Grüne: "Gemeinwohl geopfert, Verkehrschaos programmiert"

Neuer Campingplatz in Reischach eckt an

Dienstag, 17. März 2026 | 08:34 Uhr

Von: luk

Bruneck – In Reischach bei Bruneck sorgt ein geplanter neuer Campingplatz für kontroverse Diskussionen. Die Kronplatz-Seilbahn-Gesellschaft treibt das Projekt voran, da für Tourismuszonen mit September eine Frist im Zusammenhang mit dem sogenannten Bettenstopp gilt, die auch Campingplätze betrifft.

Geplant ist der Bau einer Anlage beim Korerhof mit rund 250 Stellplätzen sowie 30 Chalets. Damit würde die touristische Infrastruktur in der Region deutlich erweitert.

Kritik kommt von den Grünen Bruneck. In einer Pressemitteilung warnen sie vor erheblichen Auswirkungen auf Landschaft, Verkehr und Ressourcen. Ein Projekt dieser Größenordnung stelle keinen kleineren infrastrukturellen Eingriff dar, sondern bringe spürbare Veränderungen für die gesamte Region mit sich.

Besonders kritisch sehen die Grünen die Rolle der Kronplatz Holding AG. Das Unternehmen betreibt bereits zentrale Bereiche des Tourismus am Kronplatz, darunter Aufstiegsanlagen, Hotels und Gastronomie. Mit dem Campingplatz würde die Wertschöpfungskette weiter ausgebaut. Aus Sicht der Grünen könnte dies zu Wettbewerbsnachteilen für kleinere lokale Betriebe führen, die gleichzeitig auf die Infrastruktur des Unternehmens angewiesen sind. “Sie geraten in direkte Konkurrenz zu einem Unternehmen, von dessen Liftinfrastruktur sie gleichzeitig abhängig sind.”

Auch der Genehmigungsprozess wird hinterfragt. Die Landeskommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung hatte ursprünglich ein negatives Gutachten abgegeben, dennoch wurde das Projekt von der Landesregierung genehmigt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Verkehrskonzept. Laut Berechnungen könnten bei voller Auslastung bis zu 800 zusätzliche Fahrbewegungen pro Tag entstehen. Zudem wird mit mehr als 100.000 zusätzlichen Übernachtungen jährlich gerechnet. Die Grünen sehen darin eine zusätzliche Belastung für eine Region, die bereits stark frequentiert ist.

Grundsätzlich stellen sie das Projekt in den Kontext der anhaltenden Debatte über Overtourismus in Südtirol. Der bestehende Bettenstopp solle eigentlich eine weitere Ausweitung der Kapazitäten bremsen. Neue Großprojekte wie der geplante Campingplatz stünden dazu im Widerspruch.

Befürworter des Projekts argumentieren unter anderem, dass ein zusätzlicher Campingplatz helfen könne, ungeregeltes Campen einzudämmen.

 

Bezirk: Bozen

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