Von: mk
Neumarkt – Am Mittwoch, den 10. Juni 2026, wurde der Südtirol-Aktivist, Historiker und Ehrenkranzträger des Südtiroler Schützenbundes, Dr. Josef „Pepi“ Fontana, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und begleitet von zahlreichen Schützen und Marketenderinnen zur letzten Ruhe im Herrn geleitet.
Der Trauergottesdienst fand in der Kapuzinerkirche von Neumarkt statt und wurde von Dekan Christoph Schweigl zelebriert. Landeskommandant Christoph Schmid, Ehrenlandeskommandant Elmar Thaler sowie die Ehrenmajore Robert Ventir und Franzjosef Roner erwiesen dem Verstorbenen die Ehre und stellten die Sargwache.
Aus dem Hohen Haus der Politik nahmen Landesrat Luis Walcher sowie die Landtagsabgeordneten Harald Stauder, Andreas Leiter Reber, Sven Knoll, Hannes Rabensteiner, Franz Ploner und Jürgen Wirth Anderlan teil.
In der Kapuzinerkirche zeichnete Martha Stocker das Leben und Wirken Josef Fontanas nach. Sie würdigte ihn als einen Menschen, der der Heimat „im tiefsten Sinne der Bedeutung“ verbunden gewesen sei – nicht sentimental, sondern im Bewusstsein, dass Heimat und Menschen Einsatz und Verantwortung brauchen. Fontana sei geprägt gewesen von einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden, von Unbestechlichkeit in der Suche nach Wahrheit, von akribischem Dokumentieren, großem kulturellen Interesse und einem enormen Wissen, das er stets leise und ohne Aufhebens weitergegeben habe.
Stocker erinnerte daran, dass Josef Fontana ein „Kind der Zeit und der Umstände“ gewesen sei – geprägt von der Ungerechtigkeit, die Südtirol und seinen Menschen widerfahren war. Er habe zu jenen gehört, die in der schweren Zeit Südtirols Verantwortung übernommen hätten, um auf schreiende Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Dabei sei er einer der klarsten Vertreter der Linie Sepp Kerschbaumers gewesen, der stets die Maxime ausgegeben hatte, kein Menschenleben zu gefährden.
Auch auf den hohen persönlichen Preis, den Josef Fontana für seinen Einsatz bezahlt hatte, ging Martha Stocker ein. Fast acht Jahre verbrachte er im Gefängnis. Diese Zeit nutzte er nicht nur zur Vorbereitung auf die Externisten-Matura, sondern auch zur intensiven Beschäftigung mit europäischer Geschichte, Kultur- und Geistesgeschichte, Literatur und Malerei. Später studierte er Geschichte, Germanistik und Philosophie und promovierte mit seinem umfassenden Werk über den Kulturkampf in Tirol, das zu einem Standardwerk der tirolischen Geschichtsschreibung wurde.
Besonders hervorgehoben wurde auch Fontanas jahrzehntelanges Wirken im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Als Generalsekretär des Südtiroler Kulturinstituts von 1985 bis 1999 widmete er sich in vielfältiger Weise der Kulturarbeit. Daneben entstanden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, darunter bedeutende Werke zur Geschichte Tirols, zu seiner Heimatgemeinde Neumarkt und zum Unterland, zur Geschichte des italienischen Nationalismus sowie zur Person Sepp Kerschbaumers. Bis zuletzt arbeitete Fontana mit großer Akribie an historischen Themen, insbesondere an seinem unvollendeten Werk über die sogenannten Wienerkinder nach dem Ersten Weltkrieg.
Nach dem Trauergottesdienst bewegte sich die Trauergemeinde zum Friedhof von Neumarkt, wo Dekan Christoph Schweigl die Einsegnung vornahm.
Am offenen Grab ergriff Landeskommandant Christoph Schmid das Wort. In seiner Grabrede würdigte er Dr. Josef „Pepi“ Fontana als einen Menschen, der sein Leben in besonderer Weise in den Dienst seiner Heimat gestellt habe. Fontana sei Historiker, Forscher, Chronist und Zeitzeuge gewesen – aber mehr noch: ein Südtiroler, der gewusst habe, woher er komme und was seinem Land widerfahren sei.
Schmid erinnerte daran, dass Josef Fontana jener Generation angehörte, die Unterdrückung, Entnationalisierung und Italianisierung nicht nur aus Büchern kannte, sondern aus dem eigenen Erleben und aus dem Schicksal des Volkes. Gerade deshalb dürfe man mit aller Klarheit sagen, dass ohne Männer wie Josef Fontana die Italianisierung Südtirols nicht gestoppt worden wäre. Vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheine – Sprache, Schule, Kultur, Eigenständigkeit und das Bewusstsein als Tiroler im Süden des Landes – sei nicht vom Himmel gefallen, sondern erkämpft, verteidigt und bewahrt worden.
Für den Südtiroler Schützenbund, so Schmid, sei Dr. Josef Fontana ein besonderer Mann gewesen. Als Ehrenkranzträger des Bundes und Ehrenmitglied der Schützenkompanie Neumarkt sei er dem Schützenwesen eng verbunden gewesen. Er habe gewusst, dass die Schützen nicht bloß Folklore seien, sondern Träger eines geschichtlichen Auftrags. Tracht, Fahne und Gewehr hätten nur dann Sinn, wenn dahinter Überzeugung, Verantwortung und Treue zur Heimat stünden.
Landeskommandant Christoph Schmid dankte dem Verstorbenen für seine Treue, seinen Mut, seine Beharrlichkeit, seine Disziplin und sein unermüdliches Wirken. Josef Fontana habe nicht nur über Geschichte geschrieben, sondern sei selbst Teil der Geschichte Südtirols geworden. Zugleich mahnte Schmid, dass dieser Abschied für die Schützen auch Auftrag sei: Es genüge nicht, an den Gräbern großer Männer schöne Worte zu sprechen. Vielmehr gelte es, ihr Erbe weiterzutragen, wachsam zu bleiben und Sprache, Kultur, Identität und Heimat auch in Zukunft mit Mut und Anstand zu verteidigen – nicht aus Hass gegen andere, sondern aus Liebe zum Eigenen.
Nach der Grabrede spielte die Bläsergruppe der Musikkapelle Neumarkt die Weise vom Guten Kameraden. Als letzte Ehrenbezeugung für ihr verstorbenes Ehrenmitglied feuerte die Schützenkompanie Neumarkt eine Ehrensalve ab. Anschließend wurde die Schützenfahne dreimal über das offene Grab gesenkt.
Mit Dr. Josef „Pepi“ Fontana verliert Südtirol einen aufrechten Patrioten, einen gewissenhaften Historiker und einen stillen, aber unbeirrbaren Diener der Wahrheit. Der Südtiroler Schützenbund wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.




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