Von: APA/Reuters/dpa
Israels Militär hat nach eigenen Angaben am Freitag eine Kommandozentrale der iranischen Revolutionsgarden in den südlichen Vorstädten Beiruts angegriffen. Diese sei von der proiranischen Hisbollah-Miliz genutzt worden, teilte die Armee mit. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete, dass bei einem Angriff in Nabi Sheet im Osten des Landes neun Menschen getötet wurden. 17 weitere seien verletzt worden. Von Israels Militär gab es dazu zunächst keine Angaben.
Bei weiteren Angriffen in der Hauptstadt Beirut wurden nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet. Drei weitere seien verletzt worden. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete darüber hinaus von einem Angriff auf Majdal Shams im Süden des Landes. Dabei seien neun Menschen getötet worden. Die Opfer gehörten demnach alle einer Familie an. Die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder.
Hisbollah-Kommandozentralen angegriffen
In den als Dahiya bezeichneten südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt seien auch drei Kommandozentralen der Schiitenmiliz angegriffen worden, hieß es von Seiten der israelischen Armee weiter. Im Laufe des Tages kam es zu mehreren Angriffen des israelischen Militärs südlich von Beirut, die Viertel gelten als Hochburg der Hisbollah. Auch aus dem Libanon flogen wieder Raketen in Richtung Israel. Bei einem israelischen Angriff auf ein Wohnhaus in der libanesischen Küstenstadt Sidon kamen nach Angaben von Behörden im Libanon fünf Menschen ums Leben, sieben weitere wurden demnach verletzt.
Die Hisbollah-Miliz hatte am Montag als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei begonnen, Raketen auf Ziele in Israel zu feuern. Israel reagiert seitdem mit umfangreichen Luftangriffen in mehreren Teilen des Landes. Zehntausende Menschen wurden zur Flucht aufgerufen. Im Zuge der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah starben im Libanon nach Behördenangaben 217 Menschen.
Israels Generalstabschef Eyal Zamir drohte der Hisbollah mit weiteren und intensiveren Angriffen. “Wir werden jede Gelegenheit nutzen, um die Hisbollah zu treffen, Fortschritte zu erzielen und die Bedrohung zu beseitigen”, sagte er nach einer Lageeinschätzung im Norden Israels. Die Hisbollah habe sich dazu entschieden, dem Iran beizuspringen und zahle nun den Preis dafür.
Etwa 250 Geschoße auf Israel abgefeuert
In Aufnahmen waren dicke Rauchschwaden über den als Dahiya bezeichneten südlichen Vorstädten Beiruts zu sehen. Die dicht besiedelten Viertel gelten als Hochburg der mit dem Iran verbündeten Schiitenmiliz Hisbollah. Deren Infrastruktur sei Ziel der Attacken, teilte das israelische Militär kurz vor Beginn der neuen Angriffswelle mit. Die Hisbollah bekannte sich unterdessen zu dem Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Aus Kreisen der UNO-Friedensmission UNIFIL wurde die Zahl der in Richtung Israel abgegebenen Geschoße auf etwa 250 beziffert. Berichte über Tote oder Verletzte von dort gab es zunächst keine.
Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam rief die internationale Gemeinschaft indes zu koordinierter diplomatischer Hilfe und zu humanitärer Unterstützung auf. “Die gegenwärtige Spirale der Gewalt hat sich als katastrophal für den Libanon erwiesen und für alle Libanesen, unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit”, sagte Salam. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung zahle den höchsten Preis, doch der gesamte Libanon sei das Opfer.
Viele Tausend Menschen sind geflohen
Bereits in der Nacht war es zu schweren israelischen Angriffen aus der Luft auf Dahiya gekommen. Berichten zufolge hatten viele Tausende Menschen die Viertel in den vergangenen Tagen verlassen, nachdem Israels Armee weiträumige Evakuierungsaufforderungen veröffentlicht hatte.
Dem örtlichen Katastrophenschutz zufolge suchten knapp 100.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften. Die Zahl der Geflohenen dürfte jedoch höher sein, weil viele Menschen auch ohne Dach über dem Kopf in anderen Teilen Beiruts Schutz suchten, hieß es demnach. Manche fanden in Hotels und Ferienwohnungen Unterschlupf. Nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrats wurden im Libanon 300.000 Menschen durch israelische Angriffe vertrieben. Das teilte die internationale Nichtregierungsorganisation mit.
Hisbollah fordert Israelis zur Räumung von Grenzorten auf
Die libanesische Hisbollah fordert israelische Bewohner zur Räumung von Grenzorten auf. In einer auf ihrem Telegram-Kanal auf Hebräisch veröffentlichten Nachricht heißt es, dass alle Ortschaften in einem Umkreis von fünf Kilometern zur Grenze geräumt werden müssen. Die Aggression des israelischen Militärs gegen die libanesische Souveränität und Zivilisten werde nicht unbeantwortet bleiben, erklärte die Miliz weiter. Zuvor hatte Israel Angriffe auf Vororte in Beirut gestartet.
Hisbollah: “Werden das Schlachtfeld nicht verlassen”
Inmitten stetiger Angriffe Israels betonte die Hisbollah im Libanon erneut ihre Kampfbereitschaft. “Wir werden die Waffen nicht niederlegen und das Schlachtfeld nicht verlassen”, hieß es in einer jüngsten Erklärung. “Unser Gelöbnis gilt dem reinen Blut des Märtyrers Imam Ali Khamenei”, erklärte die Schiitenorganisation.
In libanesischen Medien wurde unterdessen von einer von Frankreich eingebrachten Initiative einer möglichen Waffenruhe berichtet. Sie beinhaltet den Berichten zufolge eine vollständige Kapitulation der Hisbollah. Die vom Iran unterstützte Organisation wies die Berichte zurück. Es gebe derzeit keinerlei Verhandlungen. Die Berichte seien falsch.




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