Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Nach einer begrenzten Waffenruhe hat Russland die Energieinfrastruktur der Ukraine erneut massiv angegriffen. Moskau habe ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen gegen Hochhäuser und Heizkraftwerke eingesetzt, schrieb Energieminister Denys Schmyhal bei Telegram. Er sprach vom “Versuch eines winterlichen Völkermords”. Es habe sich ausschließlich um zivile Ziele gehandelt. Hunderttausende Familien seien gezielt in strengster winterlicher Kälte zurückgelassen worden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Angriffe scharf. Es sei Moskau wichtiger, die kältesten Wintertage für Terror gegen die Bevölkerung zu nutzen, als auf Diplomatie zu setzen, schrieb er auf Telegram. “Moskau entscheidet sich derzeit für Terror und Eskalation.”
Russland griff mit 450 Drohnen und mehr als 60 Raketen an
Trotz der angekündigten Friedensverhandlungen wurden die ukrainische Hauptstadt Kiew und die zweitgrößte Stadt Charkiw in der Nacht erneut zum Ziel russischer Raketen und Drohnen. Das russische Militär griff mit 450 Drohnen an, mehr als 60 Raketen seien abgefeuert worden, teilte Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X mit. Der russische Präsident Wladimir Putin habe auf sinkende Temperaturen gewartet, um das ukrainische Energiesystem anzugreifen, erklärte er.
“Weder die erwarteten diplomatischen Bemühungen in Abu Dhabi in dieser Woche noch seine Versprechen gegenüber den Vereinigten Staaten haben ihn davon abgehalten, den Terror gegen die Zivilbevölkerung im härtesten Winter fortzusetzen”, schrieb Sybiha. In Kiew sind Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge 1170 Wohngebäude ohne Heizung. Es seien auch mehrere Wohngebäude in Kiew getroffen worden. Zudem sei ein Kindergarten in Brand geraten, teilte Klitschko mit. Zwei Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden.
Monumentales Weltkriegs-Denkmal in Kiew beschädigt
Die Kulturministerin des Landes, Tetjana Bereschna, teilte mit, dass bei den jüngsten russischen Angriffen auch ein monumentales Weltkriegs-Mahnmal in Kiew beschädigt wurde. Der Angriff auf die 62 Meter hohe “Mutter-Heimat”-Statue sei “symbolisch und zynisch”, erklärte Bereschna in Onlinediensten.
Die Statue war 1981 zur Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg eingeweiht worden. 2023 wurden Hammer und Sichel von der kolossalen Statue entfernt als Teil einer Kampagne, Sowjetsymbole und russische Kultur aus dem öffentlichen Raum der Ukraine zu verbannen. Russlands Invasion im Februar 2022 hatte diesen Prozess beschleunigt.
Die Großstadt Charkiw im Osten des Landes wurde in der Nacht nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow von mindestens zwei Raketen getroffen. Zudem habe es einen “Massenangriff” mit Kampfdrohnen gegeben. Auch Gouverneur Oleh Synjehubow berichtete von russischen Angriffen. “Erneute feindliche Angriffe auf Charkiw und die Vororte. Es sind Explosionen zu hören”, schrieb er auf Telegram. Auch aus Saporischschja und Dnipro wurden russische Drohnenangriffe gemeldet.
Begrenzte Feuerpause auf Energieanlagen dürfte vorbei sein
Russland führt seit vier Jahren Krieg in der Ukraine. Systematisch hat das russische Militär dabei auch Kraft- und Umspannwerke außer Gefecht gesetzt. Die Ukraine ist in diesem Winter damit in die schwerste Energiekrise seit Kriegsbeginn geraten – bei starkem Frost.
In der vergangenen Woche hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass Kremlchef Wladimir Putin auf seine Bitte zugesagt habe, die Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine zu pausieren. Moskau bestätigte dies zunächst. Auch laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Zahl der russischen Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine zurückgegangen. Zwar seien in frontnahen Gebieten erneut Infrastrukturobjekte durch Beschuss getroffen worden, darunter auch lokale Energieerzeuger. Doch habe es im Tagesverlauf keine Angriffe mit Raketen und Shahed-Kampfdrohnen gegeben, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die jüngsten Angriffe deuten jedoch darauf hin, dass diese begrenzte Feuerpause inzwischen beendet ist.
Tote in Donezk und Saporischschja
Im Gebiet Donezk seien beim Einschlag einer Bombe auf ein Haus in der frontnahen Stadt Oleksijewo-Druschkiwka ein Vater und sein volljähriger Sohn ums Leben gekommen, teilte Gouverneur Wadim Filaschkin mit. Die Mutter, ihre 16 Jahre alte Tochter und ihr 11-jähriger Sohn wurden demnach verletzt.
Eine 38 Jahre alte Frau wurde Gouverneur Iwan Fedorow zufolge bei einem Drohnenangriff nahe der Großstadt Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet. Eine 59-Jährige sei verletzt worden, teilte er mit.
Vertreter Russlands und der Ukraine wollten sich am Mittwoch und Donnerstag in Abu Dhabi zu einer neuen Verhandlungsrunde über ein mögliches Kriegsende treffen.




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