SVP verliert laut Team K "jede Glaubwürdigkeit"

Bettenschwemme statt Bettenstopp?

Mittwoch, 04. Februar 2026 | 15:30 Uhr

Von: mk

Bozen – Eine mögliche Aufweichung des Bettenstopps sorgt derzeit in Südtirol für Diskussionen – unter anderem auch im Landtag. Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte am Freitag, dass es keine generelle Verlängerung des sogenannten „Bettenstopps” geben. Am Dienstagabend wurde bei einer Online-Konferenz der Bürgermeister mit dem Landeshauptmann und Landesrat Luis Walcher beschlossen, die Gemeinderäte vor Ort könnten entscheiden, was mit den erworbenen Rechten in den Tourismuszonen zum Verfallstag am 22.September in diesem Jahr geschehen soll. Das Team K zeigt sich skeptisch.

„Was das heißt, kann sich jeder leicht ausmalen: Überall, wo große Namen sich die Rechte gesichert haben, wird gebaut werden, von Bruneck bis Brixen“, erklärt der Landtagsfraktionssprecher Paul Köllensperger.

Er spricht von Gesetzgebung der „Marke SVP“: Private würden mit Bürokratie und Kosten überzogen, wenn sie nur ihre Wohnung ausbauen wollen, aber sobald ein Gesetz die Interessen von ein paar wichtigen Firmen und Namen störe, werde es gedehnt, verlängert, de facto ausgesetzt. „Nachname und Parteikartl zählt mehr als Rechtssicherheit. Die Partei verliert mit dieser Maßnahme ihre letzte Glaubwürdigkeit und die Ära Kompatscher das einzig nennenswerte Gesetz seiner Amtszeit“, lautet das bittere Fazit von Köllensperger.

„Es gibt über 400 Hektar an ausgewiesenen Tourismuszonen. Wie will der Landeshauptmann den Menschen – vor allem den jungen Leuten, die aus Südtirol wegziehen – erklären, dass wir keine Baugründe für das WOBI und den Wohnungsmangel finden, aber 400 Hektar für Hotels?“, fragt Köllensperger.

Mit dieser Lösung dürften Dutzende neue Hotels und zigtausende Betten in Südtirol gebaut werden, rechnet das Team K. „Die Unternehmen verfolgen natürlich ihre betrieblichen Interessen, aber die Politik sollte jene der Bevölkerung verfolgen. Landesrat Walcher spricht von 12.000 Betten, doch das dürfte weit untertrieben sein. Denn dazu gesellen sich weitere 6.000 Betten auf Campingplätzen und eine unbekannte Zahl in den zahlreichen Zonen ohne Kontingente in den strukturschwachen Gemeinden und in den Städten – Ortskerne sowieso ausgenommen“, so Köllensperger. Auskunft auf seine Anfrage dazu noch vom Dezember habe der zuständige Landesrat bis dato keine gegeben.

Das Team K selbst sei dem Bettenstopp durchaus kritisch gegenübergestanden und hätte ein Bauverbot im Grünen mit gleichzeitiger Begrenzung der täglichen Besucher von Tourismus-Hotspots vorgezogen, um benachteiligten Gebieten und kleineren Familienhotels eine Wachstumsmöglichkeit zu lassen. Der Bettenstopp sei jedoch ein gangbarer Weg gewesen, eine Obergrenze einzuführen und den Wildwuchs zu beenden. „Die freie Bahn in den Tourismuszonen jedoch ist jetzt die denkbar schlechteste Lösung. Denn fast alles spricht gegen weitere Betten in Südtirol, wenn man auch nur ansatzweise die Bevölkerung und die Lebensqualität in Südtirol am Herzen hat“, so Köllensperger.

Auch dem Tourismus selbst würde eine neue Bettenschwemme nicht guttun. Denn eine Verlängerung der erworbenen Rechte diene vor allem der Spekulation. „Für einzelne sinnvolle Projekte gibt es 1.000 Betten im Landeskontingent und das reicht. In den größten Tourismuszonen, ohne jegliche Bettenkontingente, kann laut maximaler Baudichte neue Kubatur erstellt werden und dann mit Betten gefüllt – auch die Obergrenze von 150 Betten pro Betrieb gilt nicht in den 75 unverbauten Tourismuszonen. Es könnten dort also richtige Bettenburgen entstehen. Und keine kleinen, familiengeführten Hotels, die Südtirols Stärke ausgemacht haben, nein, diese riskieren die Zeche zu zahlen“, warnt Köllensperger.

Laut Team bedeuten mehr Betten mehr Angebot: Wenn die Nachfrage einmal stagniert oder wenn in den Nebensaisonen die Betten nicht ausgelastet sind, heißt das: Die großen Hotels fahren mit ihren Preisen aggressiv herunter und machen den kleinen Drei-Sterne-Hotels das Überleben schwer.

„Außerdem braucht es für all diese Betten tausende Leute an Personal – woher sollen die kommen? Die Großen werden sie den Kleinen abwerben. Damit riskiert die volkswirtschaftlich wichtigste Hotelkategorie, jene mit der besten Verteilung der Wertschöpfung im Lande, jene unserer familiengeführten Drei-Sterne-Betriebe, so richtig an die Wand gefahren zu werden. Die neuen Hotels werden den Top-Gebieten und den Top-Lagen entstehen und unsere Hotspots noch weiter überlasten. Und der Verkehr? Wenn all diese Betten gebaut werden, bedeutet das 300.000 bis 500.000 Autos mehr auf unseren Straßen. Gute Nacht, Südtirol“, warnt Köllensperger.

Bezirk: Bozen

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