Blick auf die Urananreicherungsanlage Natanz im Iran

Neue gegenseitige Angriffe Israels und des Iran

Samstag, 21. März 2026 | 12:26 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters

Drei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs setzen Israel und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe fort. In der Nacht und am Samstag in der Früh gab es nach israelischen Militärangaben Raketenangriffe aus dem Iran auf Israel. Berichten zufolge wurde in Rishon Lezion südöstlich von Tel Aviv ein Kindergarten getroffen. Zu dem Zeitpunkt war demnach jedoch niemand dort. Die USA und Israel griffen indes die iranische Urananreicherungsanlage in Natanz an.

Es sei keine Radioaktivität ausgetreten und für die Anrainer in der Nähe der Anlage bestehe keine Gefahr, meldete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Die schwer gesicherte Atomfabrik Natanz, rund 250 Kilometer südlich von Teheran im Zentrum des Landes gelegen, ist die bekannteste iranische Atomanlage. Ihre Existenz wurde 2002 enthüllt. Sie besteht aus einer oberirdischen und einer unterirdischen Anlage zur Urananreicherung mit insgesamt fast 70 Kaskaden, in denen Zentrifugen hintereinander geschaltet sind. Insgesamt gibt es mehr als 10.000 Einzelzentrifugen.

Nach Angaben des Weißen Hauses besteht ein Hauptziel des derzeitigen Krieges darin, zu verhindern, dass der Iran jemals in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Israel wiederum sieht im iranischen Atom- und Raketenprogramm seine größte existenzielle Bedrohung. Iranische Politiker hatten in der Vergangenheit immer wieder dem jüdischen Staat mit Vernichtung gedroht.

IAEA fordert Zurückhaltung

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) forderte indes militärische Zurückhaltung von den Kriegsparteien. Es gelte, jedes Risiko eines Atomunfalls zu vermeiden, schrieb IAEA-Chef Rafael Grossi auf der Plattform X. Der Iran habe die IAEA in Wien über den Angriff informiert, es seien jedoch keine erhöhten radioaktive Strahlungswerte gemeldet worden, hieß es.

Schon Anfang des Monats hatte die IAEA neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natanz bestätigt. Die Vereinigten Staaten und Israel hatten bereits im Juni 2025 Irans Atomanlagen bombardiert und stark beschädigt.

Israels Verteidigungsminister: Verstärkung der Iran-Angriffe

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte indes am Samstag für die kommenden Tage eine weitere Verstärkung der Angriffe Israels und der USA im Iran an. Ziele seien dabei die iranische Führung und die Infrastruktur, auf die sie sich stütze, sagte Katz nach Angaben seines Büros nach einer Beratung mit ranghohen Militärs im Armeehauptquartier in Tel Aviv.

“In dieser Woche wird die Intensität der Angriffe (…) deutlich zunehmen”, sagte er. In Israel beginnt die neue Woche jeweils sonntags. Man sei entschlossen, den Kampf gegen den iranischen Machtapparat fortzusetzen, “seine Kommandeure zu enthaupten und seine strategischen Fähigkeiten zu zerstören – bis jede Sicherheitsbedrohung für den Staat Israel und die Interessen der USA in der Region beseitigt ist”, sagte Katz.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag verkündet, dass er erwägt, die Angriffe auf den Iran zurückzufahren. Die USA stünden kurz davor, die eigenen Ziele im Krieg zu erreichen.

Iran warnt Emirate vor Genehmigung von Angriffen auf Inseln

Der Iran warnte indes die Vereinigten Arabischen Emirate davor, Angriffe von ihrem Territorium aus auf zwei strategisch wichtige Inseln nahe der Straße von Hormuz zuzulassen. Sollte es vom emiratischen Staatsgebiet aus “zu weiteren Aggressionen gegen die iranischen Inseln Abu Musa und Große Tunb im Persischen Golf kommen, werden die schlagkräftigen iranischen Streitkräfte Ras al-Khaimah in den VAE mit schweren Angriffen überziehen”, erklärte das zentrale Einsatzkommando der iranischen Armee, Khatam al-Anbiya, am Samstag. Die Stellungnahme wurde von der Nachrichtenagentur Tasnim verbreitet. Das iranische Militär bezog sich dabei auf das Emirat Ras al-Khaimah.

Die Inseln Abu Musa und Große Tunb liegen im Persischen Golf westlich der Straße von Hormuz, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft. Der Iran kontrolliert die beiden Golfinseln seit 1971, sie werden aber seit Jahrzehnten auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten beansprucht.

Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ist die Straße von Hormuz durch das iranische Militär de facto gesperrt. Der Iran wirft den Golfstaaten vor, US-Streitkräften Angriffe von ihrem Territorium aus zu erlauben. Die Golfstaaten haben diese Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.

Irak: Offizier bei Angriff auf Geheimdienst-Gelände getötet

Bei einem Angriff auf das Gelände des Nationalen Nachrichtendienstes in der irakischen Hauptstadt Bagdad wurde ein Offizier getötet. Der Geheimdienst sprach von einem “terroristischen Angriff, der von gesetzlosen Gruppen verübt wurde.” Zunächst war unklar, wer für den Angriff verantwortlich war.

Dieser wurde als Versuch gewertet, den Nachrichtendienst von seiner Arbeit abzuhalten, wie es hieß. Die Behörde betonte, man werde die Täter verfolgen, festnehmen und der Justiz überstellen.

Zuvor hatte die irakische Nachrichtenagentur INA berichtet, dass eine Drohne auf dem Gelände des Hauptquartiers des Geheimdienstes im Stadtteil Mansour in Bagdad abgestürzt sei. Ob es einen Zusammenhang zum Iran-Krieg gibt, vor dessen Hintergrund es im Irak wiederholt zu Angriffen proiranischer Milizen kam, ist unklar.

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