STF zu Polemik um Alto Adige

„Rückzieher der SVP verursacht gefährlichen Präzedenzfall“

Mittwoch, 16. Oktober 2019 | 11:13 Uhr

Bozen – Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll und Myriam Atz-Tammerle, nehmen erneut zur Polemik rund um den Begriff Alto Adige Stellung. Die Ankündigung der SVP, den faschistischen Begriff Alto Adige im Europagesetz wieder einbauen zu wollen, sei nicht nur ein demütigender Kniefall vor den italienischen Nationalisten, sondern auch ein gefährlicher Präzedenzfall. In den letzten 30 Jahren sei in der Gesetzgebung des Landes nämlich „Südtirol“ fast immer mit „Provincia di Bolzano“ übersetzt und nicht mit „Alto Adige“ worden. „Wenn Kompatscher vor den italienischen Nationalisten nun in die Knie geht und das Gesetz wieder abändert, bedeutet dies, dass ─ dieser Logik folgend ─ die gesamten Gesetze der letzten Jahrzehnte ‚altoatesinisiert‘ werden müssen“, so die Abgeordneten.

Der digitale „Lex-Browser“ des Landtages reicht bis ins ferne Jahr 1993 zurück. Ein Blick in die Gesetzestexte der damaligen Zeit zeige, dass sowohl bei der Verwendung der institutionellen Bezeichnung „Land Südtirol“ als auch bei der geographischen Landesbezeichnung „Südtirol“ sowie bei der personenbezogenen Ableitung „Südtiroler“, im italienischen Text so gut wie nie die faschistischen Begriffe „Alto Adige“ und „altoatesini“ verwendet wurden, sondern immer nur „Provincia die Bolzano“.

„Es ist verantwortungslos, wenn Landeshauptmann Kompatscher aus vorauseilendem Gehorsam diese Rechtspraxis nun infrage stellt, die unter Landeshauptmann Magnago und Durnwalder über Jahrzehnte gut funktioniert hat und auch nie beanstandet wurde. Dem Land Südtirol wird damit zukünftig ein faschistisches Alto Adige aufgezwungen, für das es keine rechtliche Verpflichtung gibt, da der Begriff Alto Adige nur für die Region ‚Trentino-Alto Adige‘ existiert, nicht aber für die Provinz Bozen. Landeshauptmann Kompatscher behauptet leider immer wieder einfach Dinge, die jeglicher Grundlage entbehren. Seine Behauptung, dass wenn im deutschen Text der Begriff ‚Südtirol‘ verwendet wird, dies im italienischen Text mit ‚Alto Adige‘ übersetzt werden muss, und wenn im italienischen Text ‚Provincia di Bolzano‘ verwendet wird, im deutschen Text ‚Provinz Bozen‘ geschrieben werden muss, ist schlichtweg falsch!“, ist die Süd-Tiroler Freiheit überzeugt.

Wie absurd Kompatschers Behauptung sei, zeige sich bei seinem eigenen Amtstitel, der in italienischer Sprache mit „Presidente della Provincia“ übersetzt werde, da es in italienischer Sprache keinen „Landeshauptmann“ gebe. „Demnach dürfte Kompatscher sich in deutscher Sprache nicht mehr Landeshauptmann nennen, sondern nur mehr ‚Präsident der Provinz‘“, argumentiert die Bewegung.

Südtirol brauche einen Landeshauptmann, der die Rechte Südtirols gegenüber Italien verteidigt, aber nicht einen Präsidenten der Provinz, „der schon beim kleinsten nationalistischen Lüfterl aus Rom klein beigibt“, betonen Knoll und Atz-Tammerle.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "„Rückzieher der SVP verursacht gefährlichen Präzedenzfall“"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
wellen
wellen
Universalgelehrter
27 Tage 7 h

Aber, Frau Tammerle, Sie haben mit dieser unnötigen Polemik jetzt die Aufmerksamkeit von Rom auf die hiesigen Gesetze zu verantworten. Boccia, Meloni ubd sogar Conte befassen sich jetzt, ein Referendum droht. Das Europagesetz wird angefochten, deutschsprachige Ärzte müssen Südtirol verlassen, Rom wird weiterhin mit größem Misstrauen die hiesigen Gesetze beobachten. Haben Sie das gewollt?

wpDiscuz