Die Feuerwehr in Charkiw bei einem Einsatz nach einer Attacke

Selenskyj kündigt Reaktion auf Angriff in Region Charkiw an

Dienstag, 18. August 2026 | 11:32 Uhr

Von: importer

Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Dorf in der nordostukrainischen Region Charkiw sind örtlichen Behörden zufolge zehn Menschen getötet worden. 17 weitere Personen wurden verletzt, wie der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mitteilte. “Wir werden definitiv auf diese russische Attacke reagieren”, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Selenskyj zufolge traf die Rakete eine belebte Kreuzung im Ort Petschenihy, an der sich eine Postfiliale und Geschäfte befinden. Durch den Beschuss wurden Synjehubow zufolge mehrere Gebäude und Autos beschädigt. Nach vorläufigen Erkenntnissen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft setzte Russland bei dem Angriff zwei kleinere Marschflugkörper vom Typ “Banderol” ein. Vorwürfe, die Zivilbevölkerung in der Ukraine gezielt anzugreifen, weist die Regierung in Moskau regelmäßig zurück.

Hunderte Drohnen griffen Moskau an

Unterdessen griff die Ukraine Moskau in der Nacht auf Dienstag mit Hunderten Drohnen an. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS handelte es sich um die heftigste derartige Attacke seit zwei Jahren. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte demnach mit, von Montagabend bis Dienstagmorgen seien 620 Drohnen in Richtung der Hauptstadtregion geflogen. Die meisten habe die Luftabwehr schon im Anflug abgewehrt, weitere 180 Drohnen seien dann im Raum Moskau vom Himmel geholt worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Im Moskauer Umland wurden nach Angaben von Gouverneur Andrej Worobjow drei Menschen bei Drohnenangriffen an verschiedenen Orten verletzt, darunter eine Zehnjährige. Er berichtete von Schäden und mehreren Bränden an verschiedenen Orten der Region, unter anderem an Wohnhäusern. Einmal mehr trafen die ukrainischen Drohnenangriffe Worobjow zufolge ein Lagerhaus des größten russischen Online-Versandhändlers Wildberries. In der Folge sei ein Feuer ausgebrochen, Verletzte gebe es nicht. Das Unternehmen sprach in einer Mitteilung von unbedeutenden Schäden. Herabstürzende Drohnentrümmer hätten eine Wand eines Logistikkomplexes erfasst. Auf der Krim meldete der größte Energieversorger Krymenergo Stromausfälle in mehreren Ortschaften im Süden der Halbinsel.

Verteidigungsministerium: Fast 800 Drohnen abgewehrt

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht 791 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim abgewehrt zu haben. Die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar, lassen aber Rückschlüsse auf die Intensität der ukrainischen Gegenangriffe zu. Die ukrainischen Drohnentruppen führen nahezu täglich große Angriffswellen gegen die russische Hauptstadtregion aus. Schon in der Nacht zu Sonntag wurde das Moskauer Gebiet laut Sobjanin von ungefähr 600 Drohnen attackiert – demnach gab es neben einem Todesopfer auch mehrere Verletzte.

Nach Angaben der ukrainische Luftwaffe griff auch die russische Armee die Ukraine in der Nacht zum Dienstag mit 147 Drohnen an. 111 von ihnen seien abgefangen worden. Eine tägliche Bilanz zu den russischen Raketenangriffen legt Kiew inzwischen nicht mehr vor. Die Luftwaffe hatte vergangene Woche angekündigt, die Zahl der abgefeuerten und abgefangenen Raketen in ihren Morgenberichten nicht mehr zu erwähnen.

Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Luftangriffe deutlich verstärkt. Experten sprechen von einer Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten. Russland griff zuletzt verstärkt mit Marschflugkörpern und Raketen an, während die Ukraine überwiegend auf immer schnellere und weitreichende Drohnen, aber auch auf Marschflugkörper setzt. Seit einigen Monaten fliegt die Ukraine vermehrt Luftangriffe bis weit im Landesinneren Russlands.

Begonnen wurde der Angriffskrieg im Februar 2022 von Russland. Neben der Invasion mit Bodentruppen greift das Nachbarland ukrainische Städte seither unablässig mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, Gleitbomben und Drohnen an. Der vergangene Monat war nach UN-Angaben der folgenschwerste für Zivilisten in der Ukraine seit Mai 2022. Bei russischen Angriffen wurden demnach im Juli insgesamt 437 Menschen getötet und 2610 Menschen verletzt.

Großbritannien steht an der Seite der Ukraine

Die russische Regierung drohte zuletzt Großbritannien mit Konsequenzen wegen der mutmaßlichen Lieferung von Drohnen, die für Schläge gegen russisches Territorium genutzt worden seien. Das britische Vorgehen werde unweigerlich Konsequenzen nach sich ziehen, für die sich das Land verantworten müsse, hieß es in einer Erklärung der Botschaft auf Telegram. Je tiefer die Beteiligung an dem Konflikt sei, desto höher werde der Preis sein. Die Botschaft reagierte damit auf einen Bericht der britischen Zeitung “Times” vom Samstag, wonach erstmals in Großbritannien hergestellte Drohnen für Schläge tief im russischen Hinterland eingesetzt worden seien.

Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums bestätigte den Einsatz solcher Drohnen zwar nicht, erklärte jedoch, Großbritannien stehe fest an der Seite der Ukraine, um das Land bei der Verteidigung gegen die russische Invasion zu unterstützen. London hatte im Juni angekündigt, der Ukraine bis Ende 2026 rund 150.000 Drohnen im Rahmen eines Hilfspakets im Wert von 752 Millionen Pfund (rund 880 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen.

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