Irans Führer wurde laut Netanyahu wahrscheinich getötet

Laut Netanyahu Hinweise auf Tod von Khamenei nach Angriffen

Samstag, 28. Februar 2026 | 20:45 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP/dpa

Nach den massiven israelisch-amerikanischen Luftangriffen auf den Iran gibt es laut Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu viele Hinweise, dass Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei “nicht mehr ist”. Man habe Khameneis Anwesen zerstört, sagt Netanyahu am Samstag. US-Präsident Donald Trump rief zuvor die Iraner auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Bei den Angriffen wurden laut dem iranischen Roten Halbmond mindestens 201 Menschen getötet.

Laut Berichten sind auch der iranische Verteidigungsminister und der Chef der Revolutionsgarden tot. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte. Netanyahu erklärt weiter, es seien bei den Angriffen Kommandanten der Revolutionsgarden und hochrangige Verantwortliche des iranischen Atomprogramms getötet worden. Er rief die iranische Bevölkerung dazu auf, auf die Straßen zu strömen und “die Sache zu Ende zu bringen”.

Es handle sich um einen Präventivschlag, erklärte Israel. Trump teilte mit, die USA hätten mit der Militäraktion “Operation Epic Fury” (Operation gewaltige Wut) gegen den Iran begonnen. Den USA zufolge dürfte der Militäreinsatz mehrere Tage andauern. “Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir die unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen”, sagte Trump. Zugleich rief Trump alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen. Sie würden dann “absolute Immunität” erhalten, andernfalls drohe ihnen der “sichere Tod”. Der iranischen Bevölkerung stellte Trump “Freiheit” in Aussicht – und rief die Menschen auf, die Regierung in Teheran zu stürzen. “Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung”, wandte er sich an das 90-Millionen-Volk. Dem Iran dürfte es niemals gestattet werden, Atomwaffen zu besitzen, erklärte Netanyahu.

Israels Generalstabschef: greifen Hunderte Ziele im Iran an

“In diesem Moment greifen israelische Luftwaffenpiloten unter erheblichem persönlichen Risiko und in Abstimmung mit US-amerikanischen Angriffen Hunderte Ziele im Iran an”, sagte Israels Generalstabschef Eyal Zamir einer Mitteilung zufolge. In einer weiteren Mitteilung des Militärs hieß es, rund 200 Kampfjets seien eingesetzt worden. Es handle sich um den größten Einsatz dieser Art in der Geschichte der israelischen Luftwaffe, hieß es weiter.

Unter den Zielen iranischer Gegenangriffe war der Militärstützpunkt Al-Udeid in Katar, der Stützpunkt Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die US-Flotte in Bahrain, wie die iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete. “Die Standorte, von denen aus die zionistischen und US-Operationen erfolgten, sowie die Standorte aller Aktionen gegen die Verteidigungsoperationen des Iran gelten als legitime Ziele” der iranischen Streitkräfte, sagte der iranische Außenminister Abbas Araqchi am Samstag im iranischen Staatsfernsehen.

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben keine Verluste erlitten. Es gebe weder Meldungen über US-Opfer noch über kampfbedingte Verletzungen. Zudem seien Schäden an US-Einrichtungen minimal und hätten die laufenden Einsätze nicht beeinträchtigt, teilt das US-Zentralkommando (Centcom) mit.

Explosion auf bekannter künstlicher Inselgruppe in Dubai

Nach den US-israelischen Angriffen hat es auch auf der bekannten künstlichen Inselgruppe The Palm in Dubai Augenzeugen zufolge eine Explosion gegeben. Die örtlichen Behörden bestätigten am Samstag einen “Vorfall” und ein Feuer in dem Gebiet. Dabei seien vier Menschen verletzt worden.

Die kuwaitischen Streitkräfte haben nach Angaben der Regierung mehrere ballistische Raketen abgefangen, die auf den US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in dem Golfstaat abgefeuert wurden. Das Verteidigungsministerium in Katar teilte mit, man habe eine Reihe von Angriffen auf das eigene Territorium erfolgreich abgewehrt. Die Lage sei unter Kontrolle. Die staatliche Nachrichtenagentur in Bahrain berichtete, ein Versorgungszentrum der US-Marine sei mit Raketen angegriffen worden. Auf Videos war ein großes Feuer in einem Hafengelände zu sehen. Ab Sonntag bleiben alle Schulen und Universitäten in Bahrain geschlossen. Bis auf weiteres wird es nur Fernunterricht geben. Bahrain beherbergt die fünfte Flotte der US-Seestreitkräfte.

Auch das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate teilte der Staatsagentur WAM zufolge mit, man habe mehrere iranische Raketen abgefangen. Dabei seien Trümmer in einer Wohngegend der Metropole Abu Dhabi niedergegangen, wodurch ein “asiatischer” Staatsbürger durch herunterfallende Raketenteile getötet worden sei. Die kuwaitischen Streitkräfte fingen nach Angaben der Regierung mehrere ballistische Raketen ab, die auf den US-Luftwaffenstützpunkt Al-Salem abgefeuert wurden.

