Von: mk
Bozen – Der Landesbeirat für Chancengleichheit der Frauen verfolgt die Debatte rund um die für alle Frauen offene Schwimmstunde im Schwimmbad Salurn mit Sorge.
„Wieder einmal wird der Körper von Frauen zum Gegenstand von Bewertungen, Reglementierungen und politischen Auseinandersetzungen. Die Umstände mögen sich ändern, die Argumente ebenfalls – das Grundmuster bleibt jedoch dasselbe: Immer gibt es jemanden, der glaubt, bestimmen zu können, was der ‚richtige‘ Weg ist, eine Frau zu sein“, erklären Beiratspräsidentin Ulrike Oberhammer und ihre Stellvertreterin Nadia Mazzardis.
Es sei unbestritten, dass es Kulturen gebe, in denen der Weg zur Gleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen noch schwieriger als in unserer Gesellschaft sei. „Gerade deshalb sind wir überzeugt, dass dieser Weg durch Inklusion, Dialog und eine schrittweise Teilhabe am gesellschaftlichen Leben begleitet werden muss – nicht durch Konfrontation oder öffentliche Stigmatisierung“, so Oberhammer und Mazzardis.
Für manche Frauen könne eine Schwimmstunde ausschließlich unter Frauen einen ersten Schritt darstellen, um ein besonders abgeschottetes familiäres Umfeld zu verlassen, soziale Kontakte aufzubauen, mehr Selbstständigkeit zu gewinnen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
„Wird diese Möglichkeit jedoch zum Gegenstand einer öffentlichen Kontroverse gemacht, besteht die Gefahr, dass genau das Gegenteil erreicht wird: Die betroffenen Frauen werden gesellschaftlicher Bewertung ausgesetzt und in vielen Fällen davon abgehalten oder sogar daran gehindert, dieses Angebot überhaupt wahrzunehmen“, warnen Oberhammer und Mazzardis.
Die Geschichte zeige, dass auch in unserer Gesellschaft Frauen ihre Freiheit Schritt für Schritt hätten erkämpfen müssen. „Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Frauen bestraft, weil sie einen Bikini trugen – heute erscheint uns das unvorstellbar. Gerade das sollte uns bewusst machen, dass kultureller Wandel nicht durch Verbote oder polarisierende Kampagnen entsteht“, erklärt der Landesbeirat.
Echte Emanzipation verwirkliche sich vor allem durch wirtschaftliche Unabhängigkeit, Erwerbstätigkeit, Bildung und die Möglichkeit, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. „Auch heute leben viele Frauen weiterhin in wirtschaftlicher Abhängigkeit oder stehen vor erheblichen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und familiären Sorgeaufgaben“, so Oberhammer und Mazzardis.
Obwohl Südtirol insgesamt eine hohe Beschäftigungsquote aufweise, besteht nach wie vor ein deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern: Bei den 20- bis 64-Jährigen sind 74,3 Prozent der Frauen, aber 85,5 Prozent der Männer erwerbstätig – eine Differenz von mehr als elf Prozentpunkten. !Deshalb sind wir der Auffassung, dass die eigentlichen Prioritäten darin liegen müssen, Bildungs- und Betreuungsangebote auszubauen, mehr Plätze in Kitas zu schaffen, Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken, die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen zu fördern und wirtschaftliche Gewalt wirksam zu bekämpfen“, heißt es vom Landesbeirat.
Nur so entstünden die Voraussetzungen dafür, dass jede Frau ihren eigenen Lebensweg selbstbestimmt wählen kann. „Die Freiheit von Frauen wird nicht dadurch verteidigt, dass andere darüber entscheiden, wie sie sich kleiden sollen. Sie wird dadurch verteidigt, dass Frauen die Möglichkeit erhalten, selbst zu entscheiden“, erklären Oberhammer und Mazzardis.
Der Landesbeirat für Chancengleichheit der Frauen werde sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, politische Maßnahmen zu fördern, die Autonomie, Teilhabe und die Rechte aller Frauen stärken – unabhängig von ihrer Herkunft, Kultur oder persönlichen Überzeugung.




Aktuell sind 11 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen