Von: APA/Reuters/dpa
Unterhändler Russlands und der Ukraine haben ukrainischen Berichten zufolge ihre Verhandlungen unter US-Vermittlung in Abu Dhabi am Mittwochabend beendet. Die Gespräche im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs sollen am Donnerstag fortgesetzt werden, meldeten Medien unter Berufung auf den Nationalen Sicherheitsrat der Ukraine. Inhaltliches war zunächst nicht bekannt. Ukraines Verhandlungschef Rustem Umjerow hatte zuvor von einem möglichen Gefangenenaustausch gesprochen.
Die Positionen der Kriegsparteien liegen bei zentralen Punkten noch weit auseinander. Zu den heikelsten Fragen gehört die Forderung Moskaus, dass die Ukraine von ihr gehaltenes Territorium aufgibt.
Mehrheit der Ukrainer lehnt Abkommen ab
Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Ukrainer ein Abkommen ab, das Russland Gebietsgewinne zugesteht. Ungeachtet der anstehenden Gespräche gab es am gestrigen Dienstag schwere russische Angriffe auf die Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, eine von den USA unterstützte Waffenruhe zur Aufstockung seiner Munitionsbestände genutzt zu haben. Russlands Angriffskrieg auf die benachbarte Ex-Sowjetrepublik hatte vor fast vier Jahren begonnen.
Die Regierung in Moskau machte zu Beginn der Gespräche klar, dass sie an ihren Forderungen festhalte. Russische Truppen würden so lange weiter in der Ukraine kämpfen, bis die Regierung in Kiew Entscheidungen zur Beendigung des Krieges treffe, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die russische Position sei unverändert.
Als Vorbedingung für eine Einigung verlangt Russland von der Regierung in Kiew den Abzug ukrainischer Truppen aus der gesamten östlichen Region Donezk. Dazu gehört auch ein Gürtel stark befestigter Städte, die als eine der stärksten Verteidigungslinien der Ukraine gelten. Die Ukraine fordert dagegen, den Konflikt entlang der derzeitigen Frontlinie einzufrieren, und lehnt einen einseitigen Rückzug ihrer Streitkräfte ab. Russland hält derzeit etwa 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Militäranalysten zufolge haben die russischen Streitkräfte seit Anfang 2024 etwa 1,5 Prozent des ukrainischen Territoriums hinzugewonnen.
Auch die Zukunft des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja, des größten in Europa, ist strittig. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew konzentrieren sich die Gespräche auf militärische Fragen. Umjerow erklärte weiter, die Verhandlungsteams würden sich auch in getrennten Gruppen treffen. Dabei würden bestimmte Verhandlungspunkte erörtert und die Positionen anschließend in einer gemeinsamen Sitzung abgeglichen. Die erste Runde der Gespräche fand im Jänner statt, die zweite ist nun auf zwei Tage angesetzt.
Der russische Präsident Wladimir Putin missbraucht nach Ansicht der EU-Kommission die laufenden Waffenstillstandsgespräche für Angriffe auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine. “Putin kann diesen Krieg sofort beenden”, sagt eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Er zeige jedoch keinerlei Anzeichen dafür. Stattdessen nutze er sogar die Diskussionen über eine Feuerpause, um weiter zivile Ziele anzugreifen und unschuldige Menschen zu töten.
Erneut Drohnenangriffe in der Ukraine
In der ukrainischen Region Dnipropetrowsk sind unterdessen nach Behördenangaben zwei Menschen infolge russischer Drohnenangriffe ums Leben gekommen, zwei weitere wurden verletzt. Die Drohnen schlugen in der Gemeinde Wassylkiwka im Osten der Region ein, teilte Gouverneur Olexander Hanscha bei Telegram mit. Es sei Feuer ausgebrochen, ein Privathaus zerstört und drei weitere beschädigt worden. Daneben habe es mehrere Autos und eine Stromleitung getroffen. Wassylkiwka liegt weniger als 50 Kilometer von der Front entfernt.
Einmal mehr gerieten auch die Stadt Nikopol und die anliegenden Gemeinden in der Nacht unter Drohnen- und Artilleriebeschuss, wie Hanscha mitteilte. Demnach wurden Infrastrukturobjekte und Stromleitungen beschädigt. Nikopol liegt am Fluss Dnipro auf der gegenüberliegenden Seite des von russischen Truppen besetzten Atomkraftwerks Saporischschja.
In der ostukrainischen Stadt Druschkiwka sind mindestens sieben Menschen durch russischen Beschuss getötet worden. Weitere acht wurden verletzt, teilte der Gouverneur des Gebiets Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Den Angaben nach schlugen Streubomben auf dem Marktgelände ein. Auf das Industriegebiet der Stadt habe das russische Militär zudem zwei Bomben abgeworfen und mehrere Gebäude beschädigt.
Das russische Militär hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über zwei Orte in der Ostukraine erlangt. Demnach handle es sich um die Siedlungen Staroukrajinka und Stepaniwka, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau meldet.




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