Von: importer
Zwei Tage nach dem Sabotageakt an einer Pipeline im Osten Syriens haben staatliche Medien eine weitere Explosion an einer Gaspipeline unweit Damaskus gemeldet. In Ost-Ghuta nahe der syrischen Hauptstadt sei am späten Mittwochabend “eine Detonation zu hören” gewesen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Laut syrischen Regierungskreisen handelte es sich um eine “Explosion in einer Gaspipeline nahe dem Kraftwerk Tishrin”. Dabei sei ein Großbrand ausgelöst worden.
Nach Angaben der syrischen Elektrizitätsgesellschaft fielen infolge der Explosion drei Kraftwerke aus. Die Abschaltung dieser Kraftwerke werde “zu einem Rückgang der Stromerzeugung und zu einer vorübergehenden Ausweitung der Zeiten für Stromrationierungen führen”, hieß es weiter.
Unmut wegen gestiegener Treibstoffpreise
Ein Vertreter des Energieministeriums erklärte derweil, die Auswirkungen der Explosion beschränkten sich nicht mehr nur auf den Stromsektor. Sie hätten sich auch auf “Pump- und Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser ausgeweitet”.
Erst vor zwei Tagen war es Medienberichten zufolge zwischen dem Gebiet Al-Shula und Deir al-Zor zu einer durch Sabotage verursachten Explosion in einer Gaspipeline gekommen. Dadurch wurde die Gasversorgung der Kraftwerke unterbrochen.
Die Explosionen ereigneten sich inmitten zunehmenden Unmuts in der Bevölkerung wegen der stark gestiegenen Kraftstoffpreise. Anfang des Monats war es deshalb zu Protesten gekommen. Die Behörden machen für den Preisanstieg den regionalen Konflikt mit dem Iran verantwortlich.
Schusswaffenangriff in Provinz Homs
Kurz nach der Explosion meldeten Staatsmedien einen Schusswaffenangriff auf einen Bus. Bei dem Vorfall in der Provinz Homs nördlich der Hauptstadt Damaskus seien sieben Menschen getötet und vier weitere verletzt worden, meldete die Nachrichtenagentur Sana. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren in dem Bus “Ingenieure und Arbeiter einer Privatfirma” sowie ein Angestellter der syrischen Elektrizitätsgesellschaft.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass alle Opfer der alawitischen Minderheit angehört hätten. Die Organisation bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien, ihre Angaben lassen sich oft nicht unabhängig überprüfen.
Die Alawiten sind eine religiöse Minderheit in Syrien, der auch Assad angehört. Sie waren bereits zuvor Ziel von Angriffen: 2025 wurden bei Massakern im Westen Syriens mehr als 1400 Menschen getötet, die meisten von ihnen laut der Beobachtungsstelle Angehörige der Alawiten.
Bürgerkriegsland kommt nicht zur Ruhe
Seit dem Sturz von Langzeit-Machthaber Bashar al-Assad im Dezember 2024 sehen sich die syrischen Behörden mit erheblichen Sicherheitsproblemen konfrontiert – vor allem Damaskus und seine Vororte wurden von mehreren Anschlägen getroffen.
Vor dem von 2011 bis 2024 andauernden Bürgerkrieg, der die Infrastruktur des Landes schwer beschädigt hatte, förderte Syrien nach Angaben seines Energieministers Mohammad al-Baschir täglich 30 Millionen Kubikmeter Gas für die Stromerzeugung. Heute ist die Menge auf 8,5 Millionen Kubikmeter gesunken. Der Bedarf liegt laut al-Baschir zwischen 22 und 25 Millionen Kubikmetern.
Nach dem Sturz Assads hat die neue Übergangsregierung im Juni mit dem US-Ölkonzern ConocoPhillips ein Abkommen zur Erschließung des Gassektors des Landes geschlossen.




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