Von: APA/dpa
Trotz geltender Waffenruhe hat Israels Armee nach einer Attacke bewaffneter Palästinenser auf israelische Soldaten Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen. Israels Militär habe Kommandanten der Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Jihad (PIJ) ins Visier genommen, teilte die Armee mit. Aus medizinischen Kreisen im Gazastreifen hieß es, mindestens neun Menschen seien bei den Angriffen Donnerstagabend ums Leben gekommen, darunter zwei Kommandanten.
Seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober 2025 hat es immer wieder tödliche Zwischenfälle im Gazastreifen gegeben. Umfangreiche Angriffe wie die jetzigen gibt es seitdem aber nur noch selten. Israel sprach von einer Reaktion auf einen “eklatanten Verstoß gegen das Waffenruhe-Abkommen”.
Bewaffnete griffen am Dienstag israelische Soldaten an
Bewaffnete hatten laut Israels Armee am Dienstag in einem von Israel kontrollierten Gebiet in Rafah im Süden des Küstenstreifens israelische Soldaten angegriffen. In solchen Fällen hatte Israels Armee bereits zuvor wieder größere Angriffe ausgeführt, sich danach aber wieder an die Waffenruhe gehalten. Inzwischen haben die israelischen Bombardements im Gazastreifen Einwohnern zufolge wieder aufgehört.
BBC: Israel verschob Gaza-Rückzugslinie – Israel dementiert
Die israelische Armee hat einem BBC-Bericht zufolge im Gazastreifen die sogenannte gelbe Linie ins Landesinnere verschoben und so das von ihr kontrollierte Gebiet vergrößert. Die Armee wies die Darstellung zurück. Die Rückzugslinie des Militärs ist größtenteils mit gelben Warnschildern markiert, sie darf von den palästinensischen Bewohnern nicht eigenmächtig überschritten werden. Sie wurde in der Vereinbarung über die Waffenruhe mit der islamistischen Hamas festgelegt.
Laut der britischen Rundfunkanstalt BBC zeigen Satellitenbilder, dass das Militär gelbe Betonblöcke zur Markierung versetzt hat, und zwar an insgesamt 16 Positionen. Im Schnitt seien die Markierungen fast 300 Meter tiefer in das Palästinensergebiet verlegt worden. Auch die Terrororganisation Hamas hatte Israel bereits vorgeworfen, sie habe die Linie verschoben. Israels Militär kontrolliert zurzeit etwas mehr als die Hälfte des im Gazakrieg stark zerstörten Küstengebiets.
Auch Gebäude zerstört
Laut dem BBC-Bericht zerstörten israelische Soldaten in einigen Fällen nach der Versetzung der Markierungen nahe gelegene Gebäude. Israels Militär teilte mit, Einsatzkräfte zerstörten das Tunnelnetz der Hamas, das sich auch unter ziviler Infrastruktur befinde. Der Abriss der Tunnel könne auf beiden Seiten der Linie dazu führen, dass Gebäude einstürzten. Israels Armee wies auch die Darstellung der BBC zurück, dass Fahrzeuge des Militärs wiederholt jenseits der sogenannten gelben Linie unterwegs seien.
Dem Bericht zufolge sind auch nach gut drei Monaten Waffenruhe noch immer einige Abschnitte der Linie nicht markiert. Für die Bewohner sei es dort schwer zu erkennen, welche Gebiete für sie gefährlich seien. Die israelische Armee sagte, sie markiere die Linie “entsprechend der Lage vor Ort und der laufenden Lagebeurteilung”. Das Militär informiere zudem die Bevölkerung über den Verlauf der Linie, “um Spannungen zu reduzieren und Missverständnisse zu vermeiden”, hieß es in einer Stellungnahme. Immer wieder greift das Militär Personen an, die das von ihr kontrollierte Gebiet betreten.
Israelische Armee tötet 14-Jährigen nahe Ramallah
Im Westjordanland tötete Israels Armee einen palästinensischen Jugendlichen, der nach ihren Angaben trotz Warnschüssen mit einem Stein in der Hand auf Soldaten zugelaufen ist. Er habe “eine unmittelbare Bedrohung” für die Einsatzkräfte dargestellt, teilte das israelische Militär mit. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium in Ramallah war der Getötete 14 Jahre alt.
Palästinensische Einwohner teilten auf einer Website ihres Dorfes mit, dass israelische Einsatzkräfte ohne Anlass auf den Buben in ihrem Heimatort geschossen hätten. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete über Zusammenstöße zwischen Dorfbewohnern und israelischen Einsatzkräften. Letztere hätten Schüsse abgefeuert und den Burschen dabei getötet. Demnach waren zuvor radikale israelische Siedler in ein Gebiet südlich des Dorfes, das in der Nähe der Stadt Ramallah liegt, gedrungen. Die Siedler sollen dabei laut WAFA auch auf Einwohner und deren Eigentum geschossen haben.
Israels Armee teilte mit, Palästinenser hätten zunächst in der Gegend Steine auf israelische Siedler geworfen, Reifen in Brand gesetzt und Zufahrtswege blockiert. Eine Militärsprecherin sagte auf Anfrage, dieser Vorfall habe sich außerhalb des palästinensischen Dorfes ereignet. Soldaten seien deshalb in die Gegend gekommen. Bei ihrer Ankunft hätten Dutzende Palästinenser Steine geworfen. Israels Einsatzkräfte suchen Militärangaben zufolge derzeit noch nach an dem Vorfall Beteiligten.




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