Amoklauf in der Tumbler Ridge Secondary School

Kanada: Polizei identifiziert 18-jährige Amokläuferin

Donnerstag, 12. Februar 2026 | 04:20 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Bei einem Amoklauf im Westen Kanadas hat eine 18-Jährige acht Menschen getötet und anschließend Suizid begangen. Die Täterin habe zunächst ihre Mutter und ihren Stiefbruder zu Hause getötet, bevor sie am Dienstag ihre ehemalige Schule in der abgelegenen Gemeinde Tumbler Ridge angegriffen habe, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Ein Motiv für eine der schlimmsten Gewalttaten in der kanadischen Geschichte sei noch unklar.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Todesopfer einschließlich der Täterin von ursprünglich zehn auf neun. Der Polizei zufolge waren bei der 18-jährigen Täterin psychische Probleme bekannt. Sie sei in der Vergangenheit mehrfach wegen ihres Geisteszustands in Gewahrsam genommen worden.

Die Täterin, die männlich geboren wurde, aber seit sechs Jahren als Frau lebte, tötete demnach zunächst ihre 39-jährige Mutter und ihren elfjährigen Stiefbruder. Anschließend erschoss sie in der Schule eine 39-jährige Lehrerin sowie fünf Schüler im Alter von zwölf und 13 Jahren. Zwei Schwerverletzte im Alter von zwölf und 19 Jahren werden noch im Krankenhaus behandelt. Polizisten, die zwei Minuten nach dem Notruf am Tatort eintrafen, wurden sofort beschossen, bevor sie die Täterin tot auffanden.

“Surreale Szenerie”

Ein Schüler berichtete dem Sender CBC: “Wir haben Tische genommen und die Türen verbarrikadiert.” Die Szenerie am Tatort habe “fast surreal” gewirkt. “Es fühlte sich an, als wäre ich an einem Ort, den ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte.”

Die kleine Gemeinde und mit ihr das ganze Land stehen seither unter Schock. Bei der Bekanntgabe weiterer Ermittlungsergebnisse gehe es nun vor allem darum, sensibel gegenüber denen zu handeln, die geliebte Menschen verloren hätten, erklärte die Polizei. Über das Motiv hinter der Tat ist weiterhin nichts bekannt. Die Beziehung zwischen der tatverdächtigen Teenagerin und den Opfern sei Teil der Ermittlung, so die Polizei.

Zur Identität der Verdächtigen sagte der Beamte: “Wir identifizieren die tatverdächtige Person so, wie sie sich selbst öffentlich und in den sozialen Medien identifiziert hat.” Er könne aber sagen, dass die Täterin bei der Geburt als männlich registriert worden sei. Derzeit habe die Polizei keine Informationen darüber, ob die Verdächtige Mobbing und andere Diskriminierung an der Schule erlebt habe. Sie habe vor vier Jahren die Schule abgebrochen.

Landesweit Schock und Trauer

Die Tat löste landesweit Schock und Trauer aus. Amokläufe an Schulen sind in Kanada im Gegensatz zu den USA äußerst selten. Premierminister Mark Carney zeigte sich sichtlich erschüttert. Die Gemeinde stehe für das Beste in Kanada, sagte er nach einer Schweigeminute im Parlament. Carney sagte eine Europareise ab und ordnete eine siebentägige Trauerbeflaggung an. Auch der britische König Charles, das Staatsoberhaupt Kanadas, zeigte sich tief schockiert und traurig.

Kanada hat strengere Waffengesetze als die USA, der Besitz von Schusswaffen ist jedoch mit einer Lizenz möglich. Die Waffenlizenz der Täterin war 2024 abgelaufen. Die Polizei hatte vor etwa zwei Jahren Schusswaffen aus dem Haus der Familie beschlagnahmt, diese aber nach einem erfolgreichen Widerspruch des Besitzers zurückgegeben. Am Tatort wurden ein Gewehr und eine modifizierte Handfeuerwaffe sichergestellt.

Der Amoklauf ist einer der tödlichsten in der Geschichte Kanadas. Im April 2020 tötete ein Mann in der Provinz Nova Scotia 22 Menschen. Im Dezember 1989 erschoss ein Täter an der École Polytechnique in Montreal 14 Studentinnen.

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