Saudi-Arabien bestätigt Angriffe durch Iran

Saudi-Arabien bestätigte am Samstagnachmittag iranische Angriffe auf sein Territorium. Die Angriffe hätten sich gegen die Hauptstadt Riad und die Ostprovinz des Königreichs gerichtet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Auf die Angriffe sei reagiert worden, heißt es weiter, ohne dass Details genannt wurden.

Jordaniens Staatsagentur Petra berichtete unter Berufung auf Militärkreise, dass die Streitkräfte des Landes zwei ballistische Raketen abgefangen hätten. Diese hätten auf jordanisches Gebiet gezielt. Die jordanische Luftabwehr habe beide Raketen erfolgreich abgefangen.

Die US-geführte Koalition im Irak fing mehrere Drohnen und Raketen über der Stadt Erbil im Norden des Landes ab. Wie kurdische Sicherheitskräfte weiter berichteten, waren die Drohnen mit Sprengstoff beladen. Verletzte oder Schäden gab es nicht.

Nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran wurde auch im Irak ein Stützpunkt pro-iranischer Gruppen bombardiert. Dabei seien zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt worden, verlautete aus Kreisen der pro-iranischen paramilitärischen Kata’ib Hezbollah. Laut den irakischen Volksmobilmachungskräften, einer Dachorganisation aus 40 fast ausschließlich schiitischen Milizen, die die Opferzahl bestätigten, war es unklar, ob es sich um einen Angriff der USA oder Israels handelte.

Insider: Irans Verteidigungsminister sowie Kommandant getötet

Bei den Angriffen auf den Iran wurde Insidern zufolge der iranische Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh und der Kommandant der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour, getötet worden. Dies sagen drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Irans Außenminister Araqchi sagte dem US-Sender NBC indes, alle hochrangigen Vertreter des Landes seien am Leben.

Die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels zielten israelischen Medienberichten zufolge auch auf das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ab. Khamenei wurde laut einem iranischen Regierungsvertreter an einen sicheren Ort gebracht. Staatliche iranische Medien berichteten, Präsident Pezeshkian sei “sicher und wohlauf”. Auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf, der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Larijani, sowie Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Eje’i seien am Leben.

Berichten zufolge wurde der Amtssitz von Staatsoberhaupt Khamenei bombardiert. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als “Beyt” bekannten Hochsicherheitsbereichs in der Hauptstadt Teheran. Auch Bewohner in Teheran berichteten davon. Aus mehreren iranischen Städten wurden am Samstag Explosionen gemeldet, so etwa aus Teheran, Isfahan, Qom, Karaj, Kermanshah und Shiraz.

Die iranischen Behörden forderten indes die Bewohner von Teheran per SMS zum Verlassen der Hauptstadt auf. In Teheran bildeten sich lange Schlangen an den Tankstellen. Massen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Geschäfte waren vielerorts geschlossen. Im Norden der lebendigen Metropole herrschte gespenstische Stille. Teheran ist Ziel mehrerer Angriffswellen.

Iran: 85 Schülerinnen bei Raketenangriff getötet

Bei einem Raketenangriff im Süden Irans sind nach iranischen Angaben mindestens 85 Schülerinnen ums Leben gekommen. Getroffen worden sei eine Volksschule für Mädchen in der Provinz Hormozgan, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Mehr als weitere 90 Schülerinnen seien verletzt worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. In der Provinz Hormozgan liegen mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte.

Laut dem Nachrichtenportal “ynet” wurde ein Haus in Bnei Brak bei Tel Aviv getroffen. Dabei seien auch Menschen zu Schaden gekommen. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Nach einem anderen Bericht wurde auch ein Haus in dem Ort Rosh HaAyin getroffen. Der Rettungsdienst Magen David Adom berichtete, Einsatzkräfte seien unterwegs zu möglichen Einschlagsorten. Für den neuen Krieg mit dem Iran will Israel rund 70.000 Reservisten einberufen.

In der syrischen Stadt Suwaida im Süden seien Trümmer auf ein Wohngebäude gefallen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Fünf Zivilisten, darunter ein Kind, seien getötet worden. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete zunächst von vier Todesopfern unter Berufung auf die örtliche Gesundheitsbehörde.

Angriff inmitten von Verhandlungen

Die Angriffe erfolgten inmitten neuer Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über das umstrittene iranische Atomprogramm verhandelt, ehe Israel und die USA den Iran angriffen. Die Staatsführung des Iran betonte zuletzt ihre Bereitschaft zu einem Abkommen wie auch zu einer militärischen Eskalation.

Irans Außenminister Araqchi hält ein Abkommen zur Garantie eines friedlichen Atomprogramms indes weiterhin für möglich. Teheran werde jedoch nicht auf seine Rechte verzichten, einschließlich der Uran-Anreicherung, sagte er am Samstag. Mit Blick auf die US-Angriffe räumte er den Verlust von “einem oder zwei Kommandeuren” ein. Fast alle Regierungsvertreter seien jedoch in Sicherheit. Zudem sagte er, der Iran verfüge nicht über militärische Mittel, das US-Festland direkt anzugreifen.

Großbritannien beteiligt sich an einem defensiven Militäreinsatz im Nahen Osten, sagte der britische Premierminister Keir Starmer in einer Erklärung zu den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran. Sein Land habe bei den Angriffen keine Rolle gespielt, betonte der Labour-Politiker.

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