Rosatom-Chef Alexej Lichatschow

Russland: Ukrainische Drohne traf AKW Saporischschja

Samstag, 30. Mai 2026 | 23:05 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Laut dem russischen staatlichen Atomkonzern Rosatom hat eine ukrainische Kampfdrohne das von Russland kontrollierte Kernkraftwerk Saporischschja getroffen. Wichtige Anlagen seien bei der Explosion nicht beschädigt worden, so Rosatom-Chef Alexej Lichatschow am Samstag. Es sei jedoch ein Loch in die Wand einer Turbinenhalle gerissen worden. Eine Stellungnahme der Ukraine lag vorerst nicht vor. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) fordert Zugang zu der betroffenen Halle.

Die Behörde sei über einen Angriff informiert worden, bei dem ein Loch in eine Wand gerissen worden sei, teilt die IAEA (IAEO) am Samstagabend auf der Plattform X mit und ergänzte, dass es der erste Drohnenangriff innerhalb des Kraftwerksgeländes seit April 2024 gewesen sei. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi zeigt sich ernsthaft besorgt über den Vorfall. Angriffe auf Atomanlagen seien wie ein Spiel mit dem Feuer, erklärt er.

Russische Behörden: Tote und Schäden nach weiteren Angriffen

Bereits zuvor hatte Russland Tote und Schäden durch ukrainische Drohnen gemeldet. In der Grenzregion Belgorod kamen nach Angaben des regionalen Krisenstabs drei Männer ums Leben. Sie wurden demnach in der Ortschaft Oktjabrski nur wenige Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt bei zwei Angriffen getötet.

In Armawir im südrussischen Gebiet Krasnodar brach laut Behörden ein Feuer auf dem Gelände eines Öllagers aus. Verletzte gebe es nicht. Das Öllager war schon in der Vergangenheit Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Auf dem Gelände des Hafens von Taganrog in der ebenfalls im Süden Russlands gelegenen Region Rostow kam es laut Gouverneur Juri Sljussar zu einem Brand eines Tankers, eines Treibstofftanks und eines Verwaltungsgebäudes. Zwei Menschen seien verletzt worden.

Das russische Verteidigungsministerium teilte in der Früh mit, dass 127 ukrainische Drohnen in der Nacht über russischem Gebiet und der annektierten Halbinsel Krim abgeschossen worden seien. Die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff auf Armawir. Die Ukraine bringe den Krieg völlig gerechtfertigt dahin zurück, woher er gekommen sei, schrieb Selenskyj bei Telegram und dankte Soldaten für ihre Treffsicherheit.

Der Generalstab in Kiew bestätigte zudem neben anderen auch Angriffe auf Taganrog. Unter anderem ein Ölterminal sei getroffen und ein Treibstofftank dort beschädigt worden. Das Terminal werde im Interesse des russischen Militärs genutzt, hieß es zur Begründung.

Kiew: Russland griff mit fast 300 Flugkörpern an

Die ukrainischen Luftstreitkräfte wiederum teilten mit, dass Russland in der Nacht mit einer Rakete, sechs Marschflugkörpern und 290 Drohnen angegriffen habe. Davon seien 284 Flugkörper abgewehrt worden. Es habe neun Einschläge an sieben Orten gegeben. An zehn Orten seien Trümmer abgestürzt.

In Saporischschja wurde Gebietsgouverneur Iwan Fedorow zufolge ein Mensch durch einen russischen Drohnenangriff getötet. Zwei weitere seien verletzt worden. Behörden meldeten außerdem drei Verletzte nach einem russischen Angriff in Cherson.

Selenskyj erneuert Warnung vor massivem russischem Angriff

Selenskyj wiederholte unterdessen seine Warnung vom Vortag vor einem neuen massiven russischen Luftangriff. “Die Information des Geheimdienstes über einen möglichen massiven Angriff bleibt aktuell”, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er forderte die Ukrainer auf, Luftalarme nicht zu ignorieren. Zwar sei die ukrainische Flugabwehr in Bereitschaft, jedoch räumte Selenskyj Probleme beim westlichen Nachschub für die Abwehr von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern ein.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Die Kriegsparteien setzen dabei massiv Drohnen und Raketen gegen Ziele im Hinterland des Gegners ein.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Die Ukraine setzt als Teil ihres Abwehrkampfes auf Gegenangriffe im russischen Hinterland und nimmt dabei seit Monaten systematisch die für Moskaus Kriegsfinanzierung wichtige Ölindustrie ins Visier. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden stehen in keinem Verhältnis zu den verheerenden Kriegsfolgen durch russische Angriffe in der Ukraine.

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