Von: importer
Im von Israel besetzten Westjordanland ist es erneut zu Gewalt gekommen. In der Nacht auf Freitag stürmten israelische Soldaten das Haus eines Palästinensers in der Stadt Jenin und töteten den Mann, der sich den Soldaten mit einem Messer widersetzt haben soll. Nahe Hebron drangen radikale Siedler in ein Dorf ein und töteten einen 17-Jährigen. Unterdessen belagern Siedler in Kusra weiterhin Häuser von Palästinensern. Israel treibt den Siedlungsbau im Westjordanland voran.
Palästinensische Einwohner in Sair bei Hebron hätten Steine auf in das Dorf eingedrungene Siedler geworfen, woraufhin eine Sicherheitskraft geschossen habe, teilte Israels Armee mit. Durch die Schüsse habe es “palästinensische Opfer” gegeben. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah war der getötete Palästinenser 17 Jahre alt. Lokalen Medien zufolge wurde außerdem ein 70-Jähriger verletzt. Laut der israelischen Nachrichtenseite “ynet” gab ein Wachmann einer nahe gelegenen israelischen Siedlung die Schüsse ab.
Nach Angaben der israelischen Armee wurden auch Siedler durch die Steinwürfe der palästinensischen Einwohner verletzt. Die Siedler hätten sich “ohne vorherige Genehmigung in dem Gebiet” im Süden des Westjordanlands aufgehalten, kritisierte das Militär. Soldaten hätten sie inzwischen weggebracht.
Berichte: Siedler haben Gebäude in Brand gesteckt
Lokale Medien berichteten weiter, dass die Siedler auch palästinensische Häuser angegriffen und eines in Brand gesteckt hätten. Auch Israels Militär sprach von einem Gebäude, dass sich noch im Bau befinde und in dem Feuer gelegt worden sei. Wer es angezündet hat, wurde in der Armeemitteilung nicht gesagt.
Israels Militär sagte weiterhin, israelische Sicherheitskräfte seien derzeit vor Ort, um Beweismittel zu sichern und Zeugen zu befragen. Berichte über Festnahmen in dem Zusammenhang gab es zunächst nicht. Dem israelischen Militär wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen Siedlergewalt vorzugehen.
Palästinensische Medien berichteten zudem, dass bei einem israelischen Einsatz im Ort Sababda im Norden des Westjordanlands ein 14 Jahre alter Bursche durch Schüsse israelischer Kräfte verletzt worden sei. Israels Militär sagte auf Anfrage, sie gehe dem nach.
Radikale Siedler belagern weiter Häuser in Kusra
In dem Dorf Kusra belagern radikale israelische Siedler Berichten zufolge unterdessen weiterhin die Häuser mehrerer palästinensischer Bewohner. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf den Dorfvorsteher Abdul Asim al-Wadi, dass die Betroffenen weiterhin ihre Häuser nicht verlassen könnten. Demnach sind Lebensmittel und einige Medikamente bereits knapp.
Ein Angehöriger der Bewohner sagte jüngst, diese blieben in ihren Häusern aus Angst, Siedler könnten sie andernfalls besetzen. Der siedlerfreundliche US-Botschafter Mike Huckabee nannte die Siedler in Kusra zuletzt “israelische Terroristen”.
Verschärfte Gewalt seit Hamas-Massaker
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.105 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.
Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen. Israelischen Sicherheitskräften wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen Siedlergewalt vorzugehen, oder sich sogar auf die Seite aggressiver Siedler zu stellen.
Umstrittenes Siedlungsprojekt im Westjordanland
Für Unruhe im Westjordanland sorgt zudem, dass Israel zugleich ein äußerst umstrittenes Siedlungsvorhaben vorantreibt. Das Bauministerium hatte diese Woche eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1.200 Wohneinheiten für das Projekt veröffentlicht. Konkret geht es um das sogenannte E1-Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim.
Eine Bebauung in dem Gebiet würde das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufspalten. Damit würde die Schaffung eines zusammenhängenden Territoriums für einen künftigen palästinensischen Staat erschwert oder gar unmöglich gemacht.
Seit ihrem Amtsantritt Ende 2022 hat die israelische Regierung über 100 neue Siedlungen im gesamten Westjordanland genehmigt, wie der Sender BBC am Freitag berichtete. Die Siedlungen sind nach Völkerrecht illegal und müssten laut dem Internationalen Gerichtshof so schnell wie möglich geräumt werden.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen