Von: mk
Die Kongresswahlen in den USA, die heuer am 3. November stattfinden, werfen bereits ihre Schatten voraus. Zwei Jahre nach der erneuten Wahl Donald Trumps zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten ist es auch eine Abstimmung über seine bisherige Politik. Weil Umfragen jedoch nichts Gutes verheißen, greifen die Republikaner tief in die Trickkiste und lassen Wahlkreise neu zeichnen – was die Kritik allerdings noch verschärft. In einer leidenschaftlichen Rede, die mittlerweile viral wurde, rechnet ein Mann aus Louisiana öffentlich mit der Trump-Administration ab.
Ein Urteil des Obersten US-Gerichtshofs im vergangenen Monat gibt Bundesstaaten mehr Spielraum beim Zuschnitt von Bezirken mit schwarzer oder lateinamerikanischer Mehrheit. Die Republikaner, die ihre knappe Mehrheit im US-Repräsentantenhaus bei den Wahlen im November verteidigen wollen, nutzten in mehreren von ihnen regierten Südstaaten die Entscheidung bereits aus. In Missouri wurde etwa eine von Republikanern durchgesetzte Neugliederung der Wahlkreise bestätigt, die einen der zwei demokratischen Sitze streicht.
Offenbar geht die Angst unter den Republikanern vor einem Kontrollverlust um: Der Angriff auf den Iran, der Epstein-Skandal, aber auch die Todesopfer bei Razzien der Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota haben die Bürger in den USA aufgerüttelt und Trumps Zustimmungswerte landesweit heftig ins Straucheln gebracht. Zuletzt erreichte die Ablehnung des Präsidenten auch Rekordhöhen in Zusammenhang mit Wirtschaft und dem Gesundheitswesen, wie CNN berichtete – eigentlich Kernstärken von Trump, mit denen er bislang bei den Wählern punkten konnte.
Stattdessen spüren immer größere Teile der Bevölkerung in den USA die Folgen von Fehlentscheidungen der Regierung. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich, die Kosten sind deutlich gestiegen – nicht zuletzt wegen Trumps erratischer Zollpolitik.
Um Mehrheiten zu retten, greifen republikanisch regierte Bundesstaaten nun offenbar auf eine Neuaufteilung der Wahlkreise zurück, zumal die schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten traditionell eher die Demokraten wählt. Marshan Camese, ein Einwohner aus New Orleans, warf den Republikanern während einer Senatsanhörung des Staates deshalb vor, schwarze Wähler um politische Mitsprache zu betrügen, und rechnete gnadenlos mit der Trump-Administration ab. Die emotionale Rede ging viral.
A Louisiana resident who identified himself as Marshawn delivered a fiery, emotional speech to lawmakers during a state Senate hearing over redistricting Monday, accusing Republicans of trying to “cheat” Black voters out of political power. pic.twitter.com/pKTj6iV9PM
— The Root (@TheRoot) May 13, 2026
Seine zentrale Botschaft lautet: Trumps-Maga-Bewegung sei das letzte Überbleibsel der Konföderation, also der sklavenhaltenden Südstaaten vor dem Bürgerkrieg.
Dabei zitiert er in seiner Rede auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy, der sagte, schwarze Kinder seien mit Antidepressiva zugedröhnt und müssten deshalb umerzogen werden. Kriegsminister Pete Hegseth bringe hingegen ständig Doug Wilson in den Pentagon – ein Pastor, der behauptet, Sklavenhalter hätten aus christlicher Sicht nichts Falsches gemacht. „Ich hege keinerlei Glauben in die Moral von nur irgendjemanden, der Donald Trump folgt. Ihr, die ihr alle hier seid, habt bereits gezeigt, wer ihre seid, ansonsten wärt ihr nicht in dieser Partei und ihr würdet eure Stimme dagegen erheben“, betonte Camese. Das ganze Land tadle die Republikaner.
„Ihr alle seid in einer Todesspirale. Deshalb müsst ihr die Wahlkreise neu aufteilen, deshalb müsst ihr betrügen“, wettert der 33-Jährige.
Gleichzeitig kritisierte er den Irak-Krieg und die Todesopfer auf US-amerikanischer Seite. „Doch das Schöne daran ist: Eure eigenen Kinder und Menschen, die jünger sind, unterstützen diesen Rassismus nicht, den ihr alle wollt.“
Dann führt die feurige Rede zum entscheidenden Schlag: „Die Maga-Bewegung ist der letzte Atemzug der Konföderation und ich wird mit Freude dabei zuschauen, wie euch Millennials und die Generation Z zu Grabe tragen. Bei den Midterms werdet ihr vom Tisch gefegt. Trump wird aus dem Weißen Haus gezerrt und ich werde jede Sekunde genießen.“
Immerhin hätten die Republikaner viel Leid in den USA sowie in der Welt verursacht und ebenfalls dabei zugesehen. „Cuba wird ausgehungert, Bomben fallen auf Nigeria. Wir halten Zimbawe und Sambia als Geißeln wegen ihrer Mineralien, ohne sie zu unterstützen“, argumentiert Camese.
Abtreibungsgegner, die behaupten, jedes Leben sei besonders, würden zulassen, wie Kinder an AIDS sterben. „Wo steht das denn in der Bibel?“, fragt Camese abschließend.
Der Versuch, die Wahlkreise in South Carolina neu zu zeichnen und den einzigen demokratischen Kongressbezirk des Bundesstaates abzuschaffen, ist zuletzt allerdings im US-Senat gescheitert. Tennessee beschloss eine neue Karte, die einen mehrheitlich schwarzen Bezirk aufteilt. Louisiana und Alabama verschoben ihre Vorwahlen, damit republikanische Abgeordnete Zeit für neue Wahlkreisgrenzen haben.




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