Von: APA/dpa
Israel wird nach Angaben von US-Präsident Donald Trump den Libanon nicht mehr angreifen. “Es ist ihnen von den USA VERBOTEN. Es reicht jetzt!!!”, schrieb er am Freitag auf seiner Plattform Truth Social. Am Donnerstag hatte Trump eine zehntägige Waffenruhe im Libanon verkündet, nachdem sich in dem Land die proiranische schiitische Hisbollah-Miliz sechs Wochen lang Gefechte mit der israelischen Armee geliefert hatte.
Israel strebt nach Angaben von Regierungschef Benjamin Netanyahu trotz Waffenruhe weiterhin die Zerschlagung der Hisbollah an. “Das wird nicht morgen erreicht werden. Es erfordert kontinuierliche Anstrengungen, Geduld und Ausdauer, zudem erfordert es ein geschicktes Agieren auf diplomatischem Parkett”, sagte er in einer von seinem Büro am Freitagnachmittag verbreiteten Videobotschaft. Darin sagte Netanyahu weiter, er habe der “vorübergehenden Waffenruhe im Libanon” auf Bitten Trumps zugestimmt.
Netanyahu: Haben unsere Aufgabe noch nicht beendet
Israel habe eine “tiefe Sicherheitspufferzone” an seiner Nordgrenze geschaffen, die die unmittelbare Bedrohung wie etwa einen Einmarsch der vom Iran unterstützten Hisbollah nach Israel verhindere. Zudem habe Israel rund 90 Prozent der Vorräte an Raketen und Geschossen der Miliz zerstört. Zugleich sagte Israels Ministerpräsident: “Wir haben die Aufgabe noch nicht beendet.” Netanyahu versprach etwa Maßnahmen gegen die verbliebenen Raketen und Drohnen, wollte zunächst aber keine Einzelheiten nennen.
Für die Menschen in Nordisrael werde die Sicherheit “auf die eine oder andere Weise” wieder hergestellt, sagte der israelische Ministerpräsident weiter. In Israel hatte es nach Verkündigung der Waffenruhe mit dem Libanon Kritik gegeben, wonach die Bevölkerung in Nordisrael weiterhin durch die Hisbollah bedroht werde und Israels Kriegsziele nicht erreicht worden seien. Mit Blick auf die ersten direkten Gespräche zwischen Vertretern Israels und dem Libanon seit mehr als 40 Jahren erklärte Netanyahu: “Der Weg zum Frieden ist noch lang, aber wir haben ihn begonnen.” Zugleich sagte er: “Eine unserer Hände hält eine Waffe, unsere andere Hand strecken wir in Frieden aus.”
Die libanesische Regierung sowie die regulären Streitkräfte des Landes betonten mehrfach, dass sie nicht direkt an diesen Kampfhandlungen beteiligt waren. Trump hatte die Waffenruhe nach Gesprächen mit dem libanesischen Staatspräsidenten Joseph Aoun und mit Netanyahu bekannt gegeben. Die Waffenruhe gilt seit Mitternacht (Ortszeit). Allerdings warf die libanesische Armee Israel bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten den Beschuss mehrerer Dörfer im Süden des Landes vor.
Vertriebene im Libanon kehren nach Waffenruhe zurück
Dennoch machen sich seit den frühen Morgenstunden des Freitags tausende Menschen im Libanon auf den Weg zurück in ihre Heimatorte. Auf den Straßen in Richtung Süden bildeten sich Augenzeugen zufolge lange Staus. Zahlreiche Fahrzeuge waren dicht bepackt und mit Matratzen und weiteren Habseligkeiten beladen. Einige schwenkten Hisbollah-Fahnen aus dem Fenster, andere zeigten das Siegeszeichen mit den Händen.
“Ich bin so glücklich”, sagte Mahmud, der sich auf den Weg in seine Heimatstadt Nabatiya gemacht hat. “Ich werde mein Zelt auf meinem zerstörten Haus aufstellen und wieder zu Hause wohnen.” Eine andere Rückkehrerin sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Wir wissen, dass die Waffenruhe auf zehn Tage begrenzt ist, aber wir müssen zurückgehen und sehen, was von unseren Häusern übrig ist.”
Großflächige Zerstörung, mehr als eine Million Vertriebene
Im Südlibanon und in denen als Dahiya bekannten südlichen Vororten Beiruts herrscht nach Wochen des Kriegs großflächige Zerstörung. Viele Verbindungswege in Richtung Süden wurden während des Kriegs vom israelischen Militär angegriffen und zerstört. Mehr als eine Million Menschen wurden durch die jüngste Eskalation vertrieben.
Israels Armee hatte kurz nach Inkrafttreten der Waffenruhe die Bewohner im Libanon dazu aufgerufen, sich nicht südlich des Litani-Flusses – etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt – zu begeben. Ein Großteil der Binnenvertriebenen stammt aus dem betroffenen Gebiet.
Hisbollah behält “Hände am Abzug”
Die Kämpfer der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon werden nach eigenen Angaben “ihre Hände am Abzug” behalten. In einer Stellungnahme der Schiitenorganisation hieß es, man bleibe wachsam gegenüber “dem Verrat und der Heimtücke des Feindes”.
Seit Beginn des Krieges habe die Miliz der Organisation durchschnittlich 49 Operationen pro Tag durchgeführt. Mehr als 2.000 Militäroperationen seien veröffentlicht worden, hieß es weiter. Dabei handle es sich um Konfrontationen mit israelischen Truppen im Südlibanon sowie um Angriffe auf deren Stellungen und Militärstützpunkten in Israel. Ihre Operationen hätten auch auf israelische Orte und auf Städte wie Tel Aviv abgezielt.




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