Enorme Zerstörungen in Charkiw

Kiew: Russland greift mit hunderten Drohnen und Raketen an

Freitag, 03. April 2026 | 15:19 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Russland hat die Ukraine am Freitag am helllichten Tage mit massiven Luftangriffen überzogen und dabei mindestens sechs Menschen getötet. “Hunderte Shahed-Kampfdrohnen und Dutzende Raketen gegen unsere Städte und Gemeinden”, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Netzwerken nach einem Telefonat mit Papst Leo XIV. Selenskyj erklärte, so sehe die russische Antwort auf sein Angebot zu einer Waffenruhe über Ostern aus.

Allerdings feiern die Kirchen in der Ukraine wie in Russland Ostern nach orthodoxem Kalender erst kommende Woche am 12. April. Die Ukraine wirft Russland vor, nicht ernsthaft an Frieden interessiert zu sein. Die von den USA vermittelten Gespräche zwischen den beiden Kriegsparteien sind ins Stocken geraten, da die USA mit dem Iran-Krieg beschäftigt sind.

Hauptstadt Kiew und Umgebung massiv angegriffen

Die Hauptstadt Kiew und ihre Umgebung seien “erneut einem massiven Raketen- und Drohnenangriff des Feindes ausgesetzt”, teilte auch der Gouverneur der Region, Mykola Kalaschnyk, am Freitag mit. Bei den Angriffen habe es ein Todesopfer gegeben, mindestens acht weitere seien verletzt worden. Bei einem Angriff auf eine Tierarztklinik seien zudem rund 20 Tiere getötet worden, fügte Kalaschnyk hinzu.

Bei Angriffen auf die nordukrainische Region Sumy wurden örtlichen Behörden zufolge zudem drei Menschen getötet. Jeweils ein weiterer Mensch sei in der nordwestlichen Region Schytomyr und im nordöstlichen Charkiw getötet worden.

Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische Militär über Nacht und tagsüber mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs ein. Demnach wurde der Großteil der Flugkörper rechtzeitig abgefangen. Dennoch habe es an 20 Orten Einschläge gegeben. Als Vorsichtsmaßnahme ließ die polnische Armee zudem einer Mitteilung zufolge eigene Abfangjäger aufsteigen. Verletzungen des polnischen Luftraums habe es jedoch nicht gegeben.

Ukrainische Großstadt Charkiw unter Dauerbeschuss

Die ostukrainische Großstadt Charkiw nahe der Grenze zu Russland wird nach Behördenangaben seit mehr als einem Tag von ständigen russischen Luftangriffen überzogen. In der Nacht auf Freitag habe es vier Raketenangriffe gegeben, schrieb der Militärgouverneur des Gebietes Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Auch Drohnen wurden eingesetzt. Die Polizei berichtete morgens von fünf Verletzten und Schäden an Wohnhäusern und Bürogebäuden.

Karfreitag ist nach Zählung des ukrainischen Generalstabs der 1.500. Tag der groß angelegten russischen Invasion. Kremlchef Wladimir Putin hatte seine Truppen am 24. Februar 2022 in das Nachbarland einmarschieren lassen.

Ukrainische Drohnen über Russland

Auf russischer Seite teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, in der Nacht auf Freitag seien 192 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Zu Treffern wurde nichts bekannt. Die Flugbahn der ukrainischen Angriffe ließ darauf schließen, dass die russischen Ölexporthäfen am Finnischen Meerbusen bei St. Petersburg erneut ein Ziel waren.

Russischer Kampfjet auf der Krim abgestürzt

Ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-30 stürzte nach Moskauer Angaben bei einem Übungsflug auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim ab. Die Besatzung habe sich mit dem Schleudersitz retten können, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Nach diesen Angaben habe die Maschine keine Munition an Bord gehabt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax.

Auf der Krim hat Russland mehrere Luftwaffenstützpunkte, auf denen ukrainische Angriffe bereits Flugzeuge wie auch Flugabwehranlagen getroffen haben. Die Su-30 ist ein zweisitziges Mehrkampfflugzeug, dessen Entwicklung noch in der Sowjetunion begann.

Russische Einnahmen aus Öl und Gas brechen im März um 43 Prozent ein

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff muss die russische Ölraffinerie Nowo-Ufimsk Insidern zufolge eine ihrer größten Rohöldestillationsanlagen abschalten. Der Angriff habe ein Feuer an der Anlage ausgelöst, die für etwa 28 Prozent der Gesamtkapazität der Raffinerie stehe, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen. Der Gouverneur der Republik Baschkortostan, Radij Chabirow, teilte mit, mehrere ukrainische Drohnen seien in der Nähe von Ölraffinerien in der Stadt Ufa abgeschossen worden. Trümmerteile seien in ein Industriegebiet gefallen. Den Namen der betroffenen Raffinerie nannte er nicht. Der Eigentümer der Anlage, Rosneft, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die russischen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft fallen indes im März im Jahresvergleich um 43 Prozent auf 617 Milliarden Rubel (6,67 Mrd. Euro). Dies geht aus Daten des Finanzministeriums hervor, die den Rückgang mit niedrigeren Ölpreisen und einem stärkeren Rubel begründen. Gegenüber dem Vormonat steigen die Einnahmen jedoch an. Da die Zahlen auf der Produktion im Februar basieren und damit vor dem durch den US-israelischen Krieg im Iran ausgelösten Ölpreisanstieg liegen, wird ab April wieder mit wachsenden Erlösen gerechnet. Die Einnahmen sind entscheidend für den russischen Staatshaushalt, der angesichts hoher Militärausgaben ein massives Defizit aufweist.

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