Aufschrift in Tschassiw Jar: Danke, Russland, für ein ruiniertes Leben

Ukrainisches Militär gibt Stadtteil von Tschassiw Jar auf

Donnerstag, 04. Juli 2024 | 05:30 Uhr

Von: APA/dpa

Die ukrainische Armee hat sich nach eigenen Angaben aus einem Teil der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt Tschassiw Jar zurückgezogen. “Es war nicht mehr möglich, das Kanalviertel zu halten, nachdem der Feind eingedrungen war”, sagte ein ukrainischer Militärsprecher am Donnerstag. Die Verteidigungsstellungen seien zerstört und das Leben der eigenen Soldaten gefährdet worden. Das Armeekommando habe sich für einen Rückzug auf besser geschützte Positionen entschieden.

Doch auch dort setze der Feind seine Kampfhandlungen fort. Tschassiw Jar liegt in der ostukrainischen Region Donezk etwa 20 Kilometer westlich von Bachmut, das vor einem Jahr von russischen Truppen eingenommen und nach monatelangen heftigen Kämpfen dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Die russischen Truppen setzen seit Wochen ihren langsamen, aber stetigen Vorstoß in der ostukrainischen Region fort. Am Mittwoch hatte die Regierung in Moskau mitgeteilt, in Tschassiw Jar das an einem Kanal gelegene Viertel Nowji erobert zu haben. Tschassiw Jar liegt auf einer Anhöhe. Wenn die russischen Truppen die Stadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen sollten, könnten sie von dort aus weiter nach Nordwesten in Richtung der Städte Kramatorsk und Slowjansk vorstoßen. Das ukrainische Militär teilte weiter mit, russische Truppen seien daran gehindert worden, Verteidigungslinien an der Front bei Kramatorsk zu durchbrechen.

Bei einem russischen Angriff auf die südukrainische Region Saporischschja sind unterdessen nach Angaben des örtlichen Gouverneurs zwei Menschen getötet worden. “Ein Mann und eine Frau starben durch feindlichen Beschuss”, erklärte Gouverneur Iwan Fedorow am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Ein weiterer Mann sei verletzt worden. Russland führte nach Fedorows Angaben in den vergangenen 24 Stunden 391 Angriffe auf zehn Siedlungen aus.

Russland hat die Region Saporischschja zwar für annektiert erklärt, kontrolliert sie aber nicht zur Gänze. Am Mittwoch hatte Moskau der Ukraine vorgeworfen, ein Umspannwerk in der Nähe des Atomkraftwerkes Saporischschja mit Drohnen angegriffen zu haben. Dabei seien acht Menschen verletzt worden.

Russland meldete, ein MiG-29-Kampfflugzeug bei einem Angriff auf einen Militärflugplatz im Zentrum der Ukraine zerstört zu haben. Der Stützpunkt in Dolginzewo sei von einer ballistischen Rakete des Typs Iskander getroffen worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstag. Dabei seien der Kampfjet sowie andere Ausrüstung und Fahrzeuge zerstört worden. Das Ministerium veröffentlichte Bilder des Angriffs im Onlinedienst Telegram. Schon am Dienstag hatte Russland erklärt, fünf ukrainische Su-27-Kampfflugzeuge auf einer Basis nahe Myrgorod etwa 150 Kilometer von der russischen Grenze entfernt zerstört zu haben.

Kiew wartet auf die Lieferung der lange erwarteten F-16-Kampfjets durch seine westlichen Verbündeten. Der Schutz der Stützpunkte, an denen sie stationiert werden, ist eine der großen Herausforderungen für die Ukraine und ihre Partner.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Verbündeten um mehr Flugabwehr-Systeme für sein Land gebeten. Er verwies dabei auf den jüngsten russischen Raketenangriff auf die Großstadt Dnipro, bei dem fünf Menschen getötet und über 50 weitere verletzt worden seien. Auch Wohngebäude und ein Krankenhaus sollen beschädigt worden sein. “Es gab auch Raketenangriffe auf unsere anderen Regionen, Lenkbomben auf Charkiw und unsere Frontstellungen”, sagte Selenskyj gestern in seiner allabendlichen Videoansprache.

