Von: red
Michail Chodorkowski war einst der reichste Mann Russlands und Chef des Ölkonzerns Jukos. Er stieg in der Privatisierungsära der 1990er-Jahre zum Oligarchen auf. Seine offene Kritik an Präsident Wladimir Putin führte zu einem Schauprozess, wodurch er 2003 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Heute lebt er in London und gilt als einer der prominentesten Widersacher des russischen Präsidenten.
Bereits im Jahr 2022, zu Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs, äußerte sich Chodorkowski (im Bild) in Interviews bei der britischen Zeitung „The Sun“ und bei dem Magazin „Stern“ über die Bedrohlichkeit russischer Geheimdienstagenten und Auftragsmörder, die bereits in Westeuropa aktiv und einsatzbereit sind, um gezielte Anschläge auf Putin-Gegner zu verüben.
Gemeint sind unter anderem die Vergiftungen von Alexander Litwinenko und Sergei Skripal sowie die Ermordung Wadim Krassikows in Berlin.
Chodorkowski warnt davor, dass der Kreml die vermeintliche politische oder sicherheitstechnische Schwäche westlicher Länder ausnutzt: „Putin wird die Nato und die EU spalten, denn in seinen Augen ist jeder EU-Staat schwächer als Russland.“
Heute sei diese Warnung aktueller denn je, denn westliche Geheimdienste bestätigen, dass Russland seine Anschläge in Europa seit 2022 intensiviert und dabei zunehmend kriminelle Handlanger eingesetzt habe. „Diese Kampagne ist kein Zufall“, erklärte ein hochrangiger europäischer Geheimdienstmitarbeiter. „Sie ist politisch autorisiert.“
Die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine teilte am 27.April mit, dass sie in Zusammenarbeit mit der Nationalpolizei und Strafverfolgungsbehörden mehrerer Länder ein Netzwerk aufgedeckt hat, das mutmaßlich unter der Leitung russischer Geheimdienste operierte und eine Reihe von Auftragsmorden und Sabotageakten in der gesamten Europäischen Union vorbereitete.
Den Ermittlungen zufolge war die Organisation seit August 2024 aktiv, wobei der russische Geheimdienst die Aktivitäten vom Ausland aus über Mittelsmänner koordinierte. Das Hauptziel des Netzwerks bestand darin, Gewaltverbrechen in EU-Mitgliedstaaten zu organisieren.
Ist ein Ende in Sicht?
Im Interview bei der italienischen Zeitung „La Stampa“ analysierte Chodorkowski Ende 2025 das geopolitische Szenario und die Aussichten auf Frieden in der Ukraine. Er erklärte, dass der Konflikt für Putin mittlerweile zu einer unverzichtbaren politischen Notwendigkeit geworden sei, da „Wladimir Putin den Pragmatismus seiner ersten Regierungsjahre längst aufgegeben hat“ und nun „für ihn der Donbass eine Frage der Ideologie, des Prinzips und auch des Machterhalts ist“.
Laut Chodorkowski lässt die jüngste Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel gegen sein Buch „Wie man einen Drachen tötet“ jedoch noch Hoffnung zu: „Wie man einen Drachen tötet“ ist die Vision eines Russlands, befreit von den Folgen der Autokratie. Es ist die Vision einer dezentralisierten, föderalen, parlamentarischen Republik, in der die Macht geteilt wird, die zuvor in den Händen eines Mannes konzentriert war. Putin hat uns gezeigt, wie nervös er ist, dass diese Vision Wirklichkeit werden könnte.“




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