Von: APA/Reuters/dpa
Der Iran hat die Straße von Hormuz für die Dauer der Waffenruhe im Libanon wieder für die Handelsschifffahrt freigegeben. Doch sollte die Seeblockade der USA andauern, werde der Iran dies als Verletzung der Waffenruhe betrachten und die Straße von Hormuz schließen, meldete die iranische Nachrichtenagentur FARS unter Berufung auf einen Regierungsvertreter. US-Präsident Donald Trump hält an seiner Seeblockade fest, bis die Verhandlungen mit Teheran abgeschlossen sind.
Der iranische Außenminister Abbas Araqchi hatte zuvor im Onlinenetzwerk X mitgeteilt, die Meerenge sei für den Rest der von den USA vermittelten zehntägigen Feuerpause für alle kommerziellen Schiffe geöffnet. Trump begrüßte den Schritt und schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social “Vielen Dank” in Großbuchstaben. Trump schrieb weiter, die US-Militärblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen ansteuern, bleibe in vollem Umfang in Kraft, bis ein Abkommen mit Teheran zu 100 Prozent abgeschlossen sei.
Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Durchfahrt erfolge auf festgelegten, vom Iran als sicher eingestuften Routen. Kriegsschiffe seien davon ausgenommen. Die Ölpreise sackten nach der Ankündigung drastisch ab, Aktienmärkte stiegen. Der Iran hatte seit Beginn der US-israelischen Angriffe am 28. Februar die Meerenge blockiert. Durch die Straße von Hormuz wird etwa ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert. Dies hat die Energiepreise in den vergangenen Wochen drastisch verteuert.
Trump will angereichertes Uran aus dem Iran holen
Die USA werden nach den Worten von Trump in “gemächlichem Tempo” in den Iran einrücken, um das dortige angereicherte Uran sicherzustellen und in die USA zu bringen. Dies sagte Trump in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er bekräftigte, der Iran werde im Rahmen eines möglichen Abkommens kein Geld erhalten. Gespräche mit dem Iran könnten am Wochenende stattfinden. Er glaube, dass ein Ende des Iran-Kriegs “bald” komme, betonte Trump in dem Interview.
Die Vereinigten Staaten würden Teherans Uran bekommen und es werde keine Geldtransfers in irgendeiner Form geben, schrieb Trump auch auf seiner Plattform Truth Social. Das hochangereicherte Uran, das sich sehr tief unter Irans Atomanlagen befinden soll, nannte Trump nicht direkt. Stattdessen sprach er von “nuklearem Staub” – einen Begriff, den er bereits häufiger für den iranischen Uran-Vorrat genutzt hat.
Das Nachrichtenportal “Axios” hatte zuvor über einen Plan zur Beendigung des Kriegs berichtet, über den die USA und der Iran aktuell verhandelten. Zur Diskussion stehe unter anderem, ob die USA eingefrorene Gelder des Irans in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar freigeben, schrieb das Portal unter Berufung auf zwei US-Beamte und weitere mit den Verhandlungen vertraute Personen. Im Gegenzug solle Teheran seinen Vorrat an hoch angereichertem Uran aufgeben, hieß es.
Trump: Seeminen sind weg
Die angeblich in der Straße von Hormuz verteilten iranischen Seeminen sollen nach Angaben von Trump allesamt geborgen worden sein – oder werden derzeit noch entfernt. “Der Iran hat mit Hilfe der USA alle Seeminen geräumt oder ist dabei, sie zu räumen!”, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Experten gehen von mehreren Dutzend Minen aus, die der Iran vor etwa einem Monat südlich der iranischen Gewässer verteilt haben soll – auch wenn Teheran einen solchen Einsatz nie bestätigt hat. Das Problem ist indes: “Weder die Iraner noch die USA – und auch sonst niemand – wissen derzeit genau, wo sich diese Minen befinden”, sagte Sicherheitsforscher Andreas Krieg vom Londoner King’s College dem Sender Al Jazeera.
Trump behauptete ferner, dass die NATO-Verbündeten nun – nach wochenlanger, zögerlicher Haltung – ihre Hilfe angeboten hätten. Konkrete Länder nannte er nicht. “Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich fernhalten, es sei denn, sie wollen ihre Schiffe nur mit Öl beladen”, schrieb Trump in Großbuchstaben auf Truth Social und wiederholte seine Kritik an den Bündnispartnern, die er als “nutzlos” bezeichnete.
EU fordert von Iran Verzicht auf Transitgebühren
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte den Iran unterdessen auf, Pläne für Transitgebühren in der Straße von Hormuz aufzugeben. Nach internationalem Recht müsse die Durchfahrt durch solche Wasserstraßen ermöglicht und kostenlos bleiben, erklärte Kallas auf der Plattform X. Ein Gebührenmodell würde einen gefährlichen Präzedenzfall für globale Seerouten schaffen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte die Ankündigung des Irans zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz begrüßt. Dies gehe in die richtige Richtung, sagte Macron am Freitag in Paris. Die jüngsten Entwicklungen seien ermutigend, auch wenn man weiterhin vorsichtig bleiben müsse. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte, die Öffnung müsse “zuverlässig” und “dauerhaft” sein. Die iranische Ankündigung sei eine gute Nachricht. “Aber dies muss in vollkommener Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht so ausgestaltet werden, dass es keinerlei Einschränkungen gibt”, fügte Merz hinzu. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres begrüßte die Öffnung der Straße als Schritt in die richtige Richtung.




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