Offener Brief

“Omas gegen Rechts” kritisieren Bozens Bürgermeister

Montag, 02. März 2026 | 17:56 Uhr

Von: luk

Bozen – In einem offenen Brief kritisieren die „Omas gegen Rechts Bozen-Bolzano“ Bürgermeister Claudio Corrarati für seine Reaktion auf die jüngste Demonstration gegen faschistische Auftritte. Sie zeigen sich irritiert über dessen Aufforderung an die Demonstrierenden, selbst Migranten aufzunehmen, und betonen, dass sich viele Teilnehmende bereits seit Jahren privat für Integration engagierten, jedoch mangels ausreichender Maßnahmen von Gemeinde und Provinz an ihre Grenzen stießen. Statt kurzfristiger Notmaßnahmen brauche es nachhaltige Strategien für Unterbringung und Integration, da diese in erster Linie Aufgabe der öffentlichen Hand seien.

Nachfolgend der offene Brief im vollen Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Corrarati,

mit Verwunderung haben wir Ihre Reaktion auf die tausenden friedlichen Demonstrantinnen und Demonstranten gegen faschistische Auftritte und Forderungen zur Kenntnis genommen (vgl. Alto Adige, Montag, 2. März, „Adesso accoglieteli“). Gerade von Ihnen, der bei Gedenkveranstaltungen für Persönlichkeiten wie Alexander Langer oder die Geschwister Scholl mahnende Worte für Demokratie und Verantwortung findet, hätten wir uns eine reflektierte und selbstkritische Einordnung erwartet. Umso mehr irritiert Ihre Aufforderung an die Demonstrierenden, nun selbst Migrantinnen und Migranten aufzunehmen.

Dieser Appell richtet sich an die Falschen.

Die Mehrheit der Teilnehmenden waren Bürgerinnen und Bürger aus Bozen und Umgebung, viele von ihnen sind seit Jahren privat engagiert für Inklusion und Integration. Sie stoßen jedoch zunehmend an ihre Grenzen – nicht zuletzt, weil weder die Provinz noch die Gemeinde ausreichend Maßnahmen für Unterkunft, Betreuung und nachhaltige Integration geschaffen haben.

Statt langfristiger Strategien dominieren seit Jahren Begriffe wie „Emergenza“ und Maßnahmen wie „Daspo“. Diese Antworten werden der komplexen Realität von Menschen, die unter oft unmenschlichen Bedingungen zu uns gekommen sind, nicht gerecht. Zahlreiche Sozialvereine und Privatpersonen versuchen mit großem Engagement, die Versäumnisse der Politik abzufedern. Sie arbeiten vielerorts am Limit. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Engagement politische Unterstützung statt zusätzlicher Belastung erfahren würde.

Richten Sie Ihren Appell daher bitte an jene Ebenen, die tatsächlich Verantwortung tragen – auch an sich selbst und Ihre Kolleginnen und Kollegen in Stadt und Land. Die menschenwürdige Aufnahme sowie die Integration von hilfe- und arbeitssuchenden Menschen sind in erster Linie Aufgabe der öffentlichen Hand. Aktuell zeigt sich die Problematik erneut deutlich an der beschlossenen Schließung des Ex-Ali-Marktes Ende März, wodurch rund 90 Arbeiter ihren Schlafplatz verlieren werden.

Es ist an der Zeit, Verantwortung nicht weiter abzuschieben, sondern ihr endlich gerecht zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

OMAS GEGEN RECHTS BOZEN-BOLZANO

Bezirk: Bozen

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