Beim Angriff auf einen Vorort von Charkiw wurden nach ukrainischen Angaben 14 Menschen verletzt. Zur Abwehr dieser Angriffe benötige die Armee seines Landes mehr Waffen, sagte Selenskyj. “Wir können das alles nur mit mehr Luftverteidigungssystemen, nur mit mehr Langstreckenangriffen auf die Stützpunkte und Luftstützpunkte der russischen Terroristen stoppen.”

Aktuell sind in der Ukraine vier Patriot-Flugabwehrsysteme im Einsatz. Zwei von ihnen wurden aus Deutschland zur Verfügung gestellt. Selenskyj hat den weiteren Bedarf seines Landes zuletzt auf mindestens sechs weitere Patriot-Systeme geschätzt. Die Ukraine hofft, dass es dazu beim NATO-Gipfel in der kommenden Woche eine Entscheidung gibt.

Der ukrainische Präsident hat zudem mehrfach von den Verbündeten die Erlaubnis eingefordert, die gelieferten westlichen Waffen auch gegen Ziele tief auf russischem Staatsgebiet – etwa gegen Militärflughäfen – einsetzen zu dürfen. “Wir erörtern all dies aktiv mit unseren Partnern auf allen Ebenen”, sagte der Staatschef.

Bisher darf das ukrainische Militär schwere Waffen nur im Frontgebiet sowie östlich von Charkiw im Grenzgebiet zu Russland einsetzen, weil die Verbündeten Sorge vor einer zu weitreichenden Beteiligung am Krieg mit Russland haben. Bei Angriffen tief im russischen Hinterland setzt die Ukraine Drohnen ein, die nicht so viel Sprengwirkung haben wie etwa Marschflugkörper oder Raketen.

Neben Tschassiw Jar steht die Umgebung der ostukrainischen Stadt Pokrowsk in Donezk aktuell im Fokus des Frontgeschehens. Nach Darstellung der dort eingesetzten 47. mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte versuchen russische Truppen, die Verteidigungslinien der Ukrainer zu durchbrechen. Dabei setze das russische Militär in erster Linie auf massierte und von Kampfdrohnen unterstützte Infanterieangriffe, sagte Brigadesprecherin Anastasija Blischtschik im Fernsehen. “Dass wir seit einem Monat kaum gepanzerte Fahrzeuge auf dem Gefechtsfeld sehen, ist zumindest einzigartig, weil ihnen (den Russen) diese Waffen ausgegangen sind”, sagte Blischtschik. Aufklärungsdrohnen zeigten “riesige Friedhöfe” zerstörter gepanzerte Fahrzeuge. Deswegen versuche die russische Seite, das Kampfgeschehen mit starken Infanteriekräften zu dominieren. Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew versucht das russische Militär, in der Region um Pokrowsk “die Schlagzahl zu erhöhen”. Entsprechend würden die Verteidigungslinien verstärkt und mehr Munition an diesen Frontabschnitt gebracht.

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock mahnte am Donnerstag zu einer weiteren Unterstützung der Ukraine durch die NATO. “Russland wird auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für unsere Sicherheit und Freiheit in Europa bleiben”, sagte Baerbock am Donnerstag in Berlin in einer Bundestagsdebatte zum NATO-Gipfel kommende Woche in Washington. Der Westen müsse dagegen angehen, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Wir haben uns das nicht ausgesucht”, sagte Baerbock. “Wir wollten das nicht.” Deutschland habe dabei eine besondere Verantwortung und wegen seiner Russland-Politik verlorenes Vertrauen mittlerweile wieder zurückgewonnen. “Das dürfen wir auch in den Haushaltsverhandlungen nicht verspielen”, mahnte die Ministerin mit Blick auf den aktuellen Streit in der deutschen Ampel-Koalition über das Budget für das Jahr 2025.

Kommentare

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22 Kommentare auf "Ukrainisches Militär gibt Stadtteil von Tschassiw Jar auf"


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N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 18 h

Auszug Artikel: “Bisher darf das ukrainische Militär schwere Waffen nur im Frontgebiet sowie östlich von Charkiw im Grenzgebiet zu Russland einsetzen, weil die Verbündeten Sorge vor einer zu weitreichenden Beteiligung am Krieg mit Russland haben”

Tja, die Sorge kann ich im Gegensatz zu vielen teilen! Die Verantwortlichen wissen das man mit dem Feuer spielt. Möchtegern Experten sagen:”Alles nur ein Bluff”!

real1st
real1st
Tratscher
18 Tage 14 h
und Freunde des Bunkeropas haben bereits bei Helmen gesagt dass ist zu viel das kann man doch nicht machen… man hätte die Ukraine sofort und besser unterstützen sollen wo sind die ganzen roten Linien? was soll passieren dass er die Nato mit Atomwaffen angreift? dass wäre Selbstmord und das weiß er und seine Oligarchen die wollen ihren Lebensstil nicht aufgeben. taktische Atomwaffen? ok der westen würde erschrecken die militärische Sinnhaftigkeit ist begrenzt und China hat bereits gesagt dass auf keinen Fall Atomwaffen eingesetzt werden dürfen. die einzige Möglichkeit diesen Krieg bestmöglich zu beenden ist die Ukraine so zu unterstützen dass… Weiterlesen »
real1st
real1st
Tratscher
18 Tage 14 h

du willst Millionen von Ukrainern zwingen im Faschismus zu leben… du musst nur eines bedenken am Anfang des Krieges hat ein minderjähriges Mädchen ein Anti-Krieg Bild gemalt, zuerst wurde sie und danach ihr Vater eingesperrt denn er hat das Kind nicht gut erzogen… eine so große und wundervolle Nazzion “wortspiel grins” hat Angst vor einem Bild einer 13 jährigen

Speedy Gonzales
Speedy Gonzales
Superredner
18 Tage 12 h

@ real1st

Welche Verträge meinst du ?

N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 11 h

@real1st Das die Bevölkerung in Russland im grossen Ausmaß rebelliert werden wir definiv nicht erleben.
Zweitens, Scholz ist nicht allein der darauf bedacht ist nicht in den Krieg hinein gezogen zu werden.

N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 11 h

@real1st Ich zwinge niemand! Millionen wären es nicht, wenn die Ukraine vorerst auf die verlorenen Gebiete verzichten würden. Es wären fast KEINE! Übrigens auch da stehenuch mit dieser Meinung nicht alleine da, frag z. B. nen Herrn Kretschmer CDU in Deutschland.

N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 11 h

@real1st Leg mir nicht Worte in den Mund die ich nicht gesagt hab. Untetlass das gefälligst! !

real1st
real1st
Tratscher
18 Tage 10 h

@Speedy Gonzales ganz etwas einfaches damit du es auch verstehst das Budapester Memorandum

real1st
real1st
Tratscher
18 Tage 10 h

@N. G. erkläre bitte “vorerst” und klar viele wurden deportiert oder liegen bereits in Massengräber aber solange es nur andere trifft ist dir alles egal und Scholz ist die falsche Person zur falschen Zeit in der falschen Position wo sind die ganzen roten Linien? erkläre mir bitte was Putin tun kann

Speedy Gonzales
Speedy Gonzales
Superredner
18 Tage 8 h

@ real1it

Das Memorandum wird aus russischer Sicht nicht als völkerrechtlich bindend angesehen, da es von der Staatsduma nicht ratifiziert wurde.
In der Zwischenzeit hat sich die NATO wie eine Krake in den östlichen Gebieten ausgebreitet.

N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 7 h

@real1st Nun, Russland unter Druck zu setzen kann ich verstehen, Abnutzung bis sie nicht mehr können. Vielleicht sogar ein Umdenken in der Bevölkerung Russlands bewirken. Aber eines vergisst du dabei. Hinter jeder Waffe stecken in der Ukraine Soldaten. Sie haben zu wenige unf nsch letzten Informationen wirds auch immer schwieriger welche an due Waffrn zu bekommen. Da wird auch kein Hochrüsten helfen. Waffen ohne Soldaten gewinnen keinen Krieg!
Man hätte die Ukraine früher ausrüsten sollen? Ganz bei dir! Man hatte 10 Jahre Zeit. Warum ist nichts passiert und wessen Schuld war das???

real1st
real1st
Tratscher
18 Tage 6 h

@Speedy Gonzales also sind für dich auch noch die Lettland, Litauen, Estland,… noch Teil der UDSSR denn das wurde auch nicht ratifiziert hier schwelgt wol jemand in Erinnerungen?

Sosonadann
Sosonadann
Universalgelehrter
18 Tage 6 h

@Speedy
Eben, aus russischer Sicht. Aus russischer Sicht werden Verträge nicht als bindend angesehen, wenn sie einem nicht mehr passen. Das ist ja das Problem. Verträge muss man einhalten, auch wenn sie einem nicht mehr passen!

Wenn das Memorandum nicht bindend ist, können sie die Atombomben ja wieder an die Ukraine zurückgeben. Aber diesen Punkt sehen sie dann doch wieder als bindend an!

OrtlerNord
OrtlerNord
Universalgelehrter
17 Tage 17 h

@N. G.

Du gibst vor den gegen den Angriffskrieg deines Möchtegernzar und Kriegsverbrecher zu sein. Schreibst aber fast immer das Gegenteil . Fast JEDEN Kommentar der gegen DEIN KILLER geht wird von dir wird von dir mit Minusdrücken bewertet!
Deine Kommentare sind wie FALSCHGELD !
Wertlos , braucht kein ehrlicher Mensch und überflüssig!

OrtlerNord
OrtlerNord
Universalgelehrter
17 Tage 17 h

@N. G.
Hast du nicht geschrieben aber gemeint!
Einfach nur Falsch……

user6
user6
Superredner
18 Tage 12 h

zelensky, frieden wäre für die welt am besten.

Doolin
Doolin
Kinig
18 Tage 5 h

…warum sagst dss nicht dem Irren im Kreml…

Speedy Gonzales
Speedy Gonzales
Superredner
18 Tage 12 h

Lese immer nur die Ukraine fordert mehr Waffen zur Verteidigung, ist das Ziel nicht den Krieg zu gewinnen ?

OrtlerNord
OrtlerNord
Universalgelehrter
17 Tage 17 h

speedy
Nein heißt es nicht, das heißt die die Ukraine handelt ausschließlich in Notwehr und dein gschissener Möchtegernzar ist der Angreifer!

traktor
traktor
Kinig
18 Tage 9 h

ich würde der ukraine alles geben um den zar aus russland rauszubomben. mit lenkgesteuerten rsketen die gessmte rusische luftabwehr abfackeln, informationen zu den standorten hat der wedten zu hauf, dann mit flugzeugen und kampfhubschraubern OHNE ukrainische verluste die russen aus ihren stellungen bimben

Olli H.
Olli H.
Neuling
18 Tage 6 h

Ja was denn nun ? Laut ukrainischer Propaganda gewinnt die Ukraine immer mehr Gebiete zurück, bzw. zerstört das russische Militär immer mehr und nun ziehen sie sich zurück !!! Wen soll man glauben ??

Einheimischer
Einheimischer
Superredner
18 Tage 13 h

Das Ost schon der Weltkrieg…
Jeder mach mit…

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