Von: APA/Reuters/dpa
Die Gespräche zwischen den USA, der Ukraine und Russland sollen bald fortgesetzt werden. Die zweitägigen Beratungen in Abu Dhabi seien konstruktiv gewesen, so der US-Sondergesandte Steve Witkoff am Donnerstag. Sie hätten sich darauf konzentriert, wie die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden geschaffen werden könnten, und würden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Auch seitens der Ukraine hieß es, die trilateralen Beratungen sollten in den kommenden Wochen weitergehen.
Die Ukraine und Russland hatten zuvor ihre zweitägigen Friedensgespräche in Abu Dhabi mit einer Einigung auf einen Gefangenenaustausch beendet. Unter Vermittlung der USA verständigten sich die Konfliktparteien auf die Freilassung von insgesamt 314 Kriegsgefangenen, sagte Witkoff. Dies sei der erste derartige Schritt seit Oktober 2025. Die Diskussionen würden fortgesetzt, in den kommenden Wochen werde mit weiteren Fortschritten gerechnet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, die nächste Gesprächsrunde mit Russland in Abu Dhabi finde in naher Zukunft statt. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Austausch von jeweils 157 Soldaten. Zudem seien drei Zivilisten aus der Region Kursk nach Russland zurückgekehrt.
“Kriegstreiber aus Europa”
Beide Seiten bewerteten den Verlauf der Gespräche grundsätzlich positiv. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow nannte das Treffen “bedeutungsvoll und produktiv”. Der russische Gesandte Kirill Dmitrijew sah ebenfalls Fortschritte und betonte die Arbeit an der Wiederherstellung der Beziehungen zu den USA. Scharfe Kritik übte er dagegen an den europäischen Verbündeten Kiews. Die “Kriegstreiber aus Europa” versuchten ständig, diesen Prozess zu stören, sagte Dmitrijew. Je mehr solche Versuche es gebe, desto deutlicher sehe man den Fortschritt.
Der Austausch von Gefangenen findet vor dem Hintergrund großer Opferzahlen in dem seit fast vier Jahren tobenden Krieg statt. Selenskyj bezifferte die Zahl der getöteten ukrainischen Soldaten in dieser Woche auf rund 55.000. Angaben zu Verwundeten oder Vermissten machte er nicht. Auf russischer Seite gab es nach Einschätzung der US-Denkfabrik CSIS fast 1,2 Millionen Opfer. Die Regierung in Moskau wies diesen Bericht als unzuverlässig zurück. Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen gingen die Kämpfe weiter. Selenskyj zufolge setzte Russland am Donnerstag 183 Drohnen gegen die Ukraine ein. Die heftigsten Gefechte tobten weiter entlang der rund 1200 Kilometer langen Frontlinie, insbesondere im Gebiet Donezk.
Trotz der Annäherung bei humanitären Fragen bleiben die Positionen in Kernpunkten weit voneinander entfernt. Moskau fordert als Vorbedingung für eine umfassende Einigung den Abzug ukrainischer Truppen aus dem gesamten Gebiet Donezk. Kiew lehnt dies strikt ab und will den Konflikt entlang der aktuellen Frontlinien einfrieren. Streit gibt es zudem um das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Der Chef des russischen Staatskonzerns Rosatom erklärte am Donnerstag zwar die Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit, betonte aber, die Anlage müsse unter russischer Kontrolle bleiben. Russland hält derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt.




Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen