Schwere Zerstörungen in Charkiw nach russischen Angriffen

Selenskyj fordert nach Bombenangriff rasche Hilfe

Sonntag, 23. Juni 2024 | 12:22 Uhr

Von: APA/Reuters

Nach dem neuen Bombenangriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rasche Hilfe des Westens bei der Flugabwehr gefordert. In seiner am Samstag verbreiteten abendlichen Videobotschaft verurteilte Selenskyj erneut den Gleitbombenangriff auf ein Wohnhaus im Zentrum der Großstadt Charkiw nahe einer Bushaltestelle. Er sprach von drei Toten und Dutzenden Verletzten. Die Behörden gaben die Zahl der Verletzten am Abend mit 56 an.

Auf Bildern waren schwere Schäden an dem Gebäude zu sehen. Selenskyj verurteilte den neuen Akt der Zerstörung durch russische Terroristen. “Der russische Terror mit Gleitbomben muss und kann gestoppt werden”, sagte er. Dafür seien Entschlossenheit und Entscheidungen der Verbündeten nötig, um das Leben der Menschen in dem Land vor dem russischen Raketenterror zu schützen.

Schon jetzt habe die Ukraine zwar mehr Fähigkeiten erhalten, russische Stützpunkte für den Start von Raketen nahe der Grenze sowie Konzentrationen von Besatzungstruppen zu zerstören, sagte Selenskyj. Trotzdem habe es allein seit Anfang Juni auf die Ukraine 2.400 Angriffe mit russischen gelenkten Fliegerbomben gegeben, darunter allein 700 gegen die Region Charkiw.

Charkiw, das unweit der russischen Grenze liegt, ist seit Monaten Ziel massiver russischer Angriffe. Immer wieder werden dort zivile Objekte getroffen. Es sind bereits Dutzende Zivilisten getötet oder verletzt worden. Wie die ukrainische Luftwaffe auf der Plattform Telegram mitteilte, wurden Charkiw und die südukrainische Stadt Cherson am Sonntagmorgen von russischen Kampfflugzeugen mit gelenkten Gleitbomben angegriffen. Details zu den Angriffen lagen zunächst nicht vor.

Am frühen Sonntagmorgen wurde in der Hauptstadtregion Kiew Luftalarm ausgelöst. Nach Angaben der Flugabwehr hatten russische Militärs mehrere Marschflugkörper vom Typ “Kalibr” abgefeuert. Sowohl in Kiew als auch westlich in der Region Schytomir trat die Flugabwehr in Aktion, laute Explosionen waren zu hören.

Aus den südrussischen Regionen Smolensk und Brjansk wurden in der Nacht auf Sonntag Einflüge ukrainischer Kampfdrohnen gemeldet. Allein in der Region Brjansk seien über 20 Drohnen von der Flugabwehr abgeschossen worden, behauptete Gouverneur Alexander Bogomas nach Angaben der Staatsagentur Tass. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Selenskyj sagte in seiner Videobotschaft, dass im Westen mehr Entscheidungen für die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr getroffen werden müssten. Er hatte vor allem immer wieder noch mehr Systeme vom US-Typ Patriot gefordert. Nur so kann es nach seiner Darstellung mehr Erfolge bei der Verteidigung der Städte und Gemeinden und beim Schutz für die Menschen geben. Die Ukraine sei dankbar für alle bewilligten militärischen Hilfspakete, brauche sie aber vor allem zeitnah und in vollem Umfang.

“Der deutliche Rückgang des russischen Raketenterrors gegen Charkiw und die Region beweist, dass es durchaus möglich ist, unsere Städte und Gemeinden vor russischen Bomben zu schützen”, sagte Selenskyj. Neben den Patriot-Systemen brauche die Ukraine auch eine Beschleunigung der Ausbildung von Piloten von F-16-Kampfflugzeugen und eine größere Reichweite eigener Waffen. Die Ukraine erwartet noch in diesem Sommer die Lieferung der ersten Kampfjets vom US-Typ F-16.

Die Ukraine verteidigt sich mit Unterstützung westlicher Verbündeter seit mehr als zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Ziel des Landes ist es unter anderem, mit einer besseren Luftverteidigung die Hoheit über den eigenen Luftraum wiederzuerlangen. Zu schaffen machen dem Land aber vor allem auch russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur.

Nach neuen russischen Luftschlägen gegen die Energieinfrastruktur in der Ukraine informierten die Versorger über weitere Stromausfälle in dem angegriffenen Land. Wegen der Schäden durch die Angriffe gab es in der gesamten Ukraine stundenweise Ausfälle bei der Versorgung bis gegen Mitternacht. Der Energiekonzern Ukrenerho hatte die Blackouts am Morgen angekündigt.

Russland greift immer wieder gezielt Objekte der Energieinfrastruktur an. Überall im Land laufen Instandsetzungsarbeiten.

Moskau hatte in der Nacht auf Samstag bei neuen Luftangriffen in den ukrainischen Gebieten Saporischschja und Lwiw (früher Lemberg) Energieinfrastruktur beschädigt. Zwei Menschen seien im Gebiet Saporischschja verletzt worden, teilte Ukrenerho mit. Details zu den Schäden nannte das Unternehmen nicht. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte griffen die Russen mit taktischen Bombern und mit Drohnen an. 13 Drohnen und 12 Raketen seien abgeschossen worden, hieß es.

Russland will mit den Angriffen auf die Energieinfrastruktur auch die Bevölkerung demoralisieren. Das Stromnetz brach zwar nicht zusammen, aber Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen saßen ohne Elektrizität und damit auch ohne Heizung und Wasser immer wieder im Dunkeln. Die Kiewer Wirtschaftshochschule KSE hat in einer Studie Gesamtschäden von 56,2 Milliarden US-Dollar (52 Milliarden Euro) an der Energieinfrastruktur ermittelt. Besonders betroffen waren demnach Elektrizitätskraftwerke, Stromleitungen und auch Anlagen des Öl- und Gassektors.

Kommentare

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9 Kommentare auf "Selenskyj fordert nach Bombenangriff rasche Hilfe"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 h

Wie will man in der Ukraine einen Krieg gewinnen wenn man lediglich auf neue Situationen reagiert? Militärisch sinnvoll wäre es vorbereitet zu sein und überlegen zu sein. Aus dem Westen wird doch nur reagiert wenns wieder mal kurz vor knapp ist.

Sosonadann
Sosonadann
Universalgelehrter
1 Monat 15 h

@N.G. Ja, Taurus würde helfen!

Immer wieder Kritik am Opfer und keine Beschuldigung des Täters. Und du wunderst dich, wie man dich bezeichnet?

Faktenchecker
1 Monat 14 h

Der #Putintroll NG schon wieder.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 h
@Sosonadann Was soll ich an Russland kritisieren. Jeden Tag verurteilen und aufzeigen was Putin macht!? WIR WISSEN ES und ich muss das nicht täglich wiederholen. Einer meiner ersten Sätze zum Krieg war: Putin fällt völkerrechtswiedrig in der Ukraine ein. Mehrfach sogar! Das Gräueltaten begangen werden sieht jeder, wozu soll ich da etwas dazu sagen. Das ist Krieg wie er inzwischen überall auf der Welt in ähnlicher Form stattfindet. Sehr schlecht informiert denn Taurus kann bzw. will nur von den Deutschen programmiert werden. Sie wollen den Zugang nicht für die Ukraine frei geben weil sie sicherstellen wollen wo sie zum Einsatz… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 h

@Sosonadann Dunhast den Post gar nicht verstanden! Grins
Denn in dem Fall hab ich ja den Westen kritisiert und mit keinem Wort die Ukraine!
LESEN BITTE! Und kapieren!

Sosonadann
Sosonadann
Universalgelehrter
1 Monat 11 h
@N.G. Ich verlange von dir NICHT, dass du die Russen täglich verurteilst. Wenn du aber unter jedem Bericht über Gräueltaten Putins TÄGLICH Kritik an der Ukraine oder seinen Unterstützerländer anbringst, brauchts du dich nicht wundern, welchen Eindruck das bei den Kommentarlesern macht! Für Kritik an Russland must du selbst Kommentare vom Beginn des Krieges zitieren. Aktuellere kritische Kommentare scheinst du selbst nicht zu finden. Den Angriffskrieg verurteilen machen Weidel, Wagenknecht und Co. auch. Um dann Selenskyj als Kriegstreiber zu beschimpfen und den Saal zu verlassen. Ich hab’s versucht! Die Kommentare unter alten Artikeln sind nicht mehr vorhanden! Schau selbst nach.… Weiterlesen »
raunzer
raunzer
Superredner
1 Monat 17 h

Die Realitätsverweigerer der EU reagieren zum xten mal mit neuen Sanktionen. Verständlich, man hat ja sonst nichts anzubieten.

Faktenchecker
1 Monat 14 h

Du hast die Realität verpennt.

fingerzeig
fingerzeig
Superredner
1 Monat 11 h

er fordert und fordert….u bekommt…wo bleibt das danke danke bzw. vergeltsgott?

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