Der Fernpass-Demozug war dieses Mal lautstark

Sperre von Tiroler Fernpass wegen Demos begonnen

Samstag, 01. August 2026 | 11:52 Uhr

Von: importer

Die Vollsperre der stark frequentierten Tiroler Fernpassstraße (B 179) wegen zweier Demonstrationen einer Bürgerinitiative hat am Samstag um 9.45 Uhr begonnen. Sie wird bis 12.00 Uhr andauern. Insgesamt rund 950 bis 1.000 Teilnehmer – und damit mehr als bei der “Premiere” am 27. Juni – versammelten sich bei den beiden Kundgebungen im Bezirk Reutte und im Bezirk Imst. Protestiert wurde erneut vor allem gegen das “Fernpasspaket” der ÖVP/SPÖ-Landesregierung.

Nach erfolgter Sperre setzten sich auf beiden Seiten des Fernpasses – bei Nassereith/Rastland im Bezirk Imst und in Reutte/Burgenwelt Ehrenberg Klause-Parkplatz Außerfern – die Protestmärsche in Bewegung. Zuvor hatte man sich an zwei Standorten versammelt: Einerseits bei Reutte-Katzenberg im Außerfern – knapp 500 Menschen folgten hier dem “Protest-Ruf” der Bürgerinitiative “Lebensraum Gurgltal Außerfern Mieminger Plateau”, wie es vom Reuttener Bezirkspolizeikommando gegenüber der APA hieß. Und andererseits bei Nassereith-Rastland im Bezirk Imst – rund 470 Demonstranten waren hier zugegen. Der dazwischen liegende Straßenabschnitt umfasst 34 Kilometer und wurde für den gesamten Verkehr gesperrt. In Nassereith führte der Demo-Zug dann bis zum Parkplatz Fernstein, in Reutte abwärts bis zum Parkplatz Postwiese.

Auf Reuttener Seite machte sich der Demonstrationszug bereits um kurz vor 10.00 Uhr auf den dieses Mal verkürzten Demo-Weg. Ging es am 27. Juni ein paar Minuten den Katzenberg bergaufwärts in Richtung Salzsilo, war dieses Mal lediglich ein kleiner Marsch abwärts zur Postwiese vorgesehen. “Ein kurzer Marsch und viele Reden”, gab zuvor Hans Dreier von der Bürgerinitiative gegenüber der APA zu Protokoll. Leider hätten jedoch “Hauptpolitiker” abgesagt, bedauerte Dreier zu seinen Erwartungen gefragt und meinte damit Mitglieder der Landesregierung.

Lautstarker Demo-Zug

Neben dem veränderten Marschweg gab es dieses Mal auch ein weiteres Novum: Fand der Marsch Ende Juni quasi lautlos, zumindest aber ohne skandierte Sprüche statt, war er dieses Mal überaus lautstark. “Wir wollen euren Tunnel nicht, wir wollen eure Maut nicht”, wurde mehrfach lautstark gerufen, begleitet von einer großen Trommel. Die Transparente wiederum glichen sich bei der Demo-Wiederholung. “Der überfahrene Außerferner Zwerg wehrt sich”, war etwa zu lesen. Auch “Mir graut vor der Maut” oder “Volkspartei am Volk vorbei” war zu lesen.

Bei der Versammlung auf dem Postwiese-Parkplatz kamen schließlich auch Oppositionspolitiker zu Wort. Der frühere Grünen-Nationalratsabgeordnete und jetzige Schwazer Lokalpolitiker Hermann Weratschnig etwa erwähnte bei seinem Statement im Rahmen einer Fragerunde, dass die Opposition in Sachen Fernpass “zusammensteht”. Liste-Fritz-Klubobmann Markus Sint wiederum betonte, dass die Liste Fritz “keinen Tunnel, keine Maut und keine Transitstrecke” wolle. Vertreten bei den Versammlungen war auch die FPÖ, die zweitstärkste Partei im Land – und zwar durch den Reuttener Bezirksparteiobmann Vinzenz Schedle und Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler.

Anhaltender Protest gegen “Fernpasspaket”

Bei den Demonstrationen handelt es sich jedenfalls um ein da capo: Bereits am 27. Juni war es am Fernpass zu zwei Kundgebungen der Initiative gekommen – bis zu 700 Menschen nahmen daran teil. Auch dabei wurde die Fernpassroute zwei Stunden lang gesperrt.

