Iran zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen”. Zuvor hatte der Iran die erneute Schließung der strategisch wichtigen Straße von Hormuz angekündigt. Die Meerenge bleibe bis zum “Ende der US-Einmischung in dieser Region” geschlossen, erklärten die iranischen Revolutionsgarden. Erneut wurden eine Reihe von Handelsschiffen angegriffen. Von US-Seite hieß es allerdings, die Straße von Hormuz sei geöffnet.

US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen das Ende der Waffenruhe erklärt, weil sich der Iran nicht an die Zusagen halte. Der Iran räumte einen Warnschuss auf ein Schiff ein, das auf einer nicht von Teheran genehmigten Route gefahren sei. Am Sonntag erklärte das Militär, ein zweites Schiff außer Gefecht gesetzt zu haben. Die iranischen Revolutionsgarden flogen zudem Angriffe auf US-Militärbasen in den Golfstaaten und Jordanien.

Indischer Staatsbürger wird vermisst – Neu-Delhi verurteilt Anschlag

Nach der Attacke auf das Containerschiff “GFS Galaxy” wird ein indischer Staatsbürger vermisst, wie das Außenministerium in Neu-Delhi mitteilte. “Von den elf indischen Staatsangehörigen an Bord konnten bisher zehn gerettet werden, während ein indischer Staatsangehöriger Berichten zufolge vermisst wird”, teilte das Ministerium mit. Indien verurteile den Anschlag. Der Iran hatte zuvor mitgeteilt, ein Schiff auf einer nicht genehmigten Route sei von einem Warnschuss getroffen worden.

Auf einem weiteren Containerschiff brach bei ein Brand aus. Die Besatzungsmitglieder hätten sich auf ein Rettungsschiff begeben, teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO am frühen Morgen mit. Die Crew sei dann gerettet worden. Die UKMTO berichtete zuvor, dass das Schiff östlich des Oman beschädigt wurde.

Vorwurf des Vertragsbruches

Der Iran warf den USA nach der bereits dritten Angriffswelle diese Woche Vertragsbruch vor. “Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis”, schrieb der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammad Baqer Qalibaf auf X. Auch das iranische Militär warf US-Präsident Donald Trump vor, Zusagen nicht einzuhalten. “Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormuz eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht”, sagte Militärsprecher Amir Akraminia laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.

Gemäß dem Rahmenabkommen liege die Verantwortung beim Iran, sagte Akraminia weiter. Teheran bemühe sich gemeinsam mit dem Golfstaat Oman, “eine gemeinsame Verständigung und gemeinsame Regelungen in der Region durchzusetzen”.

140 iranische Ziele getroffen

Die US-Angriffe erfolgten auf Anweisung von Trump, hieß es vom US-Militär. Sie hätten sich unter anderem gegen Raketen- und Drohnenabschussrampen, Waffenlager und Marineeinrichtungen gerichtet. Rund 140 militärische Ziele seien getroffen worden. Laut dem Nachrichtenportal “Axios” wurden iranische Ziele im Bereich der wichtigen Schifffahrtsroute angegriffen. Handelsschiffe könnten die Schifffahrtsroute weiter passieren, betonte das US-Militär.

Die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatte von Warnschüssen auf das unter zypriotischer Flagge fahrende Schiff gesprochen. Es habe die maritime Sicherheit in der Meerenge gefährdet, teilten die Revolutionsgarden über ihren Kanal Sepah News auf Telegram mit. Demnach hätten zuvor mehrere Schiffe versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen der Revolutionsgarden ignoriert, ihre Route zu korrigieren.

Alarm in Golfstaaten

Nach nächtlichen Angriffen des US-Militärs gegen den Iran herrschte in den frühen Morgenstunden in mehreren mit den USA verbündeten Golfstaaten und in Jordanien Alarm. In Jordanien schlugen nach Armeeangaben drei iranische Raketen ein. Es sei niemand verletzt worden, teilte das Militär mit. Entstanden sei nur ein geringer Sachschaden. In Kuwait war nach Armeeangaben die Luftabwehr im Einsatz. In Bahrain ertönten in den frühen Morgenstunden wieder die Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte.

Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten nach eigenen Angaben Raketenangriffe ab. Das Innenministerium von Katar teilte mit, drei Menschen seien durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden. Das katarische Transportministerium riet zudem zur vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs. Für alle Fahrten und andere “meeresbasierte Tätigkeiten” werde empfohlen, diese bis auf weiteres auszusetzen. Das betreffe auch Fischer- und Freizeitboote, Jetskis und “alle anderen Seefahrzeuge”. Der Oman meldete Drohnenangriffe nahe der Straße von Hormuz.

Gespräche enden ohne Durchbruch

Als Grund für die Vergeltungsschläge nannten die iranischen Revolutionsgarden angebliche Versuche der USA, dem Oman “seinen Willen aufzuzwingen”. Unter anderem hätten die USA mehrere Schiffe zur “illegalen Durchfahrt durch die südliche Straße von Hormuz” angestiftet. Die sei durch die Reaktion der iranischen Marine verhindert worden. Zudem hätten die USA Ziele entlang der Südküste des Iran angegriffen. Die “fortgesetzte Aggression” der USA werde zu “noch schärferen Reaktionen” führen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Der Iran und der Oman haben ihre Gespräche über die Straße von Hormuz indes ohne Durchbruch beendet. Beide Länder hätten beschlossen, die Gespräche auf politischer sowie technischer Ebene fortzusetzen, “um zu einer gemeinsamen Verständigung über die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt” in der Meerenge zu gelangen, hieß es in einer Erklärung des iranischen Außenministeriums.

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