Damals wie am Samstag protestierte man zwar auch gegen den überbordenden (Transit)-Verkehr in der Region an sich, aber vor allem gegen das Anfang 2024 präsentierte “Fernpasspaket”. Durch dieses soll der Bezirk Reutte bzw. das Außerfern besser an den Tiroler Zentralraum angebunden werden. Zudem soll die Verkehrssicherheit auf der viel befahrenen Strecke erhöht und für einen flüssigeren Verkehr gesorgt werden. Das Projekt mit einer Investitionssumme von 500 Millionen Euro und einem Haftungsrahmen von 600 Millionen Euro umfasst unter anderem den neuen Fernpassscheiteltunnel, eine zweite Röhre beim Lermooser Tunnel, ein neues Mautsystem samt Infrastruktur sowie Lärmschutzmaßnahmen. Seit Verkündung des Projekts laufen Bürgerinitiativen dagegen Sturm, ist der Unmut in der Region teils groß. Die Kritiker sehen ein “Fernpass-Beschleunigungspaket”, das noch mehr Verkehr zur Folge haben werde.

Maßnahmen der Behörden

Der kurze Demo-Tag bedeutete jedenfalls einmal mehr einen Großeinsatz für Polizei und Behörden. Neben der Fernpassstraße war im selben Zeitraum – aus Kapazitäts- und Versorgungssicherheitsgründen – auch die enge Hahntennjochstraße (L246) nicht passierbar. Das Land Tirol hatte auch diesmal im Vorfeld eindringlich an Reisende appelliert, die Fernpassroute am Samstag generell zu meiden bzw. diese großräumig zu umfahren. Und zwar wegen des prognostizierten starken Reiseverkehrs mit Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg und “möglichem vor- und nachgelagerten Verkehr”, wie es hieß. Seitens der zuständigen Behörden werden zudem erneut Maßnahmen vorbereitet, um die (Versorgungs)-Sicherheit in der Region zu gewährleisten und Anrainer zu schützen. So wurde eben die Hahntennjochstraße im gleichen Zeitraum ebenfalls gesperrt – dies war bereits am 27. Juni aus “Kapazitäts- und Versorgungssicherheitsgründen” der Fall gewesen. Zudem wurde auf am Samstag geltende Fahrverbote für den Ausweichverkehr im Bezirk Reutte verwiesen – konkret auf der Reuttener Straße (L 69) Fahrtrichtung Pflach, auf der Pinswanger Straße (L 288) Fahrtrichtung Pflach und der Zufahrtsstraße Heiterwang in Fahrtrichtung Norden.

Indes galt erneut: Einsatzfahrzeuge dürfen die Sperre passieren. Zudem können Anrainer, die entlang der Hahntennjochstraße wohnen, diese auch während der festgelegten Sperrzeiten nutzen. Zwischen den beiden Sperren im Bereich Reutte/Katzenberg sowie Nassereith/Rastland könne zudem die Fernpassstraße im Zwischentoren ohne Einschränkungen genutzt werden. Das bedeute, dass es beispielsweise auch zwischen 9.45 Uhr und 12.00 Uhr möglich ist, von Heiterwang nach Biberwier zu fahren. Eine An- oder Abreise zur bzw. aus der Zugspitzregion ist über die Ehrwalder Straße (B 187) Richtung Garmisch-Partenkirchen oder die Berwang-Namloser Straße (L 21) Richtung Lechtal möglich.

Bisher kein Verkehrschaos: “Es schaut gut aus”

Am 27. Juni, ebenfalls ein Samstag, war das befürchtete Verkehrschaos trotz Demos und Sperre jedenfalls ausgeblieben. Und auch diesmal zeichnete sich dieselbe Entwicklung ab. “Keine besonderen Auffälligkeiten” meldete die Landesverkehrsabteilung der Tiroler Polizei gegenüber der APA. “Es schaut gut aus”, meinte auch ÖAMTC-Sprecherin Dzana Poturovic kurz vor der Sperre. Man sehe kein überbordendes bzw. außergewöhnliches Verkehrsaufkommen – weder auf der Fernpassroute noch anderswo in Tirol. Lediglich auf der Brennerautobahn (A13) gebe es etwas Stau – aber eine solche Lage verzeichne man schließlich auch oft unter der Woche. Der Urlauberverkehr sei offenbar “gut ausgewichen” – die Menschen seien offenbar bereits am Freitag und in der Nacht aufgebrochen oder würden dies Samstagnachmittag tun